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Liebe für alle: Katholische Kirche lädt Homosexuelle ein

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Von: Sarah Lorencic

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Für die Liebe für alle sind Eva Koch (links, Gemeindereferentin) und Barbara Vormann (Gemeinderat).
Für die Liebe für alle sind Eva Koch (links, Gemeindereferentin) und Barbara Vormann (Gemeinderat). © Lorencic, Sarah

Noch vor einem Jahr hat die Katholische Kirche Segnungen von homosexuellen Paaren verboten. Bei der Aktion #liebegewinnt passiert nun genau das. Und die lokalen Gemeindevertreter stehen hinter der Aktion – und wünschen sich noch mehr. Ein Gespräch über Gott und die Liebe.

Halver – Liebe ist für alle da, auch wenn das der Vatikan noch immer anders sieht. Daran aber orientieren sich Gemeindereferentin Eva Koch und Barbara Vormann aus dem Gemeinderat der Katholischen Kirchengemeinde Christus König nicht. Sie laden alle, die sich lieben, in ihre Gemeinde zu einem Segnungsgottesdienst ein und richten die Einladung vor allem an homosexuelle Paare. Damit beteiligen sie sich an einer landesweiten Initiative, was sie nicht müssten, aber sie wollen ein Zeichen setzen. Die Regenbogenfahne wird man an der Kirche deshalb ebenfalls sehen.

„Die Kirche muss sich weiter wandeln“, findet Barbara Vormann. „Menschen werden damit geboren, dürfen es aber in der Kirche nicht so leben.“ Für die Gemeinderätin ist das ein Widerspruch. Man darf Menschen nicht diskriminieren, das sei auch im christlichen Glauben ganz klar festgeschrieben. Wieso tut es die Katholische Kirche dann? Geht es nach den beiden Halveranerinnen, dann weil sie an alten Werten festhält und Bibelstellen zum Teil falsch beziehungsweise nicht mehr zeitgemäß deutet. Wenn an manchen Bibelstellen davon die Rede ist, dass sich nicht ein Mann neben einen Mann legen soll wie er es neben eine Frau macht, dann ist im historischen Kontext eher die Rede von gewaltvollen sexuellen Handlungen zwischen Jungen und Männern. Wie die beiden Frauen erklären, ist dann nicht die Rede von Liebe zwischen zwei Männern oder Frauen. „Es ging nicht um Beziehungen auf Augenhöhe.“

Auslegung der Bibel ist veraltet

Ein weiterer Aspekt war auch immer das Thema Fortpflanzung. Aber Menschen können auch fruchtbar sein, indem sie Wissen weitergeben, erklärt Eva Koch, die Theologie studiert hat und an der Universität zu allererst lernte, dass man die Bibel nicht einfach wörtlich nehmen darf. Und grundsätzlichen, sagen beide unisono, dass es nicht um den Menschen allein in der Religion gehen würde, sondern um den Menschen in Beziehung.

Kirchlich heiraten können Homosexuelle in naher und ferner Zukunft wohl nicht, meinen auch Eva Koch und Barbara Vormann. Aber eine Segnung können sie erhalten. Dass vielen daran liegt, wissen die beiden. Auch in der Gemeinde Christus König, die Kirchen in Breckerfeld, Halver, Hagen-Dahl und Schalksmühle hat, gibt es homosexuelle und queere Gläubige. Eine Segnung, erklärt Eva Koch, bedeute zunächst „etwas Gutes sagen“. In der weiteren Bedeutung geht eine Segnung allerdings tiefer. „Wenn ein Segen zugesprochen wird, dann heißt das, du bist nicht allein, sondern mit Gott.“ So wie es auch in der Liebe ist: angenommen werden, wie man ist – mit all seinen Fehlern, erklärt die Gemeindereferentin. Dass man sein darf, wer man ist. Auf die Frage, was Liebe eigentlich ist, gehen die Frauen in sich. „Das Einfachste und Schwerste zugleich“, sagt Eva Koch. „Wenn ein Mensch geliebt wird, ist alles gewonnen.“ Liebe kann nie eine Sünde sein, sind sich beide einig. Das zu behaupten, verletzt die Menschen, wie Barbara Vormann aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis weiß.

Segnung am Sonntag

Am kommenden Sonntag, 15. Mai, finden im Anschluss an den Gottesdienst Segnungen von Paaren statt, die das Angebot in Anspruch nehmen möchten. Die Einladung richtet sich vor allem an homosexuelle Paare. Im Anschluss gibt es einen Sektempfang. Wer darüber hinaus den Wunsch hat, dass ein paar Worte seitens des Pfarrers gesprochen werden, kann sich an die Pfarrei unter Tel. 0 23 53 / 37 30 wenden.

Die Serie: Frühlingsgefühle

Es ist Frühling geworden. Mit dem Jahreszeitenwechsel, aber auch mit den ersten spürbaren Lockerungen nach der zweijährigen Corona-Pandemie wünschen sich viele einmal mehr auch die passenden Frühlingsgefühle. Aber wie kommt man dahin? In der Serie „Frühlingsgefühle“ werfen wir einen Blick darauf, wie der Kreis flirtet und haben dazu eine Dating-App getestet. Wir geben Tipps für erste Dates in der Stadt und zeigen Orte, an denen sie stattfinden können. Wir thematisieren die unterschiedlichen Arten von Liebe, zeigen Menschen, die lange ihr Leben miteinander teilen und erklären, wie man das schaffen kann. Im zweiten Teil geht es um Liebe, die man kaufen kann. Darüber haben wir mit einem Callboy gesprochen.

Teil 1: Zwei, die sich lieben sind ein Team: Liebe gegen gesellschaftliche Vorurteile
Teil 2: Das Geschäft mit der Liebe: Callboy gibt intime Einblicke
Teil 3: Homosexualität: Was sagt die katholische Kirche zu gleichgeschlechtlichen Partnerschaften?

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