Letzter Tag der Aldi-Filiale an der Volmestraße

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Der Blick auf den Parkplatz verriet schon, was im Inneren des Supermarkts los war: wenig.

Oberbrügge - Eine letzte Packung Kakaopulver steht im Regal, der Ceylon-Assam-Tee ist schon ausverkauft und auch im Weinsortiment klaffen riesige Löcher: Am Samstagvormittag reicht ein Blick in die Auslagen der Aldi-Filiale in Oberbrügge, um zu sehen, dass bald Schluss ist.

Eine Handvoll Frauen und Männer schieben Einkaufswagen durch die Gänge und nur eine – manchmal gar keine – Kasse ist besetzt. Offenbar haben viele Stammkunden ihren letzten Einkauf in dem Supermarkt schon erledigt, bevor der sich am Samstag nach gut 20 Jahren von diesem Standort verabschiedete.

Das sei eine schlechte Entwicklung für Oberbrügge, da waren sich die Aldi-Kunden am Samstagvormittag einig. Vor allem Senioren, die nicht oder nicht mehr Auto fahren können, bereite die Schließung Probleme. „Ich komme zwar immer mit dem Auto“, sagte ein Kunde aus Oberbrügge. „Aber ich werde bald 80 Jahre alt, wer weiß, wie lange das noch geht.“

Und wer ohne Pkw in einer der anderen Filialen an der Kölner Straße oder in Halver einkaufen wolle, müsse mit dem Bus fahren, vielleicht sogar umsteigen. „Das sind ja auch Zusatzkosten“, sagte der Kunde. „Es ärgert mich, dass man für die Bevölkerung nichts tut.“ Als er seinen Einkauf bezahlte, erkundigte er sich noch besorgt bei der Kassiererin, ob sie denn schon eine neue Stelle habe. Ja, sie sei in eine andere Filiale versetzt worden.

Dass am Samstag im Supermarkt kaum einer der Kunden anzutreffen war, die ihre Einkäufe bisher zu Fuß erledigten, mag auch am stürmischen Regenwetter gelegen haben. Andere haben vielleicht schon andere Lösungen gefunden, wie die Nachbarn einer weiteren Kundin aus Oberbrügge: „Die beiden sind 80 und 84 Jahre alt. Sie haben kein Auto und haben bisher immer mit dem Rollator eingekauft. Das mache ich jetzt für sie.“

Sie selbst kaufe schon seit 20 Jahren in der Aldi-Filiale ein – eben seit der Discounter eröffnet habe. Künftig werde sie auf den Lidl-Markt in Brügge ausweichen. „Für mich selbst ist es nicht so tragisch, weil ich ein Auto habe“, erklärte die 73-Jährige. „Aber für Oberbrügge ist es schade.“ Sie verstehe auch nicht, warum der Supermarkt geschlossen werde: „Ich habe noch nie erlebt, dass hier nichts los war. Am Mittwoch war ich noch hier, da war der Parkplatz voll.“

Und nicht nur die Oberbrügger selbst bedauern, dass der Discounter schließt. „Ich kaufe seit Jahren hier ein“, sagte eine Kundin aus Brügge. Schließlich habe Aldi ja doch ein anderes Angebot als andere Supermärkte. Auch sie werde ab dieser Woche auf die Lidl-Filiale in Brügge ausweichen. „Aber ich hoffe trotzdem, dass hier wieder ein Supermarkt hinkommt.“

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