Viel Zuversicht an Halvers neuer Humboldtschule

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Die Fünftklässler der Humboldtschule werden ab Sommer schon die Großen sein, wenn der nächste Jahrgang einrückt.

Halver - Es ist eine Schule in einer Schule. Ein Flur von vielen Fluren der Realschule gehört ihr schon. Vier Klassen, 108 Kinder. In wenigen Monaten werden es doppelt so viele sein. Vielleicht noch mehr.

Ein halbes Jahr ist Halvers Sekundarschule jetzt alt. 2019 wird sie die Ganztags- und die Realschule abgelöst haben. Ein Gespräch mit Schulleiter Reiner Klausing.

Herr Klausing, wie groß wird die Humboldtschule ab August sein?

Vier Züge sind für dieses Jahr von der Bezirksregierung genehmigt. Eigentlich waren für 2015 nur drei Züge vorgesehen. Wenn das Anmeldeverhalten der Eltern so bleibt, könnten es aber auch 2016/2017 vier Züge werden. Das hängt von den Anmeldungen ab, aber auch von Inklusionskindern, die Einfluss auf die Klassengröße haben, von Wechslern aus anderen Schulen und auch von Einpendlern, die in ihren Gemeinden im Umland keine Sekundarschule besuchen können.

Wann haben Sie dazu erste konkrete Zahlen?

Die Anmelderunde für den neuen 5er-Jahrgang läuft vom 2. bis zum 4. Februar, jeweils von 8 bis 16 Uhr, am ersten Tag bis 19 Uhr. Dann wissen wir mehr.

Wie bewerten Sie das erste Halbjahr an Ihrem neuen Arbeitsort?

Nach den Herbstferien, das waren etwa acht Wochen, haben wir eine erste Bilanz gezogen. Wir haben positive Rückmeldungen. Und schon da waren wir sehr zufrieden.

Etwas konkreter: Welche Anhaltspunkte haben Sie dafür?

Wir haben die Eltern befragt anlässlich des Beratungstages, bei dem wir versuchen, ihnen mehr Gesprächsanteile einzuräumen als zu den typischen Elternsprechtagen, wo der Lehrer am meisten redet. Das ist natürlich zeitaufwendig mit etwa 30 Minuten. Aber da sprechen wir über persönliche Ziele für das Kind. Das muss man aus Sicht der Betroffenen entwickeln.

Aber daraus allein kann man doch kein eindeutiges Feedback ableiten?

Zum Teil schon. Und wir haben damit eine Fragebogen-Aktion verbunden. Bei 108 Schülern hatten wir einen Rücklauf von 87, das heißt, eine 90- bis in manchen Klassen 100-prozentige Beteiligung.

Was fanden die Eltern nicht so gut?

Einigen fehlten Aussagen zum Notenspiegel. Aber darum ging es in der Beratungsstunde nicht, weil wir uns auf das Erkennen und die Förderung von Stärken konzentrieren wollten. Natürlich sprechen wir auch über Noten. Das wird am zweiten Beratungstag anders, und zwar jetzt bald, nach den Ferien und den ersten Zeugnissen.

Sind Noten für Eltern ein heikleres Thema als für die Lehrer an der Humboldt-schule?

Nein, im Prinzip nicht. Aber wir müssen Verständnis dafür schaffen, dass die Benotung beim Gemeinsamen Lernen anders gewichtet ist. Die Schülerinnen und Schüler schreiben ja Arbeiten auf unterschiedlichen Niveaus, orientiert an ihrem aktuellen Leistungsstand. Wichtig ist, dass wir die Durchlässigkeit für die Kinder und Jugendlichen zwischen allen Zielen gewährleisten. Das ist der Sinn des Gemeinsamen Lernens und die Chance für Halver als Schulstandort, weil damit vor Ort alle Abschlüsse angeboten werden.

Sie brauchen für die Zukunft mehr Platz. Warum verteilt man denn nicht die Schule einfach auf zwei Standorte?

Ich bin sehr froh, dass es die Grundsatzentscheidung gegen eine solche Lösung gibt. Das sind ja nicht nur organisatorische Erwägungen. Auch für die Kinder und Jugendlichen ist es wichtig, dass es eine, eben ihre Schule, gibt. Aber, wie gesagt, ich bin sicher, dass man mit dem gemeinsamen Willen in der Stadt zu vernünftigen Lösungen kommt.

Wenn aus zwei klassischen Schulformen eine wird, reicht Ihnen dann nicht eines der Gebäude?

Nein, ganz so einfach ist das nicht. Wir sind im Ganztagsbetrieb, das heißt zum Beispiel, dass 80 Kinder zurzeit hier essen. Ab Sommer werden es 60, vielleicht 80 mehr sein. Da werden wir schulorganisatorisch improvisieren. Aber das werden wir hinbekommen.

Also bräuchte die Humboldtschule in der Realschule nur eine größere Mensa?

Beide Schulen haben Vorzüge und Nachteile. An der Ganztagsschule gibt es bereits nötige Infrastrukturen für den Ganztag, dafür fehlen Klassenräume. Die Realschule hat mehr Räume, dafür fehlen die Voraussetzungen für den Ganztag. Das wird jetzt gerade untersucht. Das entscheidet demnächst die Politik.

Um zum Anfang zu kommen: keine fertige Schule, ganz viel Improvisation, täglich neuer Abstimmungsbedarf – was stimmt sie so zuversichtlich?

Vieles. Wir müssen keine vorhandenen Verkrustungen aufbrechen, können Fehler feststellen und korrigieren. Und, ganz wichtig: Wir fangen nicht bei Null an. Die Realschule ist mit dem Berufswahlsiegel zertifiziert. Wir wären mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn wir diese Kontakte nicht nutzen würden. Schule ist Standortfaktor, und wir werden uns in gleicher Gewichtung auf die betriebliche Ausrichtung wie auf die Gymnasiale Oberstufe am AFG und an den Berufskollegs ausrichten. Ich bin zuversichtlich.

Vielen Dank für das Gespräch.

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