Corona in der Ausbildung

Lehre im Lockdown: Azubis erzählen von ihrem Alltag

Corona Turck Ausbildung
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Im dritten Lehrjahr: Kim Schlabach kennt noch den Alltag im Unternehmen ganz ohne Corona. Am meisten vermisst er, „einfach wieder unbeschwert Pause zu machen“, wie er sagt.

Corona verändert auch die Ausbildungen in Betrieben. Drei Azubis erzählen, was sich durch den Pandemiealltag verändert hat.

Halver – Drei Azubis in jeweils unterschiedlichen Lehrjahren – alle bei der Firma Werner Turck beschäftigt: Carla Vedder (23) ist im ersten Lehrjahr zur Industriekauffrau, Max Kahler (19) im zweiten zum Industriekaufmann und Kim Schlabach (20) ist im dritten Lehrjahr zum Elektroniker für Geräte und Systeme.

Während Max Kahler und Kim Schlabach den Alltag bei Turck ohne Corona kennen, hat Carla Vedder ziemlich zeitgleich mit Beginn der Pandemie den Weg ins Berufsleben als Industriekauffrau begonnen. Aber alle drei erleben momentan den Ausbildungsalltag in Zeiten von Corona.

Anders als es bei dem Großteil der Kollegen im Unternehmen geregelt ist, sind die Auszubildenden größtenteils im Betrieb und nicht im Homeoffice. Verständlich – müssen sie doch angelernt werden, sagen auch sie. Für die Auszubildenden ist immer ein Ansprechpartner vor Ort, der Aufgaben kontrolliert und für Fragen zur Verfügung steht. Ansonsten läuft die Ausbildung bei Turck allerdings Corona-bedingt kontaktreduziert und mit geltenden Hygienekonzepten.

Einführunsgwoche fällt anders aus

Vieles ist anders im Unternehmensalltag. Gerade für Auszubildende organisiert das Unternehmen normalerweise einige Veranstaltungen. Das Azubi-Event etwa oder die Einführungswoche für die neuen Auszubildenden, in der sich die Berufseinsteiger bei gemeinsamen Ausflügen besser kennenlernen können. Pausen verbringen die Azubis normalerweise auch zusammen. Aber das Miteinander ist eingeschränkt. Traurig finden das auch die drei jungen Turck-Mitarbeiter. „Die Kollegen geben trotzdem ihr Bestes.“

Carla Vedder ist im ersten Lehrjahr.

Die Schalksmühlerin Carla Vedder kennt noch nicht alle ihre Kollegen persönlich – manche sogar noch gar nicht. Zu anderen hatte sie Kontakte über Videokonferenzen und Telefonate. Trotz allem gelingt die Integration in das Unternehmen gut, sagen die drei Auszubildenden unisono. Sie fühlen sich als ein Teil des großen Ganzen.

Kim Schlabach, der seine Prüfung zum Elektroniker dieses Jahr ablegen wird, freut sich trotzdem auf den Tag, an dem die Normalität in den Berufsalltag zurückkehrt.

Unterricht auf Distanz am Berufskolleg

Ähnlich ist es am Berufskolleg. Auch dort gilt: Unterricht auf Distanz. „Es klappt gut“, heißt es von den Azubis. Carla Vedder hatte bisher noch keine Berufsschule – das liegt an dem System des Blockunterrichts, das die Auszubildenden im kaufmännischen Bereich haben. Sie wechseln nicht innerhalb einer Woche von Theorie zu Praxis, sondern haben in einem Ausbildungsjahr einen Block Schule. So können sie sich entweder auf den Unterricht oder auf die Praxis im Unternehmen konzentrieren. Kim Schlabach hat in der Ausbildung zum Elektroniker für Geräte und Systeme hat zweimal in der Woche Distanzunterricht.

Max Kahler ist Halveraner und war am Anne-Frank-Gymnasium. Für ihn ist Digitalisierung kein Fremdwort. Bereits ab der achten Klasse, erzählt er, kam er nur noch mit Laptop in die Schule. Damals wurde er noch belächelt, heute ist er froh, dass die Entwicklung hin zum digitalen Lernen durch Corona beschleunigt wird. Ein für ihn positiver Effekt in dieser Krise, die sich auch im Unternehmen fortsetzt.

Max Kahler ist im zweiten Lehrjahr.

Insgesamt 24 junge Erwachsene werden am Halveraner Standort momentan in technisch-gewerblichen und kaufmännischen Ausbildungsberufen sowie im Bereich Logistik ausgebildet, wie Lara Zimmermann sagt. Jedes Jahr sind es normalerweise zehn neue Azubis, 2020 waren es nur acht. 2019 noch zehn – in den Jahren davor auch mal 14 im Jahr. Es gibt einen Bewerberrückgang, den man bei Turck bedauert. Corona spielt dabei aber auch eine tragende Rolle, sagt die Mitarbeiterin aus der Personalabteilung. Weil sich das Unternehmen nicht mehr auf Messen und Ausbildungsbörsen präsentieren kann, fehlt die Aufmerksamkeit für das Unternehmen. Auch hier versucht man, digitale Wege über soziale Netzwerke zu gehen.

Praktika nur noch in reduzierter Form

Ein weiterer Punkt ist, dass Praktika nur noch reduziert angeboten werden. Der Einblick ins Unternehmen fehlt Schülern und Studenten gleichermaßen. Trotz Corona durchlaufen die Azubis alle Abteilungen, soweit wie nur möglich. Das ist der Gruppe wichtig, sagt Lara Zimmermann.

Am 24. Februar steht eine Zwischenprüfung für Max Kahler an. Sorgen macht er sich über inhaltliche Fragen keine – er fühlt sich gut vorbereitet, sagt er. Gedanken macht er sich, dass am Berufskolleg Prüflinge 90 Minuten zusammen in einem Raum sitzen. Das Ergebnis der Prüfung fließt zwar nicht in die Abschlussnote ein, ist aber wichtig für das Unternehmen, um den Leistungsstand der Auszubildenden abzufragen.

Am meisten freuen sich die Drei darauf, wieder mit ihren Azubi-Kollegen mehr Kontakt zu haben. „Einfach wieder unbeschwert Pause machen“, sagt Kim Schlabach. Dazu gehöre auch, dass man wieder „Köpfe zusammenstecken kann“ und Projekte gemeinsam ganz anders angeht als momentan.

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