Leerstand im Fachmarktzentrum im MK: Erstes Geschäft gibt auf - nicht nur wegen Corona

Das Fachmarktzentrum ist seit vier Jahren ein Magnet für Kunden. Jetzt hat der erste Laden geschlossen. Wie geht’s weiter?	Foto: Walter Panne
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Das Fachmarktzentrum ist seit vier Jahren ein Magnet für Kunden. Jetzt hat der erste Laden geschlossen. Wie geht’s weiter?

Das Halveraner Spielzeuggeschäft Gato Toys ist geschlossen. An den Türen des Ladens am Fachmarktzentrum lässt ein Schild mit der Aufschrift „vorübergehend geschlossen“ noch hoffen. Aber wie Geschäftsführer Thomas Tourountzas auf Anfrage mitteilt, bleibt es dabei. „Ich habe nicht vor, den Laden wieder zu öffnen.“

Halver – Dass das Geschäft mit Ablauf des Mietvertrages ohnehin ausziehen wird, war bereits lange klar. Der Mietvertrag war auf fünf Jahre festgesetzt, schon nach zweieinhalb Jahren war klar: Das wird nichts. Die Jahre aber wollte man irgendwie rumkriegen, weil Tourountzas aus dem Vertrag nicht herauskommt. Aber das Geschäft war bereits vor Corona nicht lukrativ, und seit Corona ist „gar nichts mehr los“, sagt Tourountzas. In elf Monaten läuft der Mietvertrag aus. So lange bleibt das Licht im Laden aus, das ist jetzt klar.

Gato war einer der ersten Läden, die das Fachmarktzentrum am Bahngelände am 29. August 2017 bezogen haben. Damals hat sich der Lüdenscheider auf den Versuch eingelassen, eine Filiale zu eröffnen, weil es kein Spielzeuggeschäft in Halver gab, sagt er. „Aber anscheinend brauchen die Halveraner keinen Spielzeugladen“, sagte er schon vor der Corona-Krise mit Lockdowns und geringerem Kaufverhalten. Vieles spielte zusammen. Einerseits der Laden direkt gegenüber von Aldi. Geht es nach Tourountzas, war es immer schon eine schlechte Lage. Das Geschäft wurde in der Ecke nie wahrgenommen. Zum anderen mache es der Onlinehandel dem Einzelhandel schwer. Auch er verkauft Spielzeug online von seinem Lager in Schmidtsiepen aus. Der Geschäftsführer merkt aber, dass sich nur noch Geschäfte mit dem Großhandel lohnen – und selbst davon alleine hätte er während Corona nicht leben können. Schon vor einiger Zeit hat Tourountzas ein zweites Standbein eröffnet. Mit Feinkost und Naturkosmetik aus Griechenland. Mittlerweile produziert die Gato GmbH selbst in Griechenland und importiert Waren nach Deutschland. „Das macht mir Spaß“, sagt der Geschäftsführer. Das Spielzeuggeschäft ist für Thomas Tourountzas Geschichte. „Es war ein Reinfall“, stellt er resümierend fest.

Nicht nur vorübergehend geschlossen, sondern dauerhaft: Gato Toys öffnet nicht mehr.

Barbara Weischer hat einen kleinen Laden am Fachmarktzentrum, und ist die einzige Mieterin, die keiner Kette angehört, sondern ihren privaten Outletstore mit Änderungsschneiderei und Wäscherei betreibt. Sie ergriff die Chance und zog mit ihrem Laden, der vorher an der Frankfurterstraße angesiedelt war, ans alte Bahngelände. Ernst nehmen konnte sie die Prophezeiung aus Politik und Verwaltung nicht, wenn es hieß, das Fachmarktzentrum werde die Innenstadt beleben, erzählt sie.

Anstatt sich darauf zu verlassen, nutzte sie die Gelegenheit, die sich ergab. Und sie bereut es nicht, ist zufrieden inmitten der vielen Geschäfte auf einem Platz, barrierefrei und durch Parkplätze gut erreichbar. Schlecht macht sie das Center nicht. Aber ihr war klar: „Die Innenstadt wird leer.“ Dass sich das Spielzeuggeschäft nicht halten konnte, sieht sie in anderen Ursachen begründet. Auch wenn die Lage nicht optimal ist, hätte man Werbung machen und auf den Laden aufmerksam machen können.

Eine rund 100 Quadratmeter große Ladenfläche, direkt hinter Gato, wurde nie bezogen, wie Facility Manager, Lars Weber von der Batec Group sagt. Der Halveraner ist zuständig fürs Fachmarktzentrum im Auftrag des Investors HIH Real Estate mit Sitz in Hamburg. Anfangs wollte eine Physiotherapie dort einziehen, aber daraus wurde nie etwas. Dann wurde es still.

Seit öffentlich wurde, dass Gato geht, gibt es vermehrt Anfragen für die Ladenfläche. Eine Apotheke hatte beide Flächen für Geschäft und Lager in Betracht gezogen. Derzeit häufen sich zudem Anfragen von Gastronomen, die nach Möglichkeit einer Außengastronomie fragen. Nachmieter werde es bestimmt geben, Ideen gibt es genug. Das Fachmarkzentrum belebe zwar seiner Meinung nach auch nicht die Innenstadt, sagt Lars Weber. Das Center selbst aber sei ein Gewinn, das Kunden von überall anlockt.

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