Leben auf dem Campingplatz in Glörfeld

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´Für Cornelia und Franz Thelen ist Campen die schönste Freizeitbeschäftigung. In Glörfeld fühlen sie sich seit Jahren wohl.

HALVER - Campen ist Geschmackssache. Für die einen ist es Freiheit, für die anderen kein Urlaub, sondern Arbeit. Cornelia Thelen ist Camperin aus Überzeugung. Ihr Vater war Gründungsmitglied des Familien-Camping-Clubs Glörfeld und die schönsten Urlaube verbringt die 55-Jährige noch heute im Wohnwagen.

Der Campingplatz liegt mitten im Grünen. Hanglage, Blick auf die Wälder, in direkter Nachbarschaft nur ein paar Kühe und die Ortschaft Glörfeld. Idylle pur. Es ist ruhig, Mittagspause. Die Camper haben sich vor der Mittagssonne in den Schatten zurückgezogen. „1968 war das Gelände hier noch Ackerfläche. Die Gründer des Campingplatzes haben damals die Anlage in Eigenregie aufgebaut“, erinnert sich Cornelia Thelen. Wasser mussten die Camper zu dieser Zeit noch von zu Hause mitbringen. Heute bietet längst ein Waschhaus den nötigen Komfort.

Früher machten Cornelia Thelen und ihre Schwester Anneliese Braun mit ihren Eltern Urlaub auf dem Campingplatz. Mittlerweile haben die Geschwister ihre eigenen Domizile. Wie die meisten Camper in Glörfeld haben auch Thelen und Braun neben ihren Wohnwagen zusätzliche Vorzelte aufgebaut. Die kleinen Gärten davor sind gepflegt. „In diesem Jahr haben mein Mann und ich schon rund drei Monate auf dem Campingplatz verbracht“, schätzt Cornelia Thelen, die ursprünglich aus Lüdenscheid stammt und heute in Dorsten wohnt. Thelen und ihr Mann leben alle 14 Tage für einen längeren Zeitraum auf der Anlage.

Natürlich würden sie auch mal Flugreisen machen, aber etwas besseres als Campen gebe es nicht. „Wenn das Wetter es zulässt, sind wir hier von morgens bis abends draußen. Das ist Freiheit pur.“ Auch wenn sie in Dorsten Haus und Garten hätten, sei ein dortiger Urlaub kein Vergleich zum Campingplatz. „Dort ist doch immer was zu tun. Ständig erledigt man im und am Haus was. In Glörfeld haben wir wirklich Ruhe.“ Hier kennen sie jeden, die Camper sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Der Verein erledigt anfallende Arbeiten auf dem Gelände noch immer meist in Eigenregie. Oft sitzen die Bewohner zusammen, trinken Kaffee oder Grillen. „Natürlich gibt es hier keine Sterneküche. Dafür ist im Wohnwagen zu wenig Platz. Wir kochen auch schon mal was vor, aber ansonsten sind wir daran gewöhnt.“

Es komme auch schon mal vor, dass der Mann, der eigentlich nur kurz Wasser holen wollte, erst nach zwei Stunden wieder kommt. Hat sich halt verquatscht oder eben bei einer Reparatur mitangepackt. „Ich hätte auch niemals einen Mann geheiratet, der nichts vom Campen hält. Das wäre nichts geworden“, ist sich Thelen sicher.

Ein paar Stellplätze weiter wohnen seit kurzem Ruth und Peter Haupthof. Die Bochumer haben den Wagen vor vier Monaten erworben und sind schon jetzt begeistert von der Atmosphäre auf dem Platz. Schon mit ihren Kindern fuhr das Paar früher gerne Campen. Doch irgendwann waren die Kinder aus dem Haus und Haupthofs gaben ihr Hobby auf.

Bis jetzt. Durch eine Bekannte wurden sie auf einen freien Wohnwagen in Glörfeld aufmerksam, nutzten die Chance und brachten gleich noch Familie mit. Denn ihre Tochter Jessica Rapkewitz-Haupthof hat mittlerweile selbst Kinder und war von der Camping-Idee gleich ganz angetan. „Die Kinder können auf dem Gelände frei herumlaufen und auf dem Spielplatz spielen. Das ist klasse“, sagt die 29-Jährige. Die Nähe zur Glörtalsperre sei optimal und genug Einkaufsmöglichkeiten gebe es in der Umgebung auch. Natürlich bedeute Camping auch Arbeit. Denn der Garten auf dem Stellplatz muss regelmäßig gepflegt werden. Zudem übernehmen die Camper für leer stehende Flächen eine Patenschaft und pflegen auch hier das Gelände. „Man sollte natürlich schon Spaß an der Natur haben“, sagt Ruth Haupthof.

„Auf dem Campingplatz ist jeder gleich“

Rasen mähen, Büsche schneiden oder den Wohnwagen warten – Langeweile komme so schnell nicht auf. Doch auch wenn man hier Verpflichtungen habe, sei es trotzdem ganz anders als zu Hause. „Es ist richtig familiär hier. Man kann das gar nicht richtig beschreiben“, sagt Peter Haupthof. Auf dem Campingplatz sei auch jeder gleich, egal ob Arzt, Anwalt oder Fabrikarbeiter. „Hier wird kein Unterschied gemacht.“

So sehen es auch Dieter und Monika Hegering. Das Ehepaar, das erst kürzlich seinen 50. Hochzeitstag feierte, kommt seit 16 Jahren regelmäßig aus Wuppertal, um mehrere Wochen in Glörfeld zu verbringen. „Hier habe ich meine Freiheit“, sagt Monika Hegering. „Ich kann mich frei entfalten und muss mich nicht drei Mal am Tag umziehen wie im Hotel.“ Ihr Vorzelt haben Hegerings in eine gemütliche gute Stube verwandelt. Holzverkleidung, bequeme Sessel und Teppichboden. Von Kargheit keine Spur, auch wenn sie insgesamt nur rund 20 Quadratmeter zur Verfügung haben. „Im Winter stellen wir hier auch einen Tannenbaum auf. Das ist unser zweites Zuhause“, sagt Dieter Hegering.

Das Paar fühlt sich im Sauerland wohl, fährt gern zur Sorpe oder zur Bigge, plant immer wieder auch Ausflüge in die nähere Region. „Hier herrscht so eine Ruhe, das ist schön. Zuhause haben wir nur einen Balkon und wir sind froh, dass wir hier einen eigenen Garten haben“, sagt Monika Hegering. Nur ihre Tochter konnten sie vom Camping nicht so wirklich überzeugen. Die kommt zwar zu Besuch, verbringt ihren Urlaub aber lieber in Hotels. Campen bleibt eben Geschmackssache.

Von Alisa Kannapin

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