Lars Redlich – Ein unverwechselbarer, sympathischer Charmeur

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Lars Redlich überzeugte mit seinem aktuellen Programm „Lars but not least“ als Multiinstrumentalist. - Fotos: Salzmann

Halver -  Schafft er das? Kriegt er das hin? Einen Pausensong zu schreiben, dessen Stilrichtung und Inhalt das Publikum bestimmt? „Ich hab in der Pause Blut und Wasser geschwitzt“, grinste Lars Redlich am Freitagabend in der Aula des Anne-Frank-Gymnasiums nach 20-minütiger (Pausen)Abstinenz.

Von Monika Salzmann

Das Ergebnis seiner selbst auferlegten „Pein“: ein aus dem Stegreif geschaffener Hit – sensationell, zum Brüllen komisch und musikalisch allererste Sahne. Die Stilrichtung: Heavy Metal. Der Inhalt: ein wilder Mix aus sechs Begriffen des Auditoriums, je zungenbrecherischer, desto besser. Schon die Klärung der Begrifflichkeiten – Rokokokommödchen oder Zahnschnetzelhydromat (Was, um Himmels willen, ist das?) – entwickelte sich im Vorfeld zum Riesenspaß. Er kam, sang und siegte, dieser sympathische Charmeur aus Berlin, der sein begeistertes Publikum am Freitag mit einer unverwechselbaren Mischung aus Show, Kabarett und Musikcomedy unter dem Titel „Lars but not least“ förmlich um den kleinen Finger wickelte.

Halveraner feiern die lebende Jukebox

Es gab nichts, was er nicht konnte, dieser begnadete Entertainer und Multiinstrumentalist, dem jeder am Ende noch stundenlang hätte zuhören können. „Das war toll, oder?“, war eine der am häufigsten zu hörenden Feststellungen nach einem dreistündigen, atemberaubend unterhaltsamen und kurzweiligen Programm. Frenetisch feierten die Halveraner die lebende „Jukebox“ Lars Redlich, der beim Zugabenreigen seiner Improvisationsfreude freien Lauf ließ und auf Zuruf Publikumswunsch um Publikumswunsch erfüllte. Sogar Heinos „Enzian“ erblühte da wider Willen entzückend. Von der Heidi aus den Bergen samt Jodler ganz zu schweigen. Klavier und Ukulele, die er meisterhaft beherrschte, waren die steten Begleiter des Kleinkunstpreis-Abräumers, der fast Gymnasiallehrer (Musik und Sport) geworden wäre, dann aber doch zum Studiengang Musical an der Universität der Künste Berlin wechselte.

Dass er urplötzlich obendrein eine Klarinette aus der Schatztruhe hervorzauberte und hinreißend Klezmer spielte, gehörte zu den vielen Überraschungen, mit denen der Berliner am Freitagabend aufwartete.

Auf den Spuren Whitney Houstons

Apropos Überraschungen: Auch stimmlich hielt der bemerkenswert vielseitige, sich immer wieder selbst auf die Schippe nehmende Entertainer manchen Überraschungscoup für sein lachendes, begeistert mitmachendes Publikum in petto. Ob er sich nun auf den Spuren von Whitney Houston (I Will Always Love You) in schwindelerregende Höhen hinaufschraubte oder mit der Inbrunst eines Opernsängers „O sole mio“ schmetterte: Alles gelang. In der Welt der großen Gefühle, einsame Socken und schokobraune Granaten aus Sachsen eingeschlossen, bewegte er sich ebenso souverän wie auf schlüpfrigem Boden. Sido und Bushido verwickelten sich da kraftstrotzend in ein zwerchfellerschütterndes Streitgespräch. Bizets Habanera kam als bekanntester HipHop der Welt daher. Übermütig und verschmitzt, intelligent und geistreich ließ Redlich die Gedanken Purzelbäume schlagen. Dass er mit Denise aus der ersten Reihe ausgerechnet eine angehende Lehrerin zur „Klassensprecherin“ kürte, passte wie die Faust aufs Auge.

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