Landwirte: „Es ist ein schwieriges Jahr“

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Durch den anhaltenden Regen kann der Boden das Wasser nicht mehr aufnehmen. Für die Landwirte ist es in diesem Zustand unmöglich, die Felder mit ihren schweren Maschinen zu befahren. J

HALVER ▪ Mit Sorge verfolgt Ortslandwirt Michael Loitz derzeit den täglichen Wetterbericht. Der ständige Regen der vergangenen Wochen hat seinem Getreide und dem Mais schwer zu schaffen gemacht. Was jetzt dringend gebraucht wird, ist Sonne, um die Felder abernten zu können.

„Es ist ein ganz schwieriges Jahr“, erklärt Loitz. Durch die niedrigen Temperaturen im Frühjahr sei der Silomais erst Mitte Mai und damit etwa 14 Tage später als üblich in die Erde gekommen. Folge: Der Mais ist nur halb so groß wie er eigentlich sein müsste.

Ein Verschieben nach hinten, um die zwei Wochen aufzuholen, sei nicht möglich. Denn: „Die Pflanzen haben eine innere Uhr. Anfang August schieben sie die Fahne raus und setzen die Kolben frei.“

Dadurch, dass die Kolben kleiner sind, werde es auch weniger Futter für die Kühe geben, was wiederum Auswirkungen auf die Qualität der Milch habe. Nach der Ernte komme der Mais zur Gehrung unter die Siloplane. Dort bilden sich Milchsäurebakterien die für einen angenehmen Geruch und Geschmack des Futters sorgen. „Bei Regen können sich aber auch mal Essigsäurebakterien bilden, wodurch das Futter streng riecht. Das schmeckt den Kühen dann nicht so gut“, weiß Loitz. Erste Siloproben hätten ergeben, dass die Tiere zwar satt werden, sich der Zustand des Futters aber negativ auf die Milchqualität auswirken könnte.

Obwohl die Grasernte, deren Ertrag ebenfalls als Tierfutter verwendet werde, in diesem Jahr wetterbedingt außerordentlich gut sei, könne das die Qualität der Milch kaum verbessern. Der Landwirt erklärt warum: „Es gibt durch den Regen zwar viel Gras, durch die fehlende Sonne und die damit einhergehende Photosynthese ist in dem Gras aber weniger Zucker. Wenn weniger Zucker drin ist, mögen es die Kühe einfach nicht so gerne.“

Als Konsequenz müsse er Zusatzfutter in Form von Kraftfutter und Getreide einkaufen. Das sei in diesem Jahr allerdings besonders knapp und dadurch sehr teuer. Kosteten 100 Kilogramm Futter in den vergangenen Jahren um die 20 Euro, liege der Preis heute bei 28 Euro. „Das ist Rekord“, so Loitz.

Schuld daran sei der Kahlfrost im Februar. Dabei sei viel Getreide kaputt gegangen. Weniger Ertrag treibe schließlich den Preis in die Höhe. Auch die Landwirte in Halver seien vom kalten Frühjahr nicht verschont geblieben. „Es musste viel neu gesäht werden. Aber es gab ja kein Korn mehr“, erklärt Loitz. Deshalb seien er und seine Kollegen auf Sommergetreide, Hafer oder Mais ausgewichen. „Ich habe meine Sommergerste aus Irland und Polen. Man war ja einfach nur froh, dass man überhaupt noch welche gekriegt hat.“

Eigentlich müssten die Felder jetzt abgeerntet werden. Das sei aufgrund des Regens jedoch nicht möglich, da der Boden derart vollgesaugt sei mit Wasser, dass er kein weiteres mehr aufnehmen könne. Folglich bleibe die Feuchtigkeit als Pfützen zurück. „Dadurch können wir die Felder mit unseren Maschinen nicht befahren. Wir brauchen erst zwei Tage trockenes Wetter, damit der Boden nicht mehr nachgibt“, sagt Loitz.

„Nächste Woche muss dringend Wetter zum Dreschen kommen, bevor insbesondere der Schlagregen noch mehr Getreide runter drückt oder dafür sorgt, dass der Raps fällt“, so der Ortslandwirt.

Wenn sich die Sonne dann blicken lasse, müsse alles ganz schnell gehen. Dann seien große Erntemaschinen und Hexlerkolonnen viel wert. „Die Investition in starke Maschinen hat sich in diesem Jahr auf jeden Fall bezahlt gemacht“, weiß Loitz. Seine Hoffnung und die seiner Kollegen liegt nun darauf, dass sich der Sommer doch noch einstellt: „Wir brauchen einen guten August und einen schönen Herbst – dringend.“ ▪ Jana Peuckert

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