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„Gibt keine Entschuldigung“: Landwirte im MK äußern sich zum Gülle-Vorfall

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Von: Sarah Lorencic, Detlef Ruthmann

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Gülle wird auf einem Feld ausgekippt
20 000 Liter Gülle hat ein Landwirt bewusst auf einem Feld abfließen lassen. Er sagt, er wusste nicht mehr wohin mit dem Mist. © Patrick Pleul/zb/dpa

20 000 Liter Gülle liefen über Halveraner Felder in Gewässer. Zu diesem Verhalten eines Landwirts finden die Berufskollegen klare Worte.

Halver/Kierspe – Es dauert nicht mehr lange bis zum sogenannten Gülle-Silvester. Am 31. Januar endet die Sperrfrist, die das Düngen der Böden untersagt. Ab dem 1. Februar wäre es Landwirten laut Düngeverordnung wieder erlaubt, ihre Felder zu düngen. Nur gefrorene oder schneebedeckte Böden sind weiterhin tabu.

Trotzdem konnte es ein Halveraner Landwirt am Sonntag nicht abwarten und öffnete die Schleusen seines Gülletanks und hat damit die angrenzenden Felder geflutet. Rund 20 000 Liter Gülle flossen über die Felder in Gewässer. Wie der Landwirt der Polizei sagte, habe er nicht mehr gewusst, wohin mit dem Mist.

„Es gibt immer Lösungen. Und das ist bestimmt keine Lösung.“

Dafür erntet der Mann nun scharfe Kritik von Kollegen. Heiner Born, unter anderem Vorsitzender der „Initiative Land schafft Verbindung“, hat kein Verständnis für das Verhalten und sagt: „Es gibt immer Lösungen. Und das ist bestimmt keine Lösung.“

Es gibt genug Kollegen, die in Gülle-Lagerräume investiert haben, sagt der Breckerfelder. Dass das mit Kosten verbunden ist, weiß der Betreiber eines Milchviehbetriebs. Aber selbst wenn es daran scheitern sollte, hätte der Halveraner Landwirt Kollegen fragen können. Es hätte sich lediglich um zwei Wochen gehandelt, dafür hätte es in jedem Falle eine Lagermöglichkeit gegeben. „Ich verurteile das Vorgehen aufs Schärfste.“

Dem schließt sich Christoph Berbecker an. Gerade einmal eine Woche ist der Landwirt der neue Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Halver, er tritt in die Fußstapfen von Thomas Wiethege – und dann direkt so ein Vorfall. Sein größtes Problem neben der Umweltverschmutzung sei das schlechte Licht, das damit auf die gesamte Berufsgruppe geworfen werde. „Für das Verhalten gibt es keine Entschuldigung und auch keine Ausreden.“ Auch Berbecker sagt, man könne immer Kollegen fragen. Aber das sei keine Art.

Dünger wichtig für den Anbau

Heiner Born kann das Vorgehen auch grundsätzlich nicht verstehen. „Für mich ist Gülle ein wichtiger Dünger, den ich brauche.“ Darauf verzichten, könne man wegen der Nährstoffe nicht, und es wäre zu kostenintensiv, Mineraldünger einzukaufen. „Wir Landwirte lieben unseren Beruf und wir tun viel für den Umweltschutz.“ Es sei wichtig, den natürlichen Kreislauf zu erhalten – dem Boden Nährstoffe zurückgeben, die man geerntet hat.

Die Zeiten, die die Gülleverordnung festsetzt, kritisiert Born nicht. „Es macht Sinn und schützt die Gewässer. Und wir tragen Verantwortung für die Natur.“ Er selbst hat seinen Betrieb im Wasserschutzgebiet der Ennepetalsperre. Er und benachbarte Kollegen haben sich freiwillig mit dem ansässigen Wasserversorger darauf verständigt, sogar erst ab dem 15. Februar mit der Ausfuhr von Gülle zu beginnen und zusätzlich eher aufzuhören. „Wir düngen anderthalb Monate weniger.“ An Kapazitäten mangelt es trotzdem nicht. „Ich hätte noch Platz gehabt.“

Nachbarstadt kritisiert Verhalten ebenfalls

Auch in der Nachbarstadt Kierspe hat man kein Verständnis für das Handeln des Landwirts: Reiner Grafe, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Kierspe, stimmt seinem Halveraner Kollegen voll und ganz zu: „Wir hätten nicht nur 20 Kubikmeter, sondern 100 Kubikmeter lagern können“. Lagerkapazitäten wären also überall vorhanden gewesen. Der Kollege hätte nur etwas sagen müssen.

„Für die Umwelt ist das eine Sauerei und für unsere Außendarstellung eine Katastrophe“, schüttelt er den Kopf. „Das kann man nicht nachvollziehen!“ Und man rede hier gerade einmal über 15 oder 20 Tage, die der Kollege hätte warten müssen. Selbst, wenn er die Gülle ausgefahren hätte, würde dies im schlimmsten Fall ein kleines Ordnungsgeld nach sich ziehen – weil es eben noch nicht erlaubt ist – , aber es wäre besser gewesen als so.

Grafe betont – ebenso wie Heiner Born –, dass es sich bei Gülle nicht um ein Abfallprodukt handelt, sondern um einen wichtigen Nährstoff. Der werde mittlerweile mit 5 bis 6 Euro pro Kubikmeter gehandelt, sagt er.

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