Protest der Landwirte

Angst vor dem Hofsterben - Landwirte aus MK protestieren in Bonn

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Ein grünes Kreuz soll das drohende Aussterben von landwirtschaftlichen Betrieben symbolisieren. Heiner Born, Lukas Loitz und Uwe Schulze protestieren gegen das bevorstehende Agrarpaket.

Halver/Bonn - Bundesweit organisieren sich Landwirte, weil sie von der derzeitigen Umwelt- und Landwirtschaftspolitik die Wirtschaftskraft und den sozialen Frieden im ländlichen Raum gefährdet sehen. Bundesweit heißt auch in Halver.

Heiner Born, Lukas Loitz und Uwe Schulze aus Halver und Breckerfeld sind seit 3 Uhr auf dem Weg nach Bonn, um an einer Zentralveranstaltung teilzunehmen. Die Polizei in der Rheinstadt rechnet mit rund 10 000 Demonstranten, die die Stadt mit geschätzten 400 Traktoren blockieren. 

Der Halveraner Landwirt Lukas Loitz sagt, heute solle man lieber nicht nach Bonn fahren. Von allein 100 Treckern wissen er und die anderen Landwirte aus der Region. Sie rechnen mit mehr, als die Polizei erwartet, denn die Landwirte kommen nicht nur aus NRW in die Stadt, in der Umweltministerin Svenja Schulze sitzt. „Wir wollen, dass die Menschen uns zuhören“, sagt Loitz. 

Agrarpaket wäre das Aus für viele Betriebe

Hintergrund ist das im September vorgestellte Agrarpaket. Sollte es eins zu eins umgesetzt werden, wird es das Aus für viele landwirtschaftliche Betriebe bedeuten. „Auch hier in Halver würden von den 24 Vollerwerbslandwirten über kurz oder lang einige aufhören müssen“, vermutet Heiner Born, Landwirt aus Breckerfeld. Bei den Landwirten komme das Gefühl auf, dazu gezwungen zu werden. 

„Wir können es einfach nicht verstehen“, sagt Uwe Schulze aus Schwenke. Immer mehr werde von Verbrauchern Regionalität verlangt. „Das haben wir in der Region“, sagt Born. Wenn es die Familienbetriebe nicht mehr gibt, würden große Industrien den Bedarf decken. „Wir sehen unsere Zukunft in der Landwirtschaft“, sagt der 28-Jährige. Die Politik bringe sie jedoch in Gefahr. 

Der Ruf der Landwirte wird immer schlechter

Der Ruf der Landwirte werde immer schlechter, sagen die drei Landwirte. „Bauern waren wir ja schon immer.“ Heute aber würden schon ihre Kinder in der Schule von Fridays-for-Future-Demonstranten gemobbt, weil Landwirte die Klimasünder schlechthin seien. „Wir bekommen die Schuld zu 100 Prozent zugeschoben“, sagt Schulze. Aber die Landwirte wollen das nicht auf sich beruhen lassen. 

Landwirte protestieren in Bonn, um auf die ungerechten Auflagen aus dem Agrarpaket aufmerksam zu machen.

Fünf Stunden fahren sie mit maximal 40 km/h nach Bonn – über Land mit Zwischenstopps in nahezu jeder Stadt, an der sie Kollegen einsammeln. Rückblick: Das letzte Mal, dass Landwirte aus Halver mit ihren Treckern zu einer Demonstration fuhren, war im Jahr 1991, erinnert sich Schulze. Jetzt sei es wieder an der Zeit. 

Mobilisierung über Facebook

Möglich gemacht haben das die sozialen Medien. Die Facebook-Gruppe „Land schafft Verbindung“ mit mehr als 10 000 Mitgliedern hat sich mobilisiert – kein Bauernverband als Dach, nur einzelne Landwirte, die in Eigenregie Strecken planten. Für Halver und die Region übernahm Heiner Born die Regie. „Wir sind noch da“, sagt Born. „Wir möchten nur gerecht behandelt werden.“ Das Agrarpaket hingegen gefährdet Betriebe und schadet mehr, als es nützt. 

Sogenannte Rote Gebiete, in denen der Nitratwert im Wasser den Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter überschreitet, sind der Auslöser der Verschärfung der Düngeverordnung. „Aber in unserer Region hat das Wasser eine gute Qualität.“ In den Neunzigern sei das anders gewesen. Die Nitratwerte waren zu hoch, was aber nicht an den Landwirten, sondern an dem Klärwerk am Bolsenbach gelegen habe. Fast alle Landwirte gingen 1992 mit dem AVU-Versorgungsunternehmen aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis eine Wasserkooperation ein. Freiwillig nahmen sie höhere Auflagen in Kauf, um eine bessere Wasserqualität zu erzielen. Die Bäche wurden abgezäunt, sodass die Kühe nicht mehr aus ihnen tranken und auch keine Kuhfladen mehr in der Ennepe landeten. 

Neue Düngeverordnung

Die neue Düngeverordnung „grätscht in diese Kooperation rein“. Das Düngen auf Feldern mit einer zehnprozentigen Hanglage soll verboten werden – das seien gut 50 Prozent der Flächen in Halver. Die Rechnung ist einfach: weniger Düngen, weniger Ertrag. Und das obwohl die Landwirtschaft ein geschlossener Kreislauf sei, denn die Landwirte bauen das Futter für ihre Tiere an, und bringen den Dünger wieder aus. Der Kreislauf wird durchbrochen. 

Wenn nicht mehr ausreichend gedüngt werden kann, kündigt Born bereits an, 100 Prozent Mais zu pflanzen –keine Blühstreifen und keine anderen Pflanzen mehr. Andere Landwirte werden das Gleiche tun. „Die Anbaudiversität wird abnehmen.“ Weil an erster Stelle steht für die Landwirte, dass die Tiere satt werden. Auf den Feldern stehen in diesen Tagen grüne Kreuze. Aus Protest gegen das Agrarpaket und, um auf das Ende der Landwirte aufmerksam zu machen, das bevorstehe, wenn das Agrarpaket umgesetzt würde.

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