Anklage wegen 27-facher Unterschlagung

Halveraner Landwirt Feckinghaus wieder im Visier der Ermittler

Halver - Während Landwirt Tobias Feckinghaus derzeit einen neuen Viehstall für 399 Kühe baut, beschäftigt sich die Staatsanwaltschaft Hagen mit einer Anklage gegen den Halveraner. Er muss sich wegen 27-facher Unterschlagung verantworten.

Bei Tobias Feckinghaus rollen wieder die Bagger. Der Halveraner Landwirt wird noch in diesem Jahr mit dem Bau eines neuen Stalls und eines Wohnhauses auf seinem Grundstück in Kotten beginnen. Das haben Recherchen des Allgemeinen Anzeigers ergeben.

Durch Nachfragen beim Märkischen Kreis als zuständige Baugenehmigungsbehörde wurde bekannt, dass beide Gebäude noch von dem Bauantrag aus dem Jahr 2012 stammen, im Zuge dessen Feckinghaus auch den Güllebehälter errichtet hatte.

Ermittlungen zum Gülle-Skandal laufen noch

Aus diesem waren im März dieses Jahres 1,7 Millionen Liter Gülle in die Neye-Talsperre geflossen. Feckinghaus hatte behauptet, Opfer von Sabotage geworden zu sein. Er gab an, jemand Fremdes habe den Gülleauslass aufgedreht, um ihm schaden zu wollen. Die Ermittlungen laufen derzeit noch. Auf Anfrage des AA sagte Pressesprecher Dr. Gerhard Pauli, die Staatsanwaltschaft in Hagen könne sich zum derzeitigen Ermittlungsstand nicht äußern.

Gülletank sei bis heute nicht in Gebrauch

Kurz nach der Güllekatastrophe war herausgekommen, dass der Güllebehälter undicht gewesen war und zudem keine Standsicherheit aufwies. Statt 5,80 Meter wurde der Tank 8 Meter hoch gebaut. Schon im September 2014 hatte es deswegen Ermittlungen auf dem Hof gegeben. Nach der Katastrophe im März war Feckinghaus angehalten worden, den Behälter restlos zu leeren. Bis heute ist der Tank laut Aussagen des Landwirts nicht in Gebrauch.

Der Bau des Gülletanks war im Jahr 2012 im Zusammenhang mit einem neuen Viehstall genehmigt worden, den Feckinghaus nie baute. Ihm wurde vorgeworfen, den Gülletank lukrativ mit Jauche aus den Niederlanden und Niedersachsen zu befüllen, die er dann auf seinen Feldern verteilt.

Stall-Neubau für 399 Tiere

Den Bau des Viehstalls will Tobias Feckinghaus nun nachholen. Nach AA-Informationen plant er die Errichtung eines Viehstalls für 399 Tiere und den Bau eines Wohnhauses. „Der genehmigte Antrag aus dem Jahr 2012 hat Bestand“, hieß es auf Nachfrage aus der Pressestelle des Märkischen Kreises. Tobias Feckinghaus könne den Stall bauen. Eine Nutzungserlaubnis bekäme er allerdings nur, wenn er Kapazitäten zur Lagerung der Gülle ein halbes Jahr im Voraus vorweisen könne. „Tobias Feckinghaus hat mehrere Behälter auf dem Hof.“

Der defekte Gülletank dürfe derzeit nicht befüllt werden. Der Landwirt müsse den Behälter entweder abreißen und einen neuen bauen oder aber den jetzigen sanieren und die Standfestigkeit nachweisen.

Anklage wegen Unterschlagung in 27 Fällen

Gleichzeitig macht der Landwirt an anderer Stelle Schlagzeilen. In 27 Fällen hat die Staatsanwaltschaft Hagen Anklage wegen Unterschlagung gegen Tobias Feckinghaus erhoben. Wie Pressesprecher Jan Schulte vom Landgericht Hagen am Dienstag auf Anfrage der Redaktion mitteilte, sei die Anklage zum 31. August ausgesprochen worden.

Wie berichtet, hatte Tobias Feckinghaus Kühe von der HW-Leasing GmbH aus Wismar bei sich auf dem Hof. Nachdem Feckinghaus mit den Zahlungen in Rückstand geriet, sollten die geleasten Tiere abgeholt werden. Von 34 Tieren fehlte allerdings jede Spur. Zudem waren von den 90 geleasten Kühen viele in einem schlechten Zustand.

„Er war verpflichtet, die Tiere pfleglich zu behandeln“, erläutert Jan Schulte. Nicht aber, über sie zu entscheiden, wie sein Eigentum. So wie in 26 Fällen geschehen, in denen Feckinghaus die Kühe kurzerhand hatte schlachten lassen. „Das ist Unterschlagung. Er hat sich die Sachen angeeignet“, erklärt Schulte. Im 27. Fall lautet die Anklage „Versuchte Unterschlagung“. Hier hatte der Halveraner Landwirt versucht, die geleasten Kühe zu verkaufen, bevor die HW-Leasing GmbH sie abholen lassen konnte.

Derzeit hat Tobias Feckinghaus noch Zeit, zu der Anklage der Staatsanwaltschaft Stellung zu nehmen. Die Verhandlung wird vor dem Schöffengericht in Lüdenscheid ausgetragen.

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