Landwirt Feckinghaus äußert sich zum Gülle-Prozess

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„Die Wasserqualität der Neye-Talsperre hat sich deutlich verbessert, doch das Ausgangsniveau wird erst in einigen Jahren wieder erreicht“, sagt EWR-Pressesprecher Klaus Zehrtner.

Halver - Der Halveraner Landwirt Tobias Feckinghaus hat seine Berufung im „Gülle-Prozess“ vor dem Oberlandesgericht (OLG) Hamm zurückgezogen. Somit ist das Grundurteil des Landgerichts Hagen, wonach der Halveraner für die Verschmutzung der Neye-Talsperre haftbar gemacht werden kann, rechtskräftig. Im Gespräch mit unserer Zeitung äußert sich Feckinghaus über die Gründe für die Zurücknahme und über den bevorstehenden Prozess vor dem Landgericht.

„Ich habe die Berufung nach Rücksprache mit meinem Anwalt zurückgezogen, weil ich nicht beweisen kann, wer für die Sabotage des Güllesilos verantwortlich ist. Außerdem hat man mir klargemacht, dass ich als Betreiber des Silos haftbar gemacht werden kann“, sagt der Halveraner. Der 5. Senat des OLG betonte jedoch ausdrücklich in Richtung des Landwirts: „Das heißt nicht, dass wir glauben, Sie haben das gemacht.“

Zur Erinnerung: Der lokale Energie und Wasserversorger EWR mit Sitz in Remscheid wirft Feckinghaus vor, dass aus dessen Silo 1,3 Millionen Liter Gülle in die Reserve-Trinkwassertalsperre Neye geflossen seien. Die von der EWR ermittelte Schadenssumme liegt bei 214 000 Euro – unter anderem für umfangreiche Wasserproben und den Bau einer Leitung, die ans Klärwerk Hückeswagen angeschlossen und über die ein Großteil der Gülle abgeführt wurde. Ob dieser Betrag als Schadenssumme vor dem Landgericht zugelassen wird, wird das Verfahren klären.

Feckinghaus sieht dem Prozess eigenen Angaben nach „relativ locker“ entgegen. Zum einen geht er davon aus, dass seine Haftpflichtversicherung für den finanziellen Schaden aufkommen wird, außerdem sagt er, „dass ja noch gar nicht im Einzelnen geklärt wurde, was da eigentlich genau passiert ist“. Der Landwirt ist davon überzeugt, Opfer von Sabotage geworden zu sein. Dennoch sei er sich der Möglichkeit einer Verurteilung bewusst. Wenn der Saboteur nicht gefunden werde, „kann es sein, dass ich dafür in den Knast gehe“.

EWR: Kein Interesse an einem Vergleich

Klaus Zehrtner, EWR-Pressesprecher, betont: „Wir werten den Ausgang vor dem OLG aus unserer und aus Verbrauchersicht als erfreulich und sind auch weiter nicht an einem Vergleich interessiert.“ Zwar habe sich die Wasserqualität seit dem Einfließen der Gülle im März 2015 erheblich verbessert, „doch das Ausgangsniveau wird erst in einigen Jahren wieder erreicht.“ Zudem hätten Probe-Fischungen ergeben, dass sich der Bestand ebenfalls erst in einigen Jahren erholt haben werde.

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