Halver – ein vergleichsweise „ruhiges Pflaster“

Die Umgebungslärmkarte des Landes berücksichtigt derzeit lediglich die Belastung entlang der B229 und eines Teilbereichs der L528. ▪ Screenshot: http://www.umgebungslaerm-kartierung.nrw.de

HALVER ▪ Das Singen der Vögel, spielende Kinder, die Musik aus der Stereoanlage: Was manche als positive Geräusche empfinden, ist für andere purer Lärm. Die Geschmäcker sind verschieden. Den Klang von Automotoren schätzen allerdings nur die Wenigsten – und so hat das Land nun eine Umgebungslärmkarte veröffentlicht, die sich in Halver auf genau diese Geräuschquelle konzentriert.

Wie ein dünner, blauer Faden schlängelt sich die Bundesstraße 229 auf der Lärmkarte des NRW-Umweltministeriums durch Halver: Anhand der Farben erkennt der Nutzer, in welchen Bereichen der Straßenlärm besonders weit ausstrahlt, wo er eingedämmt wird und welche Grundstücke besonders betroffen sind. „Umgebungslärm belastet die Bevölkerung seit Jahren unvermindert stark und nimmt in Teilen bereits Gesundheit gefährdende Ausmaße an. Hauptursache ist der Verkehr“, heißt es vom Ministerium, das daher eine Karte erstellen ließ, die der so genannten EG-Umgebungslärmrichtlinie entspricht. Dabei blickte man zunächst auf große Ballungsräume sowie stark frequentierte Bundes- und Landesstraßen – in Halver wurden die B 229 und ein Teilstück der L 528 zwischen Kreuzung Remscheider-/Von-Vincke-Straße und Karlshöhe berücksichtigt.

Dabei fällt beim Blick auf die Lärmkarte auf, dass der Verkehr insbesondere in den Bereichen Niederennepe und Eichholz stärker ausstrahlt als etwa in den zentralen Bereichen mit der Wohnbebauung. „Dazu haben ja auch schon Lärmschutzmaßnahmen von Straßen.NRW als Straßenbaulastträger beigetragen“, erklärt Peter Kaczor vom Fachbereich „Bauen und Wohnen“ der Stadt Halver. Er erinnert etwa an den Bau der Umgehungsstraße, mit dem auch die Errichtung von Lärmschutzwänden einher ging.

Während direkt auf der Straße eine Lärmbelästigung von mehr als 75 Dezibel gemessen wurde, sinkt die Lautstärke natürlich mit jedem Meter, den man sich von der Fahrbahn entfernt. In einem Bereich von bis zu 20 Metern beträgt die Lautstärke immer noch 60 bis 75 Dezibel. In bis zu 40 Metern werden – je nach Bebauung und Topographie – immer noch 55 bis 60 Dezibel gemessen. Zum Vergleich: 50 Dezibel gelten laut Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz als „üblicher Tagespegel im Wohnbereich“ und kommen den Geräuschen gleich, die leise Radiomusik oder ein Kühlschrank verursachen. Als „Belästigungsbereich“ gelten Werte zwischen 60 und 70 Dezibel (db), die einem normalen Gespräch bis hin zum Lärm eines Rasenmähers entsprechen. Im „Schädigungsbereich“ rangieren etwa Autos (80 db), Lkw (90 db) oder Diskotheken (110 db). Neben einem Wert, der den über den Tag verteilten Dauerschall darstellt, wird in der Karte außerdem der so genannte Nacht-Lärmindex genannt. Dieser belegt, dass sich die Belastung zwischen 22 und 6 Uhr entlang der B 229 und der L 528 deutlich verringert.

Im Vergleich zu anderen Städten könne Halver durchaus als „ruhiges Pflaster“ bezeichnet werden, so Peter Kaczor. Maßnahmen zur Lärmeindämmung, wie sie nun in anderen Kommunen angegangen werden müssen, seien in der Stadt im Grünen nicht notwendig. Die Stadt bemühe sich ohnehin ständig, Fahrbahnbeläge zu überprüfen oder Möglichkeiten zur Lärmreduzierung zu nutzen. Wie etwa jüngst am Alten Markt: „Auch diese Maßnahme hat zur Lärmminderung beigetragen“, verweist Kaczor auf die Erneuerung der Pflastersteinfugen. So soll Halver auch sprichwörtlich „ruhiges Pflaster“ bleiben... ▪ Frank Zacharias

http://www.umgebungslaerm.nrw.de

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