"Kranke Bäume sind eigentlich immer vorhanden"

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Täglich ist Forstbezirksleiter Ulrich Ackfeld in den großen 2500 Hektar Waldgebieten in Halver unterwegs und kontrolliert die Holzbestände auf Schäden oder Krankheiten.

HALVER - „Natürlich hat der Klimawandel Auswirkungen auf die Wälder. In Halver und Umgebung ist der Waldzustand aber ganz gut“, sagt Ulrich Ackfeld, Leiter des Forstbetriebsbezirks Halver.

Von Benny Finger

Das Ministerium für Klimaschutz und Umwelt hatte im kürzlich veröffentlichten Jahresbericht vermerkt, dass nur noch 23 Prozent der Bäume in NRW als „gesund“ gelten würden. 2013 waren es noch 27 Prozent.

Fast täglich fährt Ulrich Ackfeld durch Halvers Waldgebiete. Mit dabei hat er immer seinen Laptop, auf dem die einzelnen Waldgebiete mit Besitzer und Baumbeständen verzeichnet sind. Brauchen tut er diesen meist nicht, höchstens zur Orientierung der jeweiligen Besitzgrenzen. „Wenn die Halveraner Waldbesitzer einen Schaden entdecken, rufen sie mich in der Regel an“, so Ackfeld. Fast jeden von ihnen kennt der Förster persönlich.

Des Zustand der Halveraner Wälder beurteilt Ackfeld aktuell als relativ gut. „Natürlich bestehen Probleme, wie zum Beispiel durch Schädlinge, aber die gibt es schon längere Zeit. Kranke Bäume sind eigentlich immer vorhanden und werden meist gefällt.“ Genauere Zahlen für das Stadtgebiet hat er jedoch nicht vorliegen: „Das Ministerium macht eine Gesamterhebung der Daten für NRW. In Halver befindet sich seit etwa zehn Jahren kein Rasterpunkt mehr“ (Datenerhebungspunkt).

Der Klimawandel sei auch in der Stadt im Grünen spürbar. Die weniger heißen und trockenen Sommer der letzten Jahre seien sogar gut für die Wälder. „Die Bäume brauchen eine Mindestmenge an Wasser. So braucht eine Fichte etwa 700 bis 800 Milliliter Wasser“, sagt Ackfeld. In Halver läge der Durchschnittswert durch Niederschlag etwa bei 1200 Milliliter. Grundsätzlich sei eine Änderung des Klimas nicht gut für den Bestand: „Wenn die Durchschnittstemperatur steigt, steigt auch der Wasserbedarf der Bäume. Ab ein bis zwei Grad mehr kann bei verschiedenen Baumarten bereits ein Ungleichgewicht verursachen“, weiß der Förster.

Zur Zeit sei in Halver aber alles im Lot. „Der Orkan Kyrill hat mehr Schaden angerichtet, als die Klimaänderung.“ Damals habe das Unwetter etwa 60- bis 70 000 Festmeter Holz „einfach umgeblasen und einen gewaltigen Einschlag in den Wäldern verursacht.“

In Halvers Waldgebieten - immerhin rund 2500 Hektar - dominiert zu 90 Prozent Nadelholz. „In erster Linie wachsen hier Fichten“, sagt Ackfeld. Dies sei historisch bedingt, da aus der industriellen Hochzeit des Ruhrgebiets die Nachfrage nach Fichtenholz sehr groß gewesen sei. „Fichten wachsen doppelt so schnell wie andere Baumarten. Die Holznutzung ist effektiver“, erklärt Ackfeld. Zum Beispiel sei in den Kohlestollen ausschließlich Fichtenholz benutzt worden, da es ein „warnendes Holz“ sei. „Das knackt mehrfach deutlich hörbar, bevor es bricht.“

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