Kupfer-Prozess: Zäher Prozess-Auftakt

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Die drei Angeklagten mit ihren Anwälten.

Schalksmühle - Nur mühsam ist im Landgericht Hagen am Dienstag der Prozess gegen drei Angeklagte in Gang gekommen, die in unterschiedlichen Rollen an einem großen Betrug mit Kupferschrott beteiligt gewesen sein sollen.

Ihre Anwälte rügten vorab die Besetzung der ersten Großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts und bemühten große Worte wie jenes vom „Recht des Angeklagten auf seine rechtmäßigen Richter“. 

Hintergrund war der Austausch eines ursprünglich vorgesehenen Schöffen gegen eine Schöffin, die nach den geschliffenen Überlegungen der Anwälte bei Verzicht auf einen einzigen und zudem sehr kurzen Verhandlungstermin gar nicht nötig gewesen wäre. Die Kammer sei deshalb „fehlerhaft besetzt“. 

Stundenlange Verzögerung

Und so waren die Richter stundenlang damit beschäftigt, ihre Zurückweisung dieser Besetzungsrüge und die Nachnominierung dieser Schöffin zu begründen. Wenig überraschend verkündete der Vorsitzende Richter Andreas Behrens die Entscheidung: Die Rüge sei unbegründet. Das löste weitere prozessuale Einwände seitens der Anwälte aus, über die erneut beraten werden musste. 

Die Anklage wirft den Männern aus Gevelsberg, Nachrodt-Wiblingwerde und Schneeberg gewerbsmäßigen Betruges und Bestechung sowie Bestechlichkeit vor. In den Jahren 2011 bis 2015 soll der 45-jährige Angeklagte aus Gevelsberg als Inhaber eines Schalksmühler Unternehmens gemeinsam mit seinem 66-jährigen Angestellten aus Nachrodt-Wiblingwerde ein Recycling-Unternehmen in Ennepetal in 94 Fällen betrogen und damit über 600 000 Euro erbeutet haben. 

Der 49-jährige Angeklagte aus Schneeberg soll als Angestellter des in Ennepetal ansässigen Unternehmens gegen Zahlung von Schmiergeld behilflich gewesen sein. 

Das Unternehmen aus Schalksmühle soll bereits seit langem Messing-Schleifstäube zum Kupfer-Recycling an den Recycling-Betrieb in Ennepetal verkauft haben. Der dabei jeweils zu zahlende Preis hing im Wesentlichen vom Kupfergehalt des angelieferten Materials ab, der im Recycling-Betrieb jeweils anhand einer Probe im dortigen Labor bestimmt wurde. 

Spätestens ab Juli 2011 sollen die beiden Hauptangeklagten einen Mitarbeiter des Ennepetaler Unternehmens mit einem Schmiergeld von 150 Euro pro Lieferung bestochen haben, damit dieser statt einer Probe des tatsächlich gelieferten Materials einen jeweils mitgelieferten Eimer mit anderem Schleifstaub besserer Qualität ins Labor gibt.

Der Prozess wird am 10. März fortgesetzt.

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