Ein Künstler als Gast seiner eigenen Beerdigung

HALVER ▪ Selbst im Moment des Abschieds bleibt er sich treu: Marek Tomickis Humor ist schwarz – tiefschwarz. Und so schrieb er sich die letzte Veranstaltung in „seiner“ Tanke selber auf den Leib. Die diesjährige Geburtstagsfeier des Ateliers war schließlich die letzte ihrer Art.

Tomicki, dessen schwere Erkrankung längst kein Geheimnis mehr ist, hört auf. Für immer. Was wird dem Anlass also gerechter als die Einladung zum Leichenschmaus? Und so zelebrierte der Künstler seine eigene Beerdigung. Mit viel Witz und Selbstironie, wie es sich für Marek Tomicki gehört. Dass manchem der mehr als 60 Gäste in der voll besetzten Tanke mitunter das Lachen im Halse stecken blieb, war denn auch durchaus beabsichtigt.

Nein, Marek Tomicki wollte keine Grabesstimmung aufkommen lassen. Warum auch jammern, „wenn man seine eigene Beerdigung noch miterlebt“, sagte sich der Künstler, der Ende 2004 sein Lager an der Thomasstraße auf- und damit in die heimische Kunstwelt einschlug. Geladen hatte er zu einem Abend „mit Beerdigungskuchen oder Henkersmahlzeit“, und auch jede Menge Wehmut sollte verschleudert werden. Kurzum: Der Abend hielt, was die Einladung versprach.

In seiner Begrüßungs- oder eben Abschiedsrede bedankte er sich bei zahlreichen Weggefährten, die die „sechs harten Jahre“ nicht nur erträglich, sondern erst ermöglicht hatten. Dafür drehte Marek Tomicki den Spieß um, verteilte Gast(geber)geschenke und betonte auch angesichts des erneut stimmungsvollen Ambientes: „Es ist schade, dass es die Tanke nicht mehr geben wird.“ Zumindest nicht in ihrer bisherigen Form. Denn Tomicki nutzte den Abend auch dazu, seine Nachmieterin vorzustellen: Martina Asbeck wird die Räume zum 1. Januar übernehmen (siehe Bericht unten). Und nicht nur das: Auch das „heiße Eisen“ Vakt packte er in seiner Rede ein letztes Mal an: Er führe keinen Krieg gegen den Verein, betonte Tomicki. Viel mehr seien die Konflikte auf ein „persönliches Problem“ mit einem einzigen Akteur von Vakt zurückzuführen. Ausdrücklich lobte Marek Tomicki das Vakt-Angebot für Kinder und Kunstinteressierte. „Es ist immer gut, wenn Menschen mit Kunst zusammengeführt werden.“

Darüber hinaus erntete der Gastgeber natürlich vor allem selbst Lob für seine sechsjährige Arbeit in Halver. Etwa von VHS-Leiterin Marion Görnig, die nicht zuletzt manch eine Krimi-Lesung in der Tanke veranstaltete. Oder von Judith Patro, die dem Künstler für seine Arbeit mit den Schülern der Michael-Ende-Schule in Lüdenscheid dankte. Künstlerin Petra Pfaff bedachte Tomicki gar mit einer Urkunde, die ihm das Alleinstellungsmerkmal „herausragender Leistungen im Bereich Kunst“ zuschreibt. Ähnlichkeiten mit zuvor im AA veröffentlichten Äußerungen waren durchaus gewollt.

Und: Bilder gab es natürlich auch noch – beinahe hätte das selbst der Künstler vergessen. Im Rahmen des Geburtstags, der zugleich Abschied und Vernissage war, zeigte Marek Tomicki einmal mehr eindrucksvolle Porträts, die mitunter farbenfroh und melancholisch sind. Oft auch eines als Motiv haben: nackte Frauen. „Ich konnte es wieder nicht lassen“, so Tomicki. ▪ Frank Zacharias

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