Kröhnert lässt Jesus Kinski auferstehen

Kröhnert als Angela Merkel...

HALVER - Er war zurück gekommen. Jesus Kinski, der Erlöser. Unter den Augen einer kleinen Robbe sah ihn Werner Herzog an der Golden Gate Bridge aus den Fluten steigen. Von Marit Schulte

Zum Auftakt seines Programms „Das Jesus Comeback“ ließ Kabarettist Reiner Kröhnert am Freitag in der Aula des Anne-Frank Gymnasiums den Messias in Gestalt des verstorbenen Schauspielers wieder auferstehen. Und dort wo große Dinge geschehen, ist auch meist die politische Garde nicht weit, um sich im Glanz der Ereignisse zu sonnen. So beschließt die CDU in Kröhnerts Programm, Jesus Kinski zu ihrem Ehrenvorsitzenden zu machen.

Der Auftakt zu einem genialen Wechsel von CDU-Politikern und weiteren Charakteren, die Kröhnert auf der Bühne lebendig werden lässt. Es bedarf kaum einer Erklärung wenn er mit dunkelblonder Ponyfrisur, hochgezogenen Schultern und hängenden Mundwinkeln durch den Vorhang tritt – die Kanzlerin ist da. Ronald Pofalla und Peter Hintze katzbuckeln um die Wette vor Merkel, Michel Friedmann und dem Papst. Nach wenigen Worten erkennt das Publikum auch Wolfgang Schäuble oder Norbert Blüm, der sich mit seinem lange geübten Satz „Die Rente ist sicher“ präsentiert.

„Die geistig Armen wollen mich zu ihrem Ehrenvorsitzenden machen“, meckert Jesus Kinski bei seinem ersten Bühnenauftritt los. In typischer Kinski-Manier und mit langer blonder Perücke lässt Kröhnert den launischen Schauspieler mit dem irren Blick wieder auferstehen. Schwer atmend steigert er sich in seine Bühnenmonologe hinein und schleudert Norbert Blüm ein wütendes „Halts Maul Geisteszwerg“, als der ihn unterbricht. Die CDU ist zerrissen über ihren unbequemen Erlöser und fordert ein größeres Wunder als die Heilung von Wolfgang Schäuble.

Als Höhepunkt des Programms betritt so, musikalisch untermalt von „Auferstanden aus Ruinen“, der erweckte Erich Honecker die Bühne. Der wähnt sich noch im Jahr 1987 und glaubt an einen schlechten Traum von der „gesamtkapitalistischen Hölle, hüben wie drüben“.

Seine wirklich kritischen Aussagen verpackt Kröhnert in Kinskis „Predigten“. Denn so klingen seine Monologe teilweise. Da beschimpft er den Papst als „Stellvertreter-Popanz, der heilige Geistlosigkeit predigt, während er den Liebenden auf dieser Welt Kondome verbietet“ und wettert über die Gefühlskälte im Afghanistankrieg als Vorbild für „Counterstriker“. Etwas zu groß ist hier manchmal der Bruch zwischen heiterer politischer Satire einerseits und knallharter Gesellschaftskritik andererseits. Das hielt das Publikum nicht davon ab, mehr zu fordern. Mit einer furiosen Zugabe in der auch SPD und Grüne ihr Fett abbekamen, schickte Kröhnert seine Halveraner Zuschauer ins Wochenende.

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