Krisenjahr zwingt Firma in die Knie

Das Unternehmen am Weißenpferd läuft vorerst normal weiter. ▪ Fraune

HALVER ▪ Das Amtsgericht Hagen hat jetzt das vorläufige Insolvenzverfahren über das Vermögen der Firma RTZ Werkzeug- und Formenbau GmbH eröffnet. Der Betrieb am Weißenpferd soll laut Geschäftsführer Frank Großheim aber normal weitergeführt werden. Von Marco Fraune

„Wir haben eine sehr gute Auftragssituation“, erklärt der Unternehmer auf Anfrage unserer Zeitung. Auf einer Mitarbeiterversammlung will der vorläufige Insolvenzverwalter, der Lüdenscheider Rechtsanwalt Thomas Neumann, den 14 RTZ-Arbeitnehmern am Montag das weitere Vorgehen in dem Verfahren erklären. Vorgesehen sei eine Vorfinanzierung über Insolvenzgeld. „Die Beschäftigten erhalten damit fristgerecht ihr Geld“, sieht Neumann im AA-Gespräch „sehr gute Chancen“ für einen Fortbestand des Unternehmens.

Ursächlich für die finanzielle Schieflage sei das Krisenjahr 2009, erklärt RTZ-Geschäftsführer Großheim. „Das kriegen wir nicht kompensiert.“ Die allgemeine Wirtschaftskrise wäre auch seinem Unternehmen an die Substanz gegangen. Zugleich sieht der Firmenchef durch das erst einmal vorläufige Insolvenzverfahren gute Chancen, den Betrieb wieder auf gesunde Füße zu stellen. Obwohl auf der Firmen-Internetseite gestern noch nach einem Zerspannungsmechaniker/ CNC-Fräser gesucht wurde, sei diese Personalplanung erst einmal auf Eis gelegt.

Dass die Produktion auf jeden Fall einstweilen aufrecht erhalten werden soll, betont neben dem Firmenchef auch der vorläufige Insolvenzverwalter. Zu dieser Überzeugung sei er nach der Sichtung der Auftragsbücher, der Beschäftigungssituation und der Ein- und Ausgabensituation gelangt. Bislang habe sich der Unternehmens-Chef außerdem sehr kooperativ gezeigt. „Die Kunden müssen von mir noch angesprochen werden.“

Wann welche Schritte anstehen, kann Rechtsanwalt Neumann aber noch nicht sagen. Doch: „Ich sehe durchaus Lichtblicke, wodurch eine langfristige Betriebsfortführung möglich scheint.“ Das Hauptproblem liege aktuell in der Vorfinanzierung.

Der auf Insolvenzrecht spezialisierte Lüdenscheider Rechtsanwalt bemerkt, dass nicht nur RTZ mit den Auswirkungen des Krisenjahres zu kämpfen hat. „Viele Mittelständler mussten die Finanzreserven in 2009 stark angreifen.“ Die Markt-Nachfrage im vergangenen Jahr sei zudem kein stetiger Anstieg gewesen, sondern wäre in „Zackenbewegungen“ verlaufen. „Die Nachfrage war nicht konstant. Es ist ein Wackeljahr gewesen.“ So hätten sich die Unternehmen noch nicht neu ausrichten können. Ein Indiz: die Nachfrage nach Leih-Arbeitnehmern. „Da ist man umsichtiger geworden bei der Planung.“

Die Auswirkungen der Krise würden voraussichtlich auch noch in diesem Jahr spürbar bleiben, wagt Rechtsanwalt Neumann einen Ausblick. „Ich vermute, dass noch in vielen Unternehmen Liquidität benötigt wird.“ Daher appelliert er an die Banken, progressiv Geld zur Verfügung zu stellen. Ansonsten, so befürchtet er, würden Arbeitsplätze in der Region verloren gehen.

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