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Krise bei Öl und Gas: Wärmepumpen als Alternative?

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Von: Thilo Kortmann

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Das Ehepaar Behrens hat sich von Jan-Moritz Schröder eine Wärmepumpe in den Garten setzen lassen.
Das Ehepaar Behrens hat sich von Jan-Moritz Schröder eine Wärmepumpe in den Garten setzen lassen. © Thilo Kortmann

Die Gaspreise sind um mehr als 250 Prozent gestiegen, die für Erdöl um fast 200 Prozent. Die Konsequenz ist ein saftiger Anstieg der Heizkosten für Verbraucher. Deshalb steigen jetzt viele auf andere, nicht fossile Heizmethoden wie Holzpellets oder Wärmepumpen um. Es gibt bereits Lieferengpässe von Wärmepumpen – so stark ist die Nachfrage zurzeit. Doch nicht immer eignet sich ein Umstieg auf diese eher neuartigen Heizarten, die emissionsarm arbeiten und zu den umweltschonenden Methoden des Heizens und der Erzeugung von Warmwasser gehören. Wir haben mit verschiedenen Heizungs- und Sanitärinstallateuren gesprochen und gefragt, wann und warum sich ein Umstieg auf Wärmepumpen lohnen könnte.

„Die Nachfrage nach Wärmepumpen ist auf über 100 Prozent gestiegen. Ich habe mittlerweile am Tag drei bis fünf Anfragen“, erklärt Jan-Moritz Schröder, Installateur- und Heizungsbaumeister. Die Gründe dafür liefert der Fachmann gleich mit: „Seit dem vergangenen Jahr werden Wärmepumpen mit 30 bis 50 Prozent gefördert. Und jetzt kommt auch noch Putin dazu“, erklärt er bezüglich der stark gestiegenen Gas- und Ölpreise aufgrund des Ukraine-Krieges. Fast alle Häuser, sagt Schröder, eigneten sich für diese Heizmethode, es müsse vorher nur ein Konzept erarbeitet werden. „Das muss eine Punktlandung sein.“

Das muss eine Punktlandung sein.

Jan-Moritz Schröder, Heizungsinstallateur, zur Genauigkeit des Konzepts für eine Wärmepumpe

Ein Irrtum sei, das Wärmepumpen in Verbindung mit Solarzellen oder Photovoltaik völlig autark arbeiteten, fügt er hinzu. „Es wird immer auch noch zusätzlich Strom gebraucht, wenn die Sonne nicht scheint, um Wärmepumpen zu betreiben“, erklärt Schröder.

Für das Ehepaar Behrens hat Schröder erst kürzlich eine Wärmepumpe eingebaut Dabei stand bei Wolfgang und Brigitte Behrens der Gedanke der Nachhaltigkeit im Mittelpunkt. „Wir haben zwar keine Kinder, möchten aber trotzdem an nachfolgende Generationen denken und somit auf fossile Energiequellen künftig verzichten“, sagt Brigitte Behrens. Für den Einbau der Wärmepumpe musste sie ihr Haus gar nicht so sehr verändern. Was sie auf Anraten von Schröder taten, war das Einschalten eines Energieberaters. „Der hat in unserem Haus so viel gemessen, bis der Arzt kommt“, sagt Wolfgang Behrens und lächelt.

Wichtig sei, fügt Schröder hinzu, dass im Haus eine Vorlauftemperatur von 55 Grad erreicht werde, „das darf nicht überschritten werden“. Entscheidend dafür seien große Heizflächen im Haus. „Wird diese Vorlauftemperatur erreicht, dann geht eine Wärmepumpe bei allen Häuserarten. Auch beim Altbau“, sagt der Heizungsexperte.

Wir haben zwar keine Kinder, möchten aber trotzdem an nachfolgende Generationen denken und somit auf fossile Energiequellen künftig verzichten

Brigitte Behrens zu dem Grund des Umstiegs auf eine Wärmepumpe.

Klar sei aber auch, sagt Behrens, dass man das nötige Kleingeld besäßen müsse, denn „man muss in Vorkasse gehen. Die Förderung gibt es erst nachträglich. Erst wenn die Rechnung bezahlt ist“. 22 000 Euro hat die Anlage Familie Behrens gekostet. 35 Prozent gibt es von der Förderung zurück. „Das Wichtigste ist, dass wir unseren C02-Abdruck senken“, sagt der Pensionär.

Martin Rüping, Inhaber von Rüping Gebäudeservice am Hulvershorn 3, meint zu der Wärmepumpen-Euphorie: „Wärmepumpen haben sicherlich ihre Berechtigung. Nur ich bezweifel, ob Strom die Lösung des Rätsels ist“.

Aber natürlich sei, ergänzt Rüping, der Verzicht auf fossile Brennstoffe absolut begrüßenswert. Auch er verweist auf die Wichtigkeit einer Gebäudeanalyse und eines Konzeptes für das jeweilige Gebäude. „Wenn der Kostenaufwand zu hoch ist, um die nötigen Voraussetzungen zu schaffen, dann lohnt sich auch eine Wärmepumpe nicht.“

Ich halte von dem Hype um Wärmepumpen nichts. Nicht alle Häuser eignen sich dafür. Und wer keine Solarzellen oder Photovoltaik auf dem Dach hat, der muss die Wärmepumpen mit Strom eines Anbieters betreiben. Das wird dann auch teuer.

Karsten Keizer, Inhaber von Meister Keizer

„Ich halte von dem Hype um Wärmepumpen nichts. Nicht alle Häuser eignen sich dafür. Und wer keine Solarzellen oder Photovoltaik auf dem Dach hat, der muss die Wärmepumpen mit Strom eines Anbieters betreiben. Das wird dann auch teuer“, erklärt Karsten Keizer, Inhaber von Meister Keizer. Wichtig sei, so der Experte, dass die Wärme bei Wärmepumpen immer so bei 50 bis 55 Grad Celsius liege. Ansonsten bestehe die Gefahr der Bildung von Legionellen.

„Außerdem bekommt man gerade sehr schlecht Wärmepumpen. Es gibt Lieferengpässe“, sagt Karsten Keizer. Seit gut 20 Jahren hat der Heizungsinstallateur seinen Sitz an der Vömmelbach in Oberbrügge. Keizers Kunden kommen meist aus dem Altbaubereich. „Bei alten Häusern lohnen sich Wärmepumpen selten“, sagt er. Neubauten mit Fußbodenheizungen und modernen sanitären Eigenschaften, so Keizer, eigneten sich dagegen sehr gut für Wärmepumpen.

Damit eine Wärmepumpe Sinn macht, muss sie auf das Gebäude genau zugeschnitten werden.

Heizungsinstallateur Alexander Leib

Eine sehr stark gestiegene Nachfrage nach Wärmepumpen bestätigt auch Alexander Leib, Heizungsinstallateur mit Sitz an der Lohstraße 5. „Eine Wartezeit von sechs Monaten ist gerade normal“, sagt Leib. Bei einem Verbrauch ab 25 000 Kilowattstunden auf rund 150 bis 200 Quadratmeter Wohnfläche lohne sich eine Wärmepumpe. Auch er verweist auf das genaue Konzept, das im Vorfeld erarbeitet werden müsse.

„Damit eine Wärmepumpe Sinn macht, muss sie auf das Gebäude genau zugeschnitten werden.“ Ansonsten könnte das Gerät bei einer verkehrten Vorlauftemperatur schnell kaputt gehen, da es zu oft an und aus gehe, und es könnten hohe Stromkosten drohen, erklärt Leib. Und die Strompreise seien zurzeit auch nicht zu unterschätzen.

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