Ein scheinbar unlösbarer Konflikt

Die Nicolai-Kirche. - Archivbild

HALVER - Seit der Freistellung des Kantors ist es ruhig geworden in der Evangelischen Kirchengemeinde Halver. Doch eine Stellungnahme des Kreissynodalvorstandes macht den Konflikt zwischen Gemeinde und Kantorei jetzt noch einmal zum Thema.

Anlass der von Superintendent Klaus Majoress unterzeichneten Erklärung ist eine Anhörung, die am 17. Januar stattgefunden hat. Anwesend waren neben dem achtköpfigen Kreissynodalvorstand auch Vertreter von Gemeinde und Kantorei. Die Ergebnisse unter anderem: Das Presbyterium hat das ihm zustehende hoheitliche Recht geltend gemacht, soll aber eine Gemeindekonzeption entwickeln, „an der die Ziele der Gemeindearbeit in allen Tätigkeitsfeldern erkennbar werden“.

Bei ihrem Treffen konzentrierte sich das Gremium auf den Ausschluss der Kantorei aus der Kirchengemeinde - denn dieser habe „zu einer öffentlichen Reaktion mit einer Fülle von Artikeln und Leserbriefen geführt“. Auf den Ursprung und die Entwicklung des Streits geht der Kreissynodalvorstand nicht ein. Gleichwohl kommt er zu dem Schluss, dass der Hintergrund des Chor-Ausschlusses durchaus in dem lang anhaltenden Konflikt zu sehen ist - doch erscheine dieser derzeit „unlösbar“.

Der Kreissynodalvorstand betont, dass das Presbyterium bei der Entscheidung, die Kantorei von der Gemeinde zu trennen, als gewähltes Leitungsgremium von seinem hoheitlichen Recht Gebrauch gemacht habe. „Das Wahlergebnis im vergangenen Jahr bestätigt eine deutliche Entscheidung der Gemeindeglieder für die jetzige Zusammensetzung des Presbyteriums, nachdem der Kreissynodalvorstand weitere Nominierungen zugelassen hatte, die nicht gewählt wurden“, erinnert der Synodalvorstand an die Presbyteriumswahlen 2012, in dessen Vorfeld es bekanntlich bereits zu Auseinandersetzungen gekommen war (wir berichteten).

Zudem stellt der Kreissynodalvorstand fest, dass sich das Presbyterium „auf dem Boden von Schrift und Bekenntnis bewegt“ und über eine theologische Ausrichtung verfüge, die ihm ein eigenes Profil gibt - und dies werde heute auch so von ihm gefordert, wie es heißt. Allerdings wird das Presbyterium aufgefordert, eine Gemeindekonzeption zu entwickeln. „Dies ist eine Auflage für alle Gemeinden“, erklärte Klaus Majoress im Gespräch mit unserer Zeitung. So könne auch verdeutlicht werden, dass in der Halveraner Gemeinde eine Vielfalt unterschiedlicher Gruppen einen Ort zum Austausch finden. Um den Konflikt nicht weiter ausufern zu lassen, schlägt der Kreissynodalvorstand der Gemeinde vor, der Kantorei leihweise Notenmaterial und zweimal im Jahr mietfrei die Nicolai-Kirche für kirchenmusikalische Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen. Weitere Gespräche zwischen Presbyterium und Kantorei sollten in Anwesenheit und unter Moderation eines Mediators geführt werden.

Wie Klaus Majoress erklärte, sei das Gespräch mit Kantorei- und Gemeindevertretern bereits im Dezember anvisiert worden. In der vergangenen Woche habe sich der Kreissynodalvorstand dann zusammengesetzt, um über die nun veröffentlichte Stellungnahme zu beraten. Die „hochemotionale Phase“ des Konflikts habe man für das Gespräch mit Absicht gemieden, so Majoress. - Frank Zacharias

Anmerkung der Redaktion:

In einer früheren Version des Artikels wird die Stellungnahme des Kreissynodalvorstands dahingehend zitiert, dass das Presbyterium "wie es heißt, richtig gehandelt“ hat. Diese Formulierung entspricht jedoch nicht der Stellungnahme. „Der Kreissynodalvorstand hat von einer Beurteilung abgesehen und sich darauf bezogen, dass der Konflikt zur Zeit nicht zu lösen ist“, betont Superintendent Klaus Majoress.

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