Gülle-Katastrophe

Neyetalsperre: Gute und vermeintlich schlechte Nachrichten

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Die Neyetalsperre ist nun weitestgehend gereinigt – doch die tatsächlichen Folgen der Güllekatastrophe sind noch nicht absehbar.

Halver - Wupperverband und EWR (Energie und Wasser für Remscheid) gaben am Donnerstag bekannt, dass die Reinigung von 100 000 Kubikmetern des Gülle-Wasser-Gemischs abgeschlossen ist. Kurz zuvor jedoch hatte die Talsperre offenbar zu Unrecht für Negativ-Schlagzeilen gesorgt.

Die Kölnische Rundschau hatte von einer erneuten Verunreinigung des Neyebachs berichtet und sich auf Informationen von Vertretern der Biologischen Station Oberberg und der Unteren Landschaftsbehörde berufen. Eine Darstellung, der sowohl der Wupperverband als auch der Oberbergische Kreis jetzt widersprachen.

"Kein erneuter Gülleeintrag"

In einer gemeinsamen Presseerklärung betonten Verband und Behörde, dass es keinen erneuten Gülleeintrag gegeben habe. Der Wupperverband habe unmittelbar nach Bekanntwerden vermeintlich neuer Einträge Messungen durchgeführt und keine erhöhten Werte gegenüber den zuvor durchgeführten Messungen festgestellt.

Auch Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper zeigte sich angesichts der jüngsten Berichterstattung aus dem Nachbarkreis entsprechend verärgert. „An dieser Geschichte ist nichts dran. Vertreter des Märkischen Kreises sind permanent vor Ort und führen Messungen durch“, betonte sie am Donnerstag auf Anfrage des Allgemeinen Anzeigers. „Seit dem 18. März (dem Tag der Verunreinigung, Anm. d. Red.) ist keine weitere Gülle übergelaufen“, so Dienstel-Kümper.

Erleichterung über Ende der Reinigung

Unterdessen freuten sich Vertreter von Wupperverband und EWR jetzt, dass die Gülleblase in der Neyetalsperre nunmehr vollständig entfernt wurde. „Die Nährstoffbelastung mit Stickstoff und Phosphor am Grund der Neyetalsperre hat sich nach dem verheerenden Gülle-Vorfall deutlich soweit reduziert, dass eine weitere Reinigung von Talsperrenwasser in der Kläranlage derzeit nicht mehr sinnvoll ist.“

Nach der Einleitung von rund 1700 Kubikmetern Gülle über den Neyebach in die Talsperre hatte sich – wie berichtet – vor der Staumauer ein Gemisch aus Gülle und Wasser als Gülleblase eingelagert. „In der Talsperre bilden sich derzeit temperaturbedingt Schichten, die sich nicht durchmischen. Dies ist ein für Talsperren jahreszeitbedingt üblicher Vorgang“, heißt es vom Wupperverband.

Stärkere Algenbildung zu erwarten

Zu erwarten sei wegen des deutlich erhöhten Nährstoffeintrags jedoch eine stärkere Algenbildung in den oberen Schichten und eine deutlich erhöhte Sauerstoffzehrung in den Tiefenschichten. Dies könne dazu führen, dass der Sauerstoff in der Tiefenschicht komplett aufgezehrt wird und im schlimmsten Fall die Talsperre „umkippt“ – es käme zu einem Fischsterben.

Folgen sind immer noch nicht absehbar

Da weiterhin unsicher ist, wie sich die Wasserqualität in der Talsperre entwickelt, werde seit dem 18. Mai Tiefenwasser aus der Neyetalsperre an den unteren Neyebach abgegeben, um der negativen Sauerstoffentwicklung entgegenzuwirken. „Der Füllstand der Talsperre wird je nach Höhe der Niederschläge der nächsten Wochen dadurch abgesenkt.

Schädliche Auswirkungen auf den Bach sind nicht zu erwarten, dennoch wird die Abgabe von einem Untersuchungs-Programm im Neyebach und in der Wupper-Talsperre begleitet“, heißt es von den Verbänden. Zusätzlich zu dem Tiefenwasser soll weiter Oberflächenwasser aus der Talsperre an den Neyebach abgegeben werden.

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