Scharfe Kritik an Jagd

Tierschützer kritisieren Krähenjagd - Rabenvögel hätten Vorteile

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Seit dem 1. August dürfen Krähen aus rechtlicher Sicht bejagt werden. Tierschützer kritisieren das.

Halver - Das Krähensilvester in Halver hat am 1. August begonnen. Aus Sicht der Jäger ist das eine nötige Sache. Die Tierschützer sehen das aber nicht so. 

Thomas Bette vom Hegering Halver machte in der vergangenen Woche auf das Krähensilvester aufmerksam, das in Halver begonnen hat. Dabei geht es um die Jagd, die auf Krähen eröffnet wurde. Halveraner wurden durch Schüsse, die im Wald fielen, auf dieses Thema aufmerksam.

Am 1. August hat die Jagdsaison auf Krähen begonnen. Thomas Bette erklärte, warum: „Es gibt sehr viele von ihnen. Deshalb können sie auch keine Chance auslassen, um satt zu werden.“ Und weiter: „Ich habe selbst schon lebende Kitze gesehen, denen die Augen ausgehackt wurden.“ 

Scharfes Urteil von den Tierschützern

Doch die Tierschützer teilen diese Meinung nicht. „Das sogenannte Krähensilvester verurteilen wir auf das Schärfste“, teilt der Vorstand des Tierschutzvereins Halver-Schalksmühle mit. Zum Vorstand gehören Jana Schmidt als Vorsitzende, Anja Neumaier als ihre Stellvertreterin, Sabine Schwab, Daniela Rode, Joy Streit und Ralf Steiner. 

Je mehr Krähen es gibt, umso mehr Probleme ergeben sich. Das machte Thomas Bette vom Hegering deutlich. Viele Krähen seien also ein Problem. Auch da sind die Tierschützer anderer Meinung: „Die immer wieder behaupteten oder befürchteten Übervermehrungen von Rabenvögeln finden in der Realität entsprechend den Untersuchungen der Fachverbände nachweislich nicht statt. Viele Untersuchungen belegen stabile und konstante Bestände. Jeder Lebensraum kann nur einer begrenzten Zahl Quartiere, Brutplätze und Nahrung bieten. Einer Überbevölkerung arbeiten zahlreiche regulierende Mechanismen innerhalb der Art entgegen.“ 

Der Mensch greift in Mechanismen ein

Wenn der Mensch zum Beispiel durch die Jagd in diese genannten Mechanismen eingreife, könne das das Gegenteil bewirken – „nämlich dass betroffene Arten vermehrt zur Fortpflanzung schreiten, um die ihnen durch Abschuss zugefügten Verluste wieder auszugleichen“. In den Augen der Tierschützer sei der Abschuss „nicht sinnhaft“. „Es sei denn, man schießt um des Schießens willen.“ 

Bei ihren Ausführungen stützen sich die Mitglieder des Vorstands des Tierschutzvereins auf Quellen wie die Broschüre „Die Jagd“ vom Deutschen Tierschutzbund. In ihrer Stellungnahme machen sie deutlich, wofür die Raben in ihrer Umwelt zuständig sind. „Rabenvögel kümmern sich im Naturhaushalt um die Beseitigung von Aas. Sie sind die ökologische Müllabfuhr und Recyclinginstitution in Personalunion. Um Kadaver zu öffnen, müssen Elstern, Krähen und Raben als Verwerter den After und die Augenhöhlen als ,Einstieg’ nutzen.“ Daher komme die Redensart, dass Krähen die Augen aushacken. 

Thomas Bette machte ebenfalls diese Aussage. „Immer wieder geraten Kolkraben und Krähen in Verdacht, Jungtiere größerer Huftiere gezielt zu töten. Diese Behauptung beeindruckt zwar manche Politiker, ist allerdings mit wissenschaftlichen Untersuchungen nicht zu belegen und wird auch von Naturschützern nicht geteilt. Andere Aasfresser wie der Wolf und der Bär sind durch Menschenhand in weiten Teilen Europas bereits ausgerottet worden. Dass Rabenkrähen ab und an auch mal einen Jungvogel erbeuten, steht außer Frage, gehört aber zu der ihnen von der Natur zugewiesenen Aufgabe als Regulator“, betonen die Tierschützer. 

Rabenvögel übernehmen eine Aufgabe in der Natur

Die Raben übernehmen in der Natur eine Aufgabe – so wie jedes andere Lebewesen auch. Davon sind die Halveraner Tierschützer überzeugt. „Im Naturkreislauf übernehmen alle Arten bestimmte Aufgaben. Rabenvögel fressen zum Beispiel Aas und üben mit der Beseitigung toter Tiere eine wichtige ökologische Funktion aus. Eichel- und Tannenhäher begründen neue Wälder, indem sie Eicheln und Zirbelnüsse im Boden verstecken. [...] Elstern bauen mehr Nester als sie zum Brüten benötigen. Diese und insbesondere die Nester der Rabenkrähen sind sehr wichtig für in Halver noch vorkommende und zum Teil auf der Roten Liste der bedrohten Vogelarten NRW stehenden Arten wie Waldohreule, Turm- und Baumfalke, die keine eigenen Nester bauen.“ 

Doch nicht nur andere Vogelarten profitieren nach Aussage der Tierschützer von Raben & Co. Auch für die Land- und Forstwirtschaft gebe es Vorteile. „Rabenvögel ernähren sich vorwiegend von Raupen, Mäusen, Maikäfern und Drahtwürmern – und tragen damit zur natürlichen ,Schädlingsbekämpfung’ bei. Auch dem geschilderten Problem des Aufhackens von Silagefolien kann man mit etwas stärkeren Folien leicht beikommen.“ 

Tierschützer ziehen ein Fazit und bieten Hilfe an

Thomas Bette erwähnte im Gespräch die Intelligenz der Raben. Doch das reiche den Tierschützern nicht aus, denn „diese Intelligenz bedient auch nur wieder die angebliche Notwendigkeit einer Bejagung“. „Herr Bette unterlässt in seinen Darstellungen jedweden Hinweis auf die absolut nützlichen Aspekte der Rabenvogelexistenz, die selbstredend für jeden ernsthaften Tier- und Naturschützer oder interessierten Bürger eine differenzierte Betrachtungsweise erforderlich machen müssten.“ 

Die Tierschützern ziehen ein Fazit: 

  • „In der Natur gibt es kein Schwarz und kein Weiß, kein nur nützlich oder nur schädlich. Es wird den Rabenvögeln nicht gerecht, auf der Basis angestaubter, teilweise Jahrhunderte alter Vorurteile die Flinte sprechen zu lassen und dieses dann auch noch als Artenschutz zu verkaufen.“ 
  • Für eine Bejagung der Vogelgruppe gebe es keine wissenschaftliche Rechtfertigung, nur eine rechtliche Erlaubnis. „Die Jagd auf diese Tiergruppe ist nicht nur aus ökologischen und naturschutzfachlichen Gründen abzulehnen, sondern darüber hinaus ethisch und evolutionär äußerst fragwürdig.“ 
  • Die Tierschützer können dem Hegering für das Krähensilvester „keinen Beifall zollen“, sagen sie. Sie empfehlen dem Hegering, „sich bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben auf das Wesentliche zu konzentrieren: Statt jährlich jede Menge Schrot ,in den Himmel zu schießen’ und die Bürger über ihre Rechte im Wald zu belehren, sollte er sich zusammen mit den anderen Akteuren bemühen, die wirklich drängenden Probleme des Tier-, Natur- und Artenschutzes in der Fläche anzupacken.“ 
  • Abschließend bieten die Tierschützer ihre Hilfe beziehungsweise Zusammenarbeit an.

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