Netz-Experten vor Ort

„Das ist nicht mehr hinnehmbar“ - gegen Rassismus und Extremismus am AFG

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Mittendrin statt nur dabei: Die Netz-Experten der KAS sind vielfach nicht viel älter als die Schüler.

Halver - Was ist Meinungsäußerung? Und wo beginnt die Grenze zu Rassismus und Extremismus, zu Hass und Mobbing? Verliert unsere freiheitlich-demokratische Ordnung gerade Maß und Mitte? Antworten auf diese Fragen gab es am Anne-Frank-Gymnasium in Halver. 

Wenn ein Aussteiger aus der Skinhead-Szene am Anne-Frank-Gymnasium (AFG) anmerkt, dass Aussagen, die inzwischen ganz selbstverständlich im Netz kursieren, vor wenigen Jahren nur innerhalb der ultrarechten Szene gefallen wären, macht das mehr als nachdenklich. 

„Das ist nicht mehr hinnehmbar“, sagt Frank Windeck. Er ist Koordinator für Medien und Entwicklungspolitik bei der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS). Drei Tage lang war er mit seinem jungen Experten-Team zu Gast am AFG. 

Bundesweit unterwegs

Die Digitale Akademie der KAS ist bundesweit unterwegs. 30 Stationen waren es bereits in diesem Jahr, 15 davon in Nordrhein-Westfalen. Die Nachfrage seitens der Schulen ist riesig. Drei Tage ging es jetzt für die bereits älteren Schüler der Q1 ums Thema „Extrem im Netz – Gefahren erkennen und abwehren“. Belehrungen und Frontalunterricht waren nicht angesagt.

Podcasts selbst erstellen? Es läuft im Workshop.

Am ersten Tag gehe es darum, eine Haltung zu vermitteln, danach, den Schülern zu zeigen, „das sie nicht alleine sind“, wie Windeck das Konzept erklärt. Das passiert dann ganz praktisch. Sechs parallele Workshops laufen den ganzen Tag über. Die Schüler erstellen Podcasts und YouTube-Clips, arbeiten mit Instagram und als mobile Journalisten. 

Begeistert von der Digitalen Akademie ist auch Schulleiter Paul Meurer (rechts).

Das Team der Stiftung ist jung, das kommissarische Lehrpersonal sitzt mittendrin, leitet an und hinterfragt. Machen sollen die 16- bis 18-Jährigen selber. 

Von ganz rechts oder aus der Szene der Grauen Wölfe

Gemeinsamer Termin ist der für den Bericht zweier Aussteiger – einer von ganz rechts, der andere aus der Szene der Grauen Wölfe. Wie gerät man in den Sog der Organisationen, wie ködern sie junge Menschen übers Netz? Musik, Anerkennung, Gemeinschaft – die Wege in die Radikalisierung sind vielfältig, erfahren die Schüler beim aufwendigen Projekt der Stiftung, die auf die Unterstützung der Landeszentrale für politische Bildung zählen kann. Spürbar ist die gespannte Aufmerksamkeit der Kleingruppen – aber auch die Begeisterung bei Schulleiter Paul Meurer. 

Das von den Nazis ermordete Mädchen Anne Frank gab der Schule ihren Namen und damit eine Verpflichtung auf den Weg. Der Besuch aus Bonn passt dazu.

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