Kommunalwahl 2020

Welche Vorschläge haben Sie für die Versorgung mit preiswertem Wohnraum? Parteien in Halver antworten

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Preiswerter Wohnraum wird von Bürgern in Halver vermisst. 

Halver - Vier Fragen stellt die Redaktion den für den Halveraner Stadtrat kandidierenden Parteien. Die erste Frage lautet: Viele Bürger klagen über ein hohes Mietenniveau. Welche Vorschläge haben Sie für die Versorgung mit preiswertem Wohnraum?

Im Folgenden finden Sie die Antworten der fünf im Rat vertretenen Fraktionen von CDU, SPD, UWG, Grünen und FDP auf die erste Frage: Viele Bürger klagen über ein hohes Mietenniveau. Welche Vorschläge haben Sie für die Versorgung mit preiswertem Wohnraum?

Insgesamt wurden den Parteien vier Fragen gestellt. 

Die Antwort der CDU

Der Wohnungsmangel hat viele Gesichter, denn genauso unterschiedlich wie Lebenssituationen sind, bedarf es auch vielschichtiger Wohnungsangebote. Baugrundstücke werden angeboten, seit 2018 auch mit Rabatt für Familien mit Kindern. Das ist gut und weiterhin unser Ziel. Teure Eigentumswohnungen sind verfügbar, bedarfsgerechte, bezahlbare Mietwohnungen fehlen! Familien mit geringem Einkommen, Singles suchen die ersten eigenen „vier Wände“, Senioren wünschen sich altengerechte, stadtnahe Wohnungen, Einpendler möchten zum Arbeitsplatz nach Halver ziehen – viele Menschen finden bei uns in Halver nur schwer die passende Wohnung. Wir möchten das ändern und haben mit dem Antrag „Wohnungen in Geschossbauweise am Schmittenkamp“ den Anfang gemacht. Das reicht bei Weitem nicht aus! 

Halver braucht mehr bezahlbare Wohnungen. Seit 20 Jahren ist der öffentlich geförderte Wohnbau in Halver zum Erliegen gekommen. Wir wollen unterschiedliche Akteure des Wohnungsbaus an einen Tisch bringen, um gemeinsam gute, individuelle Projekte zu gestalten. Halver hat auch ein Gesicht, Halver ist die Stadt im Grünen – und das soll auch so bleiben! Der Geschosswohnungsbau hat viele Vorteile: geringerer Flächenverbrauch und Energieeffizienz – gut für die Umwelt! Aus sozialer Sicht – eine zukunftsweisende Ergänzung zum Einfamilienhaus und ermöglicht angepasste Wohnungsgrößen. So können wir den unterschiedlichen Bedürfnissen unserer Bürger gerecht werden.

Die Antwort der SPD

Angebot und Nachfrage entscheiden über die Höhe von Mieten. Wir wollen auch zukünftig Baugebiete ausweisen und bei der Vergabe der Bauplätze junge Familien aus Halver bevorzugen. Dadurch wird Mietwohnungsraum frei und sorgt so für Entspannung auf dem Wohnungsmarkt und auch für stabile und bezahlbare Mietpreise. Damit ist es aber nicht getan. Natürlich werden wir bei der Ausweisung von Baugebieten immer auch Geschosswohnungsbau in angemessener Größenordnung berücksichtigen. 

Im Innenstadtbereich können wir uns vorstellen, dass auf dem unteren Teil des gerade erworbenen Wippermann-Geländes Mietwohnungsbau stattfinden kann. Im Außenbereich werden wir, da wo es möglich ist, per Satzungsänderung beschließen, dass nicht mehr benötigte landwirtschaftliche Gebäude in Wohnraum umfunktioniert werden können. Auch diese Maßnahme wird zu einem steigenden Wohnungsangebot führen.

Die Antwort der UWG

Die durchschnittlichen Kaltmieten mit 6 Euro/m² im Altbestand liegen in Halver 25 Prozent unter NRW-Durchschnitt. Im Neubau sind die Mieten höher. Eine wesentliche Ursache liegt in stark gestiegenen Baukosten; circa 30 Prozent in zehn Jahren. Dies ist das große Problem für sozialen Wohnungsbau. 

Das Angebot an Wohnraum ist in Halver im Vergleich zur Nachfrage immer noch zu gering – auch ein Grund für Mietsteigerungen. Gerade junge Menschen haben es schwer, in Halver eine bezahlbare Wohnung zu finden. Baugrundstücke für junge Familien sind trotz Schmittenkamp immer noch Mangelware. Wir müssen daher weiter kleine Baugebiete in unserer Stadt dort entwickeln, wo es passend ist, und dafür sorgen, dass Baulücken geschlossen werden. Wir müssen in der Innenstadt Grundstücke für Wohnungsbau suchen und mit Investoren zusammenarbeiten. Und wir müssen Bauen im Außenbereich in gewachsenen Ortslagen zulassen und nicht das Einvernehmen verweigern. Und bei allem dürfen wir die Baukosten nicht durch zusätzliche Vorschriften noch mehr in die Höhe treiben. 

Ein Wohnungsprojekt an der Elberfelder Straße, in dem die Stadt fünf Belegungsrechte für Mieter bekommen hätte, ist an zu hohen Auflagen gescheitert. Statt starrer Vorschriften brauchen wir eine bessere Kommunikation und eine Beratung hinsichtlich Nachhaltigkeit. Im Flächenverbrauch haben wir in Halver noch etwas Luft. Ohne Erhöhung des Angebots werden wir die Wohnraumkosten nicht in bezahlbarer Höhe halten.

Die Antwort des Bündnisses90/Die Grünen

Halver soll eine lebenswerte Stadt für alle Menschen sein. Wir wollen, dass alle Halveranerinnen und Halveraner und die, die es werden wollen, es sich leisten können, hier zu leben. Wir haben uns dafür eingesetzt, dass Familien beim Hausbau besonders gefördert werden – dazu wird zum Beispiel am Schmittenkamp ein Kinder-Bonus bezahlt. Außerdem haben wir durchgesetzt, dass Energie-Plus-Häuser (Häuser die mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen) mit 2500 Euro gefördert werden. Dadurch wird das Bauen erschwinglicher – dies sorgt für Entspannung auf dem Mietmarkt. Neben dem Einfamilienhausbau wollen wir mehr Geschosswohnungsbau, um ein höheres Angebot an Mietwohnungen zu bekommen. Wir setzen uns konsequent für sozialen Wohnungsbau ein. 

Allerdings wollen wir, dass die Menschen nicht an den Rand der Stadt gedrückt werden, sondern in der Nähe der Innenstadt Wohnraum bekommen. Dies erreichen wir dadurch, dass Baugrund günstig und mit Bindung an sozialen Wohnungsbau angeboten wird – wir wollen dafür den Rahmen setzen. Des Weiteren setzen wir auf alternative und innovative Wohnformen. Daher haben wir etwa für das Wippermann-Gelände ein Konzept fürs Mehrgenerationen-Wohnen vorgelegt. Außerdem wollen wir Alleinstehenden Wohneigentum etwa in Form von Tiny-Häusern ermöglichen. Damit auch die Nebenkosten nicht aus dem Ruder laufen, fordern wir, dass die Menschen kostenfrei beraten werden, um selbst Energie zu erzeugen oder Energie und Wasser einzusparen.

Die Antwort der FDP

Wohnraum ist ein wichtiger Standort- und natürlich auch Sozialfaktor. Das Mietniveau in Halver bewegt sich mit ungefähr 5,60 Euro/m² auf dem Niveau von Kierspe und unter dem Niveau von Lüdenscheid. Insofern kann man festhalten, dass hohe Mieten kein Alleinstellungsmerkmal für Halver sind. 

Der bedeutendste Preistreiber im Bereich der Mieten ist ein Mangel an verfügbarem Wohnraum. Bedingt durch Restriktionen der damaligen Rot-Grünen Landesregierung, war es gerade ländlichen Flächengemeinden wie Halver über viele Jahre nicht möglich, in ausreichendem Maße Baugebiete zu erschließen. Daher hat sich das Mitniveau insgesamt deutlich nach oben entwickelt. Die Lage hat sich verbessert, sodass bereits erste Baugebiete (Falkenstraße und Schmittenkamp) geplant und teilweise bereits erschlossen werden konnten. Nur so kann nachhaltig Druck vom Wohnungsmarkt genommen werden. 

Bei aller Notwendigkeit, Bauland zu erschließen, gilt es, den Prozess klug und mit Augenmaß zu gestalten, um den Charme Halvers als ländliche Flächengemeinde oder, wie man so schön sagt, als „Stadt im Grünen“ nicht zu gefährden. Ein besonderes Augenmerk legt die FDP auf die viel zu wenig verfügbaren Wohnungen für Familien- also mit vier und mehr Zimmern. Impulse sollten nach Vorstellung der FDP auf verschiedene Weise gesetzt werden: . Baulücken im Stadtgebiet schließen . Mehrfamilienhäuser im Innenstadtbereich bauen . Baugebiete ausweisen und zu familienfreundlichen Preisen vermarkten.

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