Kommunalpolitiker uneins über das TV-Duell

HALVER - Es war ein Duell auf Augenhöhe – so viel stand nach dem eineinhalbstündigen Rededuell zwischen der Kanzlerin und ihrem Herausforderer fest. Und es war eines, das nicht nur Bundespolitiker beschäftigte, sondern auch die lokalen Fraktionsspitzen. Wenn auch nicht alle.

Andreas Gerrath, Fraktionsvorsitzender der Halveraner FDP, hatte sich nach eigenem Bekunden am Sonntagabend zwar durchaus mit der bevorstehenden Bundestagswahl beschäftigt – allerdings in Form des Plakateklebens für seine Partei. „Ich halte so etwas für eine Show-Veranstaltung“, übt der Liberale Kritik an dem TV-Duell zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück. Dabei handele es sich lediglich um eine Momentaufnahme, die das jeweilige komplexe Parteiprogramm nicht widerspiegeln kann. Für Gerrath selbst waren die Würfel ohnehin bereits vor dem Sendestart um 20.30 Uhr gefallen. „Den Steinbrück kann man nicht wählen“, meint der FDP-Fraktionschef. Mindestlohn, Grundrente oder auch Mietpreisbremse – „das alles sind Punkte, die für mich als Liberaler nicht in Frage kommen“.

Naturgemäß ebenfalls auf die Seite der Kanzlerin schlug sich am Tag nach dem Duell Peter Starke. Der Fraktionsvorsitzende der Halveraner CDU hat eine „sympathische und kompetente“ Parteichefin erlebt, die für ihn als klare Siegerin aus dem Schlagabtausch hervorgegangen ist. „Sie war für mich sehr überzeugend, während Peer Steinbrück die falschen Rezepte hat“, so Starke, der von einem SPD-Kanzler Steuerhöhungen für den Mittelstand oder auch die europaweit gemeinsame Verantwortung für Schulden erwartet. „In Europa kann Deutschland sich mit seinen Arbeitsplätzen und der Finanzstabilität sehen lassen“, meint der Halveraner Christdemokrat, den die überraschend klare Haltung Merkels gegen die Pkw-Maut kalt lässt. „Es wäre gut, wenn wir keine größeren Probleme hätten als die Maut.“

Ein vollkommen anderes Fazit des TV-Duells zieht Michael Brosch, Fraktionsvorsitzender der SPD Halver. Dass Peer Steinbrück als Sieger aus dem Abend hervorgeht, hat für ihn „ganz objektive Gründe“. „Wenn man sich das Umfrageergebnis in Sachen Direktwahl anschaut, sieht man, dass Peer Steinbrück wirklich etwas bewegt hat“, so Brosch, für den der Fernsehabend allerdings keine großen neuen Erkenntnisse hervorgebracht hat. „Überrascht war ich aber von der Kanzlerin, als sie sich bei der Pkw-Maut deutlich festgelegt hat und damit das Risiko interner Diskussionen eingegangen ist.“ In der Europa-Frage habe Angela Merkel hingegen erneut nicht klar formuliert, was etwa in Sachen Griechenland auf Deutschland noch zukommt.

Keinen eindeutigen TV-Duell-Sieger kann Martin Halbrügge, Ortsvereinsvorsitzender von Bündnis90/Die Grünen, ausmachen. „Für mich war durchaus positiv, dass auf sachlicher Ebene diskutiert wurde.“ Gleich zwei Gewinner also für Halbrügge – und vier Verlierer: Denn die Moderatoren fand der Halveraner Grüne „wirklich schwach“. Nicht alle Fragen könnten mit Ja oder Nein beantwortet werden, wie Stefan Raab es von Peer Steinbrück etwa in Sachen großer Koalition erwartete. „So etwas ist nicht hilfreich“, meint Martin Halbrügge, der sich etwa eine intensivere Debatte über die Energiepolitik gewünscht hätte. Er ist sicher: „Die CDU steht als Regierungspartei noch nicht fest.“

Von Frank Zacharias

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