Auch in Halver „Abgetankt“

Auch ein Foto der ehemaligen Halveraner Tankstelle an der Leye nahm Joachim Gies in seine Abschlussarbeit auf.

Halver - Viele Autofahrer dürften auf die Bremse getreten haben, als sie Joachim Gies mit seiner Kamera auf dem Stativ erblickten. Denn sie vermuteten eine Radarfalle. Doch die Kamera war nicht auf den Verkehr, sondern auf die ehemaligen Tankstellen in Halver gerichtet, die es einmal an der Thomasstraße und an der Leye gab.

Ungenutzte und brachliegende Tankstationen hatte der 28-Jährige zum Thema der Abschlussarbeit seines Fotografie-Studiums an der Fachhochschule Dortmund erwählt. In seinem Buch „Abgetankt“ zeigt er mit 61 Bildern den Zustand ausgedienter Tankstellen im Ruhrgebiet, im Sauerland, im Bergischen Land sowie im Rheinland.

Warum er die ehemaligen Halveraner Tankstellen für sein Projekt auswählte: „Baulich sind die Beiden sehr unterschiedlich. Das Gebäude, das aussieht wie das Raumschiff Enterprise ist doch ein super Ladenlokal für den Friseursalon ‘Die Tanke - Haare und Kunst’.“ Gies hat sein Buch in vier Kapitel gegliedert. „Essen-Trinken“ zeigt Imbisse und Getränkeshops in alten Tankstellen, „Auto-Mobil“ handelt von Werkstätten, Gebrauchtwagen- und Reifenhandel, in „Quer-Beet“ finden sich ein Reisebüro, eine Autobahnkapelle und Wohnungen. „Leer-Stand“ schließlich erfasst die Tankstellen, die verfallen oder gar abgerissen sind. Rund 250 Adressen fuhr Gies an und fand dabei unterwegs immer weitere Tankstellen. „Alte Tanken finden, ist wie Pilze suchen. Hat man seine Sinne erst sensibilisiert, tauchen sie auf einmal aus ihrem verborgenen Dasein auf“, behauptet der Fotograf. Letztlich fuhr er 12 828 Kilometer für sein Projekt. Der Aufwand hat sich für Gies gelohnt, denn für seine Bilder sowie die Präsentation als Buch vergab die Fachhochschule Dortmund jetzt die Note 1.

In der Galerie „Hebebühne“ in Wuppertal - auch eine ehemalige Tankstelle - ist eine Ausstellung der Bilder geplant. Die Fotos von Joachim Gies bewegen sich im Kontext von Dokumentar-, Architektur- und Reportagefotografie.

„Bisher habe ich 15 Exemplare des Buches anfertigen lassen, aber vielleicht finde ich ja auch noch einen Verleger für meinen Bildband“, hofft Gies, denn „abgetankt“ hat er noch nicht. Eine Fortführung des Projektes schließt der Kölner Fotograf übrigens nicht aus. Weitere Informationen zum Projekt finden Interessierte auch im Internet unter www.abgetankt.de.

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