Ski-Urlaub in Corona-Zeiten

Weg vom Mallorca-Image:Veranstalter nutzt die Corona-Krise als Chance

Eine Branche erfindet sich neu – zumindest in großen Teilbereichen. Kaum ein Sektor ist so massiv von der Corona-Pandemie betroffen wie der Tourismus. Ein heimisches Unternehmen geht neue Wege.

Weg vom Mallorca-Image: Klühspies-Reisen nutzt Corona als Chance für anderes Après-Ski.

Oberbrügge - Am Oberbrügger Unternehmen Klühspies Reisen wird das deutlich. Aber: Der deutsche Marktführer in Sachen Skireisen, der alleine im vergangenen Winter rund 60 000 Ski-Fans auf die Bretter brachte, steckt den Kopf nicht in den Sand. Die Geschäftsführung positioniert neue Produkte, begreift die schwierige Lage als Chance.

Der Corona-Ausbruch in Europa ist eng mit dem Après-Ski verbunden. Im österreichischen Ischgl hatte sich früh ein Hotspot entwickelt, ohne dass zunächst geeignete Gegenmaßnahmen ergriffen worden wären. Vom Skiort im Paznaun im Westen Österreichs verteilte sich das Virus so in viele Länder des Kontinents.

Radikale Veränderung beim Après-Ski durch Corona

Gute Laune, Party-Musik, Alkohol, viele Menschen auf engem Raum – das waren die Kennzeichen des Après-Ski der vergangenen Jahrzehnte in vielen Skiorten der Alpen. „Das“, so schätzt Klühspies-Reisen-Geschäftsführer Arndt Kattwinkel die Lage ein, „wird sich radikal ändern. Der Après-Ski ist quasi verbrannt.“

Für das heimische Unternehmen mit Sitz am Ohler Weg in Oberbrügge hat das Konsequenzen, die aufzeigen, wie die Branche auf die Krise reagiert. Jahrzehntelang hat Klühspies Reisen mit der Partyskitour feierfreudige Märker ins Zillertal gebracht. Zuletzt waren es rund 600 Teilnehmer, die im Skigebiet Hochzillertal tagsüber auf den Brettern standen und ab nachmittags die Party-Maschine anwarfen. Die Gäste kamen hauptsächlich aus Halver, Schalksmühle, Lüdenscheid, Kierspe, Meinerzhagen und dem benachbarten Bergischen Land.

Im Krisenmodus: Arndt Kattwinkel, Geschäftsführer von Klühspies Reisen in Oberbrügge.

Und was wird anders? Unter der organisatorischen Federführung von Arndt Kattwinkel und seinem Sohn Niklas, bei Klühspies Reisen zuständig für die Unternehmensentwicklung, wird aus der Partyskitour ein neues Produkt, das „Meine Skitour“ getauft wurde. Das Ziel bleibt mit der Skiregion Hochzillertal/Hochfügen dasselbe, die Hotels ebenfalls. Aber: Die Tour orientiert sich an sämtlichen Pandemie-Schutzmaßnahmen, wird in der Summe ruhiger, dafür aber hochwertiger, setzt mehr auf Individualität. Oder, wie es Arndt Kattwinkel formuliert: „Wir wollen weg vom Mallorca-Image.“ Denn eines ist für den Tourismus-Experten klar: „Ein ‚back to business‘ wird es nicht geben, aber wir begreifen die Krise als Chance für Veränderungen.“

Anderes Image als Ziel

Für Niklas Kattwinkel ist dieser Schritt ein folgerichtiger. „Veränderungen waren ohnehin notwendig“, sagt er, „durch die Krise kommen sie jetzt aber schneller.“ Dabei geht es dem Klühspies-Team nicht darum, dem Skifahrer das Bier nach der letzten Abfahrt zu versagen. Im Gegenteil: Weiterhin soll es Livemusik geben, aber nun mit viel Platz auf der Terrasse des neuen Mountain-View-Gebäudekomplexes an der Bergstation. Gepflegte Abendunterhaltung, zum Beispiel in Form von Weinproben, sind ebenfalls angedacht und tagsüber geführte Skitouren mit überschaubarer Besetzung.

Die Schutzmaßnahmen beginnen schon bei der Busanreise. „Wir richten uns nach den Maßnahmen, die zum Zeitpunkt der Reise gelten“, sagt Arndt Kattwinkel. Auch die individuelle Anreise per Pkw ist möglich. Dass die Reise im Vergleich zu den Vorjahren etwas teurer wird, hat übrigens nichts mit der Pandemie zu tun, sondern mit dem frühen und mithin schneesicheren Termin vom 19. bis zum 27. März.

Und wenn das Worst-Case-Szenario in Form von Reisewarnungen oder Einreisesperren eintritt? „Gerade in der jetzigen Zeit kann ich grundsätzlich nur dazu raten, Pauschalreisen zu buchen“, sagt Arndt Kattwinkel, „dann ist der Gast im Falle einer Absage der Reise abgesichert.“

Rubriklistenbild: © Klühspies Reisen

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