Klimaschutz und Energie in Halver kein Thema im Regionalplan

Beim Sonnenstrom im Abseits

Fotovoltaik
+
Ohne Festsetzung im Regionalplan dürfte es nicht klappen mit Freiflächen für Fotovoltaik in Halver.

Ohne konkrete klima- und energiepolitische Ziele und Festlegungen im neuen Regionalplan werde die Stadt Halver in den nächsten 15 Jahren, der Gültigkeitsdauer des neuen Regionalplans, abgehängt.

Die Einschätzung von Klaus Brunsmeier, Vertreter der Naturschutzverbände im Regionalrat, ist ernüchternd. Von den vorgeschriebenen Zielen, die im Planwerk zu beachten seien, tauchten zwei gar nicht oder völlig unzureichend auf: Klimaschutz sowie Energieversorgung bleiben bisher ohne verbindliche Festlegungen.

Bei beiden Schlüsselthemen für die Zukunft würden die Kommunen von der Regionalplanung allein gelassen. Klimaschutzziele seien nicht festgelegt, und daran ändere sich auch nichts, wenn sich der Regionalplan mit Grünzügen und Kaltluft-Leitbahnen beschäftige. Konkret für Halver bedeute das: Es seien keine Vorrangflächen für Windenergie und für Freiflächen-Fotovoltaik festgesetzt.

Zeitdruck für Stellungnahme

Insbesondere bei Fotovoltaik entstehe akut Zeitdruck, sagt Brunsmeier im AA-Gespräch. Nur noch bis Juni liegt das Planwerk offen. Bis dahin können Anregungen und Bedenken vorgetragen werden. Das Problem: Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es keine zeichnerische Festsetzung für eine Fotovoltaik-Fläche in Halver, im Plan ausgezeichnet mit einem roten „R“, wie es beispielsweise nahe Hachen zwischen Arnsberg und Sundern erfolgt sei. Für Halver im Gespräch sei – allerdings nicht im Plan – der Südhang am Gewerbegebiet Susannenhöhe, der sich topografisch eigne, rechtlich ohne die Ausweisung durch den Regionalplan aber auf Jahre hinaus kaum noch zu verwirklichen sei.

Das Problem dabei: Ohne ein Plazet der Regionalplaner gilt der Landesentwicklungsplan. In Sachen Solarenergie ist der eindeutig. Die „raumbedeutsame“ Inanspruchnahme von Flächen für Solarenergie sei möglich, wenn es um die Wiedernutzung von gewerblichen, bergbaulichen, verkehrlichen oder wohnungsbaulichen Brachflächen, militärischen Konversionsflächen oder um Standorte entlang von Bundesfernstraßen oder bedeutenden Schienenwegen handele. Das alles passt für die Susannenhöhe aber nicht.

Zumindest in dieser Hinsicht, so Brunsmeiers Einschätzung, müsse sich die Stadt Halver in einer Stellungnahme gegenüber der Bezirksregierung klar positionieren. Ziel sein müsse

- die Festsetzung von 30 Hektar Fotovoltaik in Doppelnutzung (Restflächen in ausgewiesenen Gewerbegebieten oder in Doppelnutzung mit Landwirtschaft)

- die Sicherung von Flächen für fünf Windräder mit einer Jahresleistung von 30 bis 40 Gigawattstunden

- die Festlegung auf einen Zeitraum, bis zu dem die Stadt Halver klimaneutral werden wolle.

Was häufig verkannt werde: Klimaneutralität sei kein Selbstzweck. Zu verzeichnen sei ein vitales Interesse des produzierenden Gewerbes, ihre Produkte klimaneutral herzustellen und entsprechend zu zertifizieren. Wenn das in der „Stadt im Grünen“ nicht möglich sein werde, bestehe die Gefahr der Abwanderung. Der ökologische Strombezug aus anderen Regionen wie aus norwegischer Wasserkraft oder Ähnlichem könne nur ein Zwischenschritt sein.

Wir können uns nicht mehr wegducken

Klaus Brunsmeier

Weshalb diese Entwicklung auf regionaler Ebene nicht verfolgt und in die Planung aufgenommen werde, sei aus seiner Sicht nicht nachvollziehbar. So liege ein Teilplan Energie, der Bestandteil des Regionalplans hätte werden können, in den Schubladen. Ihn im Entwurf zu berücksichtigen, sei vor etwa eineinhalb Jahren im Regionalrat mit denkbar knapper Mehrheit abgelehnt worden.

Angesichts des vorliegenden Entwurfs des Regionalplans sei es „Zeit auch für Halver, ein Signal zu setzen. Wir können uns nicht mehr wegducken“.

Modellrechnung

Für den Weg in die Klimaneutralität macht Klaus Brunsmeier für Halver folgende Rechnung auf: Bei einem Energiebedarf von rund 8000 Kilowattstunden pro Einwohner für Arbeit, Mobilität, Freizeit und privat seien bei 16 000 Einwohnern für Halver jährlich etwa 128 Gigawattsunden (GWh) abzudecken. Beim sich abzeichnenden sinkenden Energiebedarf um rund 50 Prozent verblieben 30 Gigawattstunden jeweils für Fotovoltaik und Windenergie. Erforderlich für diese Strommenge seien 5 bis 6 Windräder, dazu 30 Hektar an Fläche für Fotovoltaik-Anlagen auf Freiflächen und Dächern. Weitere Berechnung: Ein zusätzlicher Bedarf an Strom durch Elektromobilität würde sich wie folgt auswirken: 1000 Elektroautos bei 20 000 Kilometer jährlicher Laufleistung und einem Verbrauch von 20 Kilowattstunden auf 100 Kilometer bedeuteten einen Mehrbedarf von rund 4 Gigawattstunden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare