Frida Kahlo: Ein Leben voller Widersprüche

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HALVER - Ein schwerer Unfall, bei dem sich die Haltestange einer Straßenbahn durch ihren Körper bohrte, überschattete ihr ganzes Leben. Zeitlebens litt Frida Kahlo, berühmteste Künstlerin Mexikos und Lateinamerikas, an den Folgen. Ihre Bilder, auf denen sie niemals lächelte, sind Ausdruck ihrer Qualen.

Einer der schillerndsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts näherte sich Klaus Walther am Donnerstagabend in den Räumen des Kunstvereins Vakt im Rahmen seines Vortrags „Frida Kahlo – Mythos oder Rätsel oder mystisches Rätsel. Versuch der Annäherung an ein inszeniertes Leben“ auf anschauliche, lebendige Weise an.

Mehr Besucher als Sitzplätze

Mehr Besucher als Sitzplätze zur Verfügung standen, drängten sich im restaurierten Schieferhaus.

Sowohl auf Mexiko mit seiner von Gewalt geprägten Geschichte als auch auf die Biographie Frida Kahlos und ihr Werk ging er in seinem fundierten, weit ausholenden Vortrag ein. In zeitlicher Übereinstimmung mit dem mexikanischen Totenfest, das mittlerweile sogar Weltkulturerbe ist, lud der Kunstverein zur Begegnung mit einer faszinierenden Persönlichkeit ein.

Folgenschwerer Unfall im Alter von 18 Jahren

Ausführlich schilderte der Referent das bewegte Leben der am 6. Juli 1907 in Coyoacan, einem Vorort Mexiko-Citys, geborenen Frida Kahlo, die mütterlicherseits aus einer indigenen Kultur stammte. Auf ihre Polio-Erkrankung mit sechs Jahren samt Flucht in eine geheime Welt und Genesung mit enormer Willenskraft, den folgenschweren Unfall mit 18 Jahren, Mitgliedschaft in der kommunistischen Partei, Heirat mit dem 20 Jahre älteren Diego Rivera und viele weitere Details ihres an Widersprüchen reichen Lebens ging er ein.

Selbstbestimmung oberstes Ziel

„Galt Frida Kahlo zu Lebzeiten eher als exotische Blume am Knopfloch des berühmten Diego Rivera, hat sie ihn heute in der Popularität längst überholt.“ In der Kunst sei es Frida Kahlo um eine Wiederbelebung aztekischer Kunst- und Kulturtraditionen mit entsprechender Symbolik als auch um sie selbst durch Stilisierung ihrer eigenen Person gegangen. „Sie wollte über ihr gesamtes Leben, also auch über ihre Kunst, ausschließlich selbst bestimmen.“

Aus europäischer Sicht sei ihre Kunst „eine Art volkstümlicher Surrealismus mit Elementen der sogenannten Neuen Sachlichkeit. Richtiger wäre es aber von Mexikanismus zu sprechen.“

Mexikos Trauma

Mit Worten des Nobelpreisträgers Octavio Paz schilderte Walther zudem die historische und psychologische Situation der Mexikaner. Vom „nicht überwundenen Trauma der Eroberung Mexikos durch Spanien unter Hernan Cortez und dem problematischen Verhältnis zu den USA“ war die Rede.

Im Anschluss hatten die Gäste Gelegenheit, Guacamole, eine Spezialität des Landes, zu kosten. Vor Ort bereitete Salvador Morales Arrizabalaga den Avocado-Dip zu. Mit dem Vortrag möchte Vakt versuchen, einen Kunst- und Kultursalon zu etablieren.

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