Kinder in den Einrichtungen

Kitas und Schulen äußern sich: „Von Anfang an an vorderster Front“

Einblick: In den Fluren der Kitas hängen, wie hier in der Kita Pusteblume in Halver, Desinfektionsmittelspender. Masken und Abstand gibt es nicht.
+
Einblick: In den Fluren der Kitas hängen, wie hier in der Kita Pusteblume, Desinfektionsmittelspender. Masken und Abstand gibt es nicht.

In Kitas und Schulen sind nach wie vor Kinder. Aus unterschiedlichen Gründen. Dafür hagelt es oft Kritik an den Eltern, denn der Appell ist: Lasst die Kinder zu Hause – wenn es geht. Wann es nicht geht, haben wir mit Kita- und Schulleitungen besprochen und gefragt, was sie dazu denken. Der Kita-Zweckverband stellt Forderungen zum Schutz der Erzieher.

Kitas sind nicht geschlossen. Und auch Schulen sind es nicht in Gänze. In allen Einrichtungen in Halver sind Kinder. In Kindertageseinrichtungen wurde die reguläre Betreuungszeit um zehn Stunden verkürzt, es herrscht der sogenannte eingeschränkte Regelbetrieb. Was bleibt, ist ein Appell, die Kinder zu Hause zu lassen. Auch in Schulen gilt grundsätzlich Distanzunterricht. Aber sowohl an den Grund- als auch an den weiterführenden Schulen haben die Eltern die Möglichkeit auf eine Betreuung jüngerer Kinder, wenn Bedarf besteht.

An der Regenbogenschule sind es knapp 40 Kinder, die jeden Tag kommen und auch zum Teil bis 16 Uhr bleiben, wenn sie einen Platz in der Offenen Ganztagsschule (OGS) haben. An der Lindenhofschule sind es 22, an der Humboldtschule 40 Schüler. Am Anne-Frank-Gymnasium werden drei inklusive Kinder betreut und maximal ein weiteres Kind notbetreut. Hintergrund ist an Schulen teilweise fehlende Endgeräte für digitalen Unterricht bei den Schülern zuhause. Und bevor die Schüler nicht am Unterricht teilnehmen, sind sie in der Schule.

Die Schüler tragen Masken. Wie Regenbogenschulleiterin Petra Schreiber sagt, ermahnt sie die Kinder, wenn sie die Masken nicht richtig tragen. „Wenn sie schon den Vorteil haben, zur Schule kommen zu können, dann müssen sie sich auch an die Regeln halten – das ist das Mindeste.“ Und ja, die Schule ist nicht leer: „Dadurch, dass die Landesregierung keine Kriterien genannt hat, wann man in die Betreuung darf, kommen sehr, sehr viele.“ Immer rund 40. „Wenn Mütter hier anrufen und sagen, sie haben drei Kinder zuhause im Homeschooling und können nicht mehr – sollen wir dann nein sagen? Das geht nicht.“ Aber es gibt immer zwei Seiten: „Auf der anderen Seite finde ich, setzen wir alle Eltern und alle anderen Personen, die hier arbeiten, anderen Gefahren aus als sie sich selbst. Das ist irgendwie auch ein bisschen schizophren.“ In Kitas gibt es einen kleinen und doch großen Unterschied zu Schulen: keine Maskenpflicht. Zudem enger Körperkontakt. In keiner Berufsgruppe gibt es mehr Covid-Fälle als in der Kinderbetreuung. (»Infokasten).

Die Studie

In keiner Berufsgruppe gibt es mehr Covid-Fälle als in der Kinderbetreuung. Das sagt eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK, für die die Arbeitsunfähigkeitsmeldungen der Mitglieder ausgewertet wurden. Mit 2672 entsprechenden Krankschreibungen pro 100 000 Beschäftigten lagen Berufe in der Kinderbetreuung und -erziehung zwischen März und Oktober 2020 um mehr als das Doppelte über dem bundesweiten Durchschnitt – noch vor den Gesundheits- und Pflegefachkräften.

Der Kita-Zweckverband (Zweckverband Katholische Tageseinrichtungen für Kinder im Bistum Essen) fordert daher: Alle beteiligten Akteure müssen schnellstmöglich weitere Strategien umsetzen, um die pädagogischen Fachkräfte vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen. Gefordert wird eine „Korrektur der Impfstrategie“, Kita-Fachkräfte sollen schnellstmöglich geimpft werden und Schnelltest häufiger erfolgen.

Die Reduzierung um zehn Sunden kommt der Kita zugute, sagt die Leiterin der Kita Juno. Wäre das nicht so geregelt, sagt Petra Gelhart, könnte mindestens eine Gruppe personell nicht besetzt werden. Nicht alle Mitarbeiter haben eine Vollzeit-Stelle. Hinzu kommt, dass auch Erzieherinnern oft Mütter sind und ausfallen, weil sie ihre eigenen Kinder betreuen müssen.

In der Kita Juno kommen Kinder aus unterschiedlichen Gründen

In der Kita Juno werden 60 Kinder betreut. Rund ein Drittel aller Kinder der Einrichtung ist anwesend, wie die Leiterin sagt. Dass Kitapersonal früher geimpft und besser geschützt werden sollte, findet sie auch. Keine Frage, sagt sie. „Wir sind von Anfang an an vorderster Front“, sagt Petra Gelhart. „Uns hat nie jemand gefragt. Von uns wird erwartet.“ Schutz sei das Mindeste. „Eine rasche Impfung ist notwendig, da der Schutz der Erzieherinnen und Erzieher zu einer wesentlichen Stabilisierung des Gesamtsystems und zur Unterstützung und Entlastung von Familien beiträgt“, heißt es auch in der Stellungnahme des Zweckverbands. Wenn Eltern Unterstützung brauchen, sind Kitas auch dafür geöffnet, sagt die Leiterin. Ausnutzen tue das niemand. „Unsere Eltern sind sehr sorgsam.“ Sie nehmen den Appell ernst, nutzen ihre Möglichkeiten. Aber nicht jeder hat viele Möglichkeiten, weiß Gelhart.

Es gibt die Eltern, die es gut lösen können, ihre Kinder zu Hause zu betreuen. Es gibt die Eltern, die auch im ersten Lockdown durch die Kategorie systemrelevant Anspruch auf einen Platz hatten und den nehmen sie auch jetzt in Anspruch, sagt Gelhart. „Die Personen werden ja auch an anderer Stelle dringend benötigt.“ Und es gibt auch Kinder in den Einrichtungen von Eltern, deren Nerven blank liegen. Wenn eine Mutter zwei Kinder im Homeschooling hat, selbst Homeoffice machen muss und noch ein Kind im Kindergartenalter betreuen muss, dann ist das einfach zu viel, erklärt Gelhart. Und es gibt auch Kinder, die kommen, obwohl die Eltern zuhause sind. Aber manchmal ist es für die Kinder besser, wenn sie eine Kita besuchen. Eltern nutzen aber nicht die Kitas aus, betont Gelhart. „Alle nutzen ihre Möglichkeiten, keiner lehnt sich zu Hause entspannt zurück.“

„Wer hat ein Recht, das zu beurteilen? Niemand“

Petra Gelhart meint: „Wir leben in einer Zeit, in der Eltern arbeiten gehen dürfen. Und oft sind arbeitende Eltern, glückliche Eltern. Und dann sind es glückliche Eltern für ihre Kinder.“ Jetzt aber haben wir keine normale Situation mehr, sagt Gelhart. „Und es gibt nicht nur starke Menschen.“ Nicht jeder komme gut mit der Situation zurecht und schaffe alles, was eine Gesellschaft oder ein Arbeitgeber von ihm erwartet. In sozialen Netzwerken werden Eltern häufig verurteilt, dass sie ihre Kinder nicht selbst betreuen. „Wer hat ein Recht, das zu beurteilen? Niemand“, sagt Petra Gelhart dazu.

Es rufen auch Eltern in der Kita an, die klar sagen, ihr Kind vereinsamt, sagt Gelhart. „Nicht alle haben Geschwister“, merkt Gelhart an. Wenn Eltern und auch Kinder mit der Situation nicht gut klarkommen, aus welchen Gründen auch immer, „dann muss das Kind auch mal zu uns kommen“. Denn Großeltern sind für die Betreuung weggebrochen.

Alle nutzen ihre Möglichkeiten, keiner lehnt sich zu Hause entspannt zurück.

Petra Gelhart Leiterin Kita Juno

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare