Kirmes-Aufbau im vollen Gange

Lutz Köhrmann baut das Fahrgeschäft „Aritistico“ in Halver auf. - Fotos: Berndt

Halver - Einen Tag anreisen, einen Tag aufbauen, das klappt immer, ist sich Lutz Köhrmann sicher. Er ist Eigentümer und Betreiber der „größten mobilen Schwing-Schaukel der Welt“, wie er selbst sagt, dem „Artistico“. Zum ersten Mal baut er sein Fahrgeschäft in Halver auf.

Von Sebastian Berndt

„Der Aufbau läuft zum großen Teil automatisiert“, erklärt Köhrmann und dirigiert mit einer Fernbedienung für seinen Kran eine große Stahlbox zwischen zwei Lkw. Nur durch diese Automatisierung sei es möglich, das 150 Tonnen Fahrgeschäft mit gerade einmal drei Männern aufzubauen. Der Abbau klappe in der Regel noch schneller. Viereinhalb Stunden plant er ein, bis das „Artistico“ wieder abfahrbereit auf insgesamt drei Transportern verstaut ist. 30 Meter wird sich die Schwing-Schaukel in den Himmel recken, wenn sie komplett aufgebaut ist. Wenn der bewegliche Teil der Schaukel, von Köhrmann „Bob“ genannt, seinen höchsten Punkt erreicht – die Fahrgäste sitzen dann kopfüber – misst sie eine Höhe von 46 Metern.

Für den Betrieb des Fahrgeschäftes zählt der Schausteller ebenfalls auf seine zwei Mitarbeiter. Sie sammeln die Fahr-Chips ein, klappen die Sicherheitsbügel herunter und achten auf die richtige Gewichtsverteilung. Die Kasse übernimmt Köhrmann zusammen mit seiner Frau. Auch sein 13-jähriger Sohn wird über das Wochenende die Halveraner Kirmes besuchen. Die Familie schläft dann in einem 16 Meter langen Wohnwagen, wie immer wenn es zu den großen Kirmessen im gesamten Bundesgebiet geht. Der Sohn komme aber nur über die Wochenenden nach, die Woche verbringe er bei seiner Großmutter im Wohnort der Familie in Nienburg bei Hannover.

Das „Artistico“ sei auf dem neuesten Stand der Technik, erklärt Köhrmann. Gerade zwei Jahre sei es alt, 1,8 Millionen Euro habe er damals für die Spezialanfertigung bezahlt. Sein altes Fahrgeschäft, „Poseidons Rache“, habe er in Zahlung gegeben. „Es gibt zwar auch einen Gebrauchtmarkt für Fahrgeschäfte, aber wir haben uns für die Zahlungs-Lösung entschieden“, so Köhrmann.

Neben Dieselkosten für die Fahrzeuge, Personalkosten und Standgebühren steht ein weiterer großer Posten auf der Abrechnung des Schaustellers: elektrischer Strom. „So im Durchschnitt verbraucht die Anlage 400 Kilowattstunden pro Tag“, rechnet Köhrmann vor. Das komme vor allem auf die Auslastung an. Umgerechet seien das bei durchschnittlichen Stromkosten 100 Euro pro Tag.

Die Kirmes-Saison für das „Artistico“ ist bereits durchgeplant. Bis zum zweiten Advent ist das Fahrgeschäft unterwegs. Aus Halver geht es zunächst weiter nach Hannover zum „größten Schützenfest der Welt“, so Köhrmann.

Nur wenige Schritte vom „Artistico“ entfernt baut das Team von Thilo Janßen die Achterbahn „Crazy Mouse“ auf. „Das Besondere ist, dass sich die einzelnen Gondeln während der Fahrt noch um die eigene Achse drehen“, erklärt Thilo Janßen. Gerade 25 Jahre alt, ist er dennoch ein erfahrener Schausteller. Seit frühster Kindheit war er im elterlichen Betrieb auf Jahrmärkten in ganz Deutschland unterwegs. Heute besitzt er mit der „Crazy Mouse“ seine eigene Achterbahn und setzt die Familientradition der Schaustellerei bereits in der siebten Generation fort.

Schienenlänge von 420 Metern

420 Meter Schienen werden in mehreren Ebenen verlegt, ehe die ersten Besucher mit ihren Gondeln durch die Kurven sausen können. Zwei Tage dauern die Arbeiten üblicherweise, sagt Janßen. 65 Tonnen Schienenstränge, Stützpfeiler und Gondeln verschrauben die Mitarbeiter in dieser Zeit zu einer funktionierenden Bahn. Fünf Lkws braucht es, das Material zu transportieren. Dazu kommen nochmal zwei Fahrzeuge, die den Wohnwagen und den Personalwagen ziehen.

Bereits der Aufbau der Attraktionen lockt Gäste nach Halver. Frank Reß und sein Sohn Fabian Giehl sind eingefleischte Kirmesfans und reisen aus Essen zu den großen Festen der Region an, um ihre Erlebnisse in Videoberichten und kleinen Reportagen festzuhalten.

„Das ist mein Traumjob, eines Tages mit Reportagen mein Geld zu verdienen“, sagt der 15-jährige Fabian. Bis das gelingt, bleiben die Kirmesbesuche für die Beiden ein gemeinsames Hobby.

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