Witzige Pointen, köstliche Mimik

Kabarettistin Ulrike Böhmer begeistert in Halver

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Erna Schabiewsky alias Ulrike Böhmer wusste die Besucher des voll besetzten Saals des Pfarrer-Neunzig-Hauses mit ihrem Nachgang zum Lutherjahr vollends zu begeistern.

Halver - „Volles Haus, ausverkauft!“ Mit und über „Erna Schabiewsky“ alias Ulrike Böhmer konnten Katholiken und Protestanten am Samstagnachmittag beim Kirchenkabarett im Pfarrer-Neunzig-Haus gleichermaßen herzlich lachen. In waschechter Ruhrpott-Manier, hoch amüsant sämtliche Klischees bedienend, machte sich die resolute Hutträgerin aus Dortmund-Eving auf Einladung der KFD über Luther, die Reformation und die „Ökenemene“ Gedanken.

Im Nachgang des Luther-Jahres verschaffte sie sich bei Kabarett und Kaffee zum Jahresauftakt mit witzigen Pointen, köstlicher Mimik und lebhafter Gebärdensprache allseits Gehör. Entzückt, dass sie auch Männer im großen Rund der lachenden Zuschauerinnen entdeckte, breitete Erna in Abänderung des berühmten Lutherspruchs „Hier stehe ich! Ich kann auch anders!“ ihr Luther-Wissen aus und erklärte Thesenanschlag, Ablässe, Bibelübersetzung und Rechtfertigungslehre aus ihrer ganz eigenen, witzig verschrobenen Sicht.

Ulrike Böhmer weiß insbesondere durch ihre Mimik und Gestik zu überzeugen.

Ihre Hausaufgaben, was Luther angeht, hatte sie gemacht. Herrlich umständlich, über Umwege, Abschweifungen, Anekdoten und Anekdötchen kam die gebürtige Iserlohnerin, die seit fast 30 Jahren durchs Land reist und Menschen aller Konfessionen zum Lachen und Nachdenken bringt, zum Kern der Sache. Durch und durch katholisch dank voller Dröhnung Weihrauch in der Kindheit („Ja, man sieht es mir auch ein bisschen an“), brauchte sie Schützenhilfe, um über Luther und die Reformation aufzuklären.

„Ich habe von diesem Luther überhaupt keine Ahnung“, gab sie unumwunden zu. Hilfe musste her – doch woher? „An meiner Familie ist die Bildung irgendwie vorbeigegangen“, meinte sie händeringend. Ehemann Herbert? Nicht zu gebrauchen! Nicht einmal für’s fächrige Gürkchenschneiden auf dem obligatorischen Schinkenbrot. Eher schon Obermessdiener Ulf, den die liebenswerte Schnabbeltante im roten Kostüm kurzerhand mit Rechercheaufgaben „betraute“, nachdem sie dessen „Playboy“ ausgerechnet im Zeitungsstapel des werten Herrn Pfarrers entdeckt hatte. Ein Schelm, wer Böses dabei dachte.

Voll besetzt war der Saal des Pfarrer-Neunzig-Hauses am vergangenen Samstag – und die Besucher hatten viel Spaß beim Kirchenkabarett.

Am Ende war Ulf, der sich zur Unzeit – 15 Minuten vorm Abendbrot – bei Erna einfand, Luther-Experte und wollte zum Entsetzen seiner katholischen Auftraggeberin evangelischer Pfarrer werden. Über den (umstrittenen) Thesenanschlag an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg, den Ablasshandel der Kirche und die Angst der mittelalterlichen Menschen vor dem Fegefeuer setzte der oberste und einzige Messdiener der Evinger Kirche Erna in Kenntnis.

Manch köstlich herausgespielten Einwand, was Luthers Aufenthalt auf der Wartburg, seine Bibelübersetzung und die Rechtfertigungslehre („Jede gute Ehefrau kennt die Rechtfertigungslehre“) anging, legte die preisgekrönte Kirchenkabarettistin ihrer Kunstfigur und deren Herbert in den Mund. Von Luther, der dem Kaiser trotzte, war der Weg zu Papst Franziskus, der „auch keine Angst vor Trump hat“, nicht weit. Aus der Vergangenheit kehrte Erna im zweiten Teil des Programms in die Gegenwart zurück und hielt in Sachen „Ökenemene“ ein flammendes Plädoyer.

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