Kirchenfenster in der Nicolai-Kirche: Schlichte Glaskunst

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Das Tauffenster ist ein klassisches Motiv, sagt Jörg Grigull. „Es ist eine Grundaussage der Bibel.“ Die künstlerische Umsetzung sei aber in jeder Kirche eine andere. In der Nicolai-Kirche wurde das Motiv schlicht gestaltet und bedient sich der üblichen Elemente.

Halver - Bunte, kunstvoll gestaltete Kirchenfenster prägen das Bild vieler Gotteshäuser. Sie erzählen die Geschichten der Bibel oder geben Thematiken der Kirche wieder. Auch die Glasfenster in der Nicolai-Kirche sind farbig gestaltet – wenn auch sehr zurückhaltend und schlicht.

Von Friederike Domke

Ein turbulentes Jahr liegt hinter den Mitgliedern der Evangelischen Kirchengemeinde Halver. Noch vor zwölf Monaten war die Zukunft der Nicolai-Kirche ungewiss. Aufgrund des maroden Daches musste das Gotteshaus gesperrt und der Weihnachtsgottesdienst in die Aula des Anne-Frank-Gymnasiums verlegt werden. Heute, ein Jahr später, erstrahlt die Kirche in neuem Glanz, die Restaurierung ist abgeschlossen. Vor ihrer Wiedereröffnung Anfang Dezember (wir berichteten) wurde das Gotteshaus auf Vordermann gebracht, der Staub der Bauarbeiten beseitigt. Auch die Kirchenfenster wurden vorsichtig restauriert. Wer heute in der Nicolai-Kirche den Gottesdienst besucht, sollte durchaus einen Blick auf die blau-grau-violetten Glasfragmente werfen.

Jörg Grigull, Presbyter und Bauausschussvorsitzender, stellte dem Allgemeinen Anzeiger die rund neun Meter hohen Kirchenfenster einmal genauer vor. Denn: Für viele gehören bunte Fenster zwar zum Erscheinungsbild der Kirchen dazu – was sie zeigen, ist hingegen nicht immer bekannt.

Nach dem Krieg war alles zerstört

Die Kirchenfenster der Nicolai-Kirche üben sich in Schlichtheit. Zehn neun Meter hohe Fenster mit Rundbogen sorgen im Kirchenschiff für Licht und Helligkeit. Auf der Kanzelseite wurden darüber jeweils zwei runde, bullaugen-ähnliche Fenster eingebaut. „Auf der anderen Seite hat es die auch gegeben. Allerdings sind sie heute zugemauert“, erklärt Grigull. Alle Fenster wurden in den 1950er Jahren eingesetzt. Der Krieg hatte das Gotteshaus nicht verschont und die Fenster nahezu komplett zerstört. Dokumentiert wurde damals wenig. Der Wiederaufbau stand im Vordergrund. Grigull: „Damals musste man unkonventionelle Wege gehen und zügig entscheiden.“ Es müsse schwer gewesen sein, an das Material zu kommen, mutmaßt er. „Die gefärbten Fenster gibt es mittlerweile gar nicht mehr.“ Wenn man heute Ersatzmaterial benötigt, müsse man sich an historischem Bestand bedienen. Es gibt sogenannte historische Baustoffhändler, „da muss man dann aber auch Geld in die Hand nehmen.“ Einen Wert der Fenster kann Grigull nicht beziffern.

Zur Zeit des Baus der Nicolai-Kirche (1776) war Glas purer Luxus und drückte nicht zuletzt auch Wohlstand und die Bedeutung der Kirchen aus. Darüber hinaus konnten anhand der bunten Kirchenfenster Menschen, die nicht lesen konnten, die Geschichten der Bibel erzählt werden.

Vier der neun Fenster in der Nicolai-Kirche sind mit Ornamenten versehen, angefangen beim Tauffenster links neben der Kanzel. Auf deren anderer Seite ragt das Abendmahl-Fenster in die Höhe. Gegenüber, auf der Seite des Haupteingangs, sind die Fenster jeweils nur mit einem kleinen Ornament versehen. Darauf die Lutherrose und ein Bildnis Jesu. Grigull: „Für meinen Geschmack passt das hier alles ziemlich gut zusammen.“

An Heiligabend werden in der Nicolai-Kirche mehrere hundert Gäste erwartet. „Der Besuch des Gottesdienstes gehört für viele an Weihnachten dazu“, sagt der Presbyter. Und das vergangene Jahr habe gezeigt, dass die Verbindung und die Identifikation mit der Nicolai-Kirche doch recht stark sei, unabhängig davon, wie oft man die Kirche tatsächlich besucht. „Die einen haben hier geheiratet, die anderen wurden hier getauft. Und an Weihnachten kommen alle zusammen.“

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