Kirchenbesucher erleben Mozarts „andere Seite“

Alle Blicke sind auf Ulrich Isfort gerichtet: Der Dirigent begeisterte am Sonntag mit Sängern und Musikern in der katholischen Kirche. ▪ Schulte

HALVER ▪ Alle Blicke sind am Sonntagnachmittag auf Ulrich Isfort gerichtet. Nicht nur die 40 Sänger der „Schola Cantorum“, sondern auch die Musiker des Projektorchesters und die Solisten der Wuppertaler Bühnen warten auf die Bewegung seines Taktstocks.

Er hebt die Arme, und in der katholischen Pfarrkirche „Christus König“ ertönen die ersten Klänge des bekannten Requiems in d-moll von Wolfgang Amadeus Mozart. Die Strahlen der Nachmittagssonne fallen durch die bunten Kirchenfenster und werfen warme Lichtpunkte auf die weißen Wände und das Bildnis des gekreuzigten Jesu.

Ein passendes Umfeld für die so genannte Totenmesse des berühmten Musikers, das der Halveraner Kantor mit seinem Schwelmer Chor, Solisten und Instrumentalisten unter der Leitung von Ann-Christin Dorfmüller aufführte. Denn die sonst oft heiter klingende Musik Mozarts stellt hier ein ständiges Wechselspiel zwischen Trauer und Hoffnung dar. Trauer um die Verstorbenen – und Hoffnung auf ihre Erlösung. Diese Musik bewegte das Publikum genauso wie die Musiker und den Dirigenten. So trieb Isfort sie zum Beispiel beim „Dies Irae“, dem Tag der Rache, mit wilden Stichen seines Taktstocks zu schnellen, lauten Tönen und Paukenschlägen an. Dann kehrte mit einem mal wieder Ruhe ein, als im Anschluss beim „Tuba mirum“ die Melodie der Posaune erklang.

Eine hoffnungsvolle Stimmung vermittelte auch das gemeinsame „Recordare“ der vier ausgezeichneten Gesangssolisten Ja Young Park (Sopran), Katharina Greiß (Alt), Marco Agostini (Tenor) und Jochen Bauer (Bass). Doch erst im abschließenden „Lux aeterna“, dem ewigen Licht, löste sich die Spannung des Requiems in den Schlussakkorden auf.

Die anspruchsvollen Gesangspartien bewältigten die Sängerinnen und Sänger des Laienchors aus Schwelm mühelos. Der klare und doch ausdrucksvolle Klang ihrer Stimmen erreichte auch das Publikum in den hintersten Reihen. Stehende Ovationen und nicht enden wollender Applaus in der gut besetzten Kirche ließen an der überzeugenden Leistung des Chores, der Solisten und des Orchesters keine Zweifel aufkommen.

Die „Schola Cantorum“ der Propstei St. Marien in Schwelm leitet Ulrich Isfort bereits seit 1993. Heute hat der hochklassige Laienchor ein breites Repertoire, das sich von klassischer Musikliteratur über Romantik und Moderne bis hin zu neuer geistlicher Musik erstreckt. „Es kann sein, dass wir morgen in der Probe Gospels singen“, verrät Isfort, der neben seiner Tätigkeit in Halver als Kantor in Schwelm arbeitet.

Mit dem Werk Mozarts kennt sich der Kirchenmusiker im Übrigen besonders gut aus. Denn nach seinem Studium in Regensburg schloss Ulrich Isfort 1992 am „Mozarteum” in Salzburg sein Examen mit Auszeichnung ab. ▪ Marit Schulte

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