„Kirchen-TV“ beschäftigt Beauftragte

In der Nicolai-Kirche sollen seit langem Veranstaltungen in Bild und Ton aufgezeichnet worden sein – ohne das Wissen der Besucher.

HALVER ▪ Die Evangelische Kirchengemeinde Halver kommt nicht zur Ruhe. Jetzt ist es der Datenschutz, der am Kirchplatz für Ärger sorgt. Wie unsere Zeitung erfuhr, sollen Veranstaltungen in der Nicolai-Kirche seit langem ohne das Wissen der Kirchenbesucher in Bild und Ton aufgezeichnet worden sein.

Ein Fall, der mittlerweile auch das Büro der Datenschutzbeauftragten der Evangelischen Kirche von Westfalen in Düsseldorf, Petra von Böhlen, beschäftigt.

Auf Anfrage des AA bestätigte Pfarrer Christoph Dickel, dass zwei im Kircheninnenraum installierte Kameras seit längerer Zeit tatsächlich mit einem Rekorder verbunden sind, um Veranstaltungen jeder Art aufzeichnen zu können. Dies sei in vielen Gemeinden, in denen er bislang tätig war, seit Jahren üblich, so Dickel. „Etwa, um solche Menschen einzubeziehen, die den Gottesdienst nicht besuchen können oder die die Predigten nochmals nachhören wollen.“ Auch Konfirmanden oder frischgebackenen Eheleuten wolle man es durch die Aufzeichnungen ermöglichen, ihren „großen Tag“ nochmals auf dem Bildschirm erleben zu können.

Allerdings scheint von der Möglichkeit der Aufzeichnung nicht nur nach vorheriger Anfrage Gebrauch gemacht worden zu sein. Es sei „durchaus möglich, dass die Techniker die Aufnahmen in letzter Zeit immer haben mitlaufen lassen, um diesen Service auch im Nachhinein anbieten zu können“.

Ursprünglich seien die Kameras installiert worden, um die Geschehnisse am Altar auch Gottesdienstbesuchern im Oberrang per Leinwand darstellen zu können, so Christoph Dickel. Seit „vielleicht eineinhalb, zwei Jahren“ nutze man nun außerdem die Möglichkeit, Veranstaltungen mit Hilfe der Kameras aufzuzeichnen. „Wenn sich nun herausstellt, dass wir gesetzlich irgendetwas nicht berücksichtigt hatten, werden wir das natürlich prüfen, Dinge in die Wege leiten und Maßnahmen ergreifen.“ Denkbar sei etwa ein Aushang, um Kirchenbesucher über die Aufzeichnung zu informieren.

Solch eine Konsequenz erhofft sich auch das Büro der landeskirchlichen Datenschutzbeauftragten. Dort ist der Halveraner Fall seit vorvergangener Woche bekannt. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, sei gegen datenschutzrechtliche Bestimmungen verstoßen worden, hieß es aus Düsseldorf, wo auch gestern noch auf eine Stellungnahme der Gemeindeleitung gewartet wurde. Eine Reaktion von Superintendent Klaus Majoress liege indes bereits vor: Dieser habe sich für das Vorgehen in Halver entschuldigt und zugesagt, dass sämtliche physikalischen Daten, sprich die Aufzeichnungen der Festplatte, gelöscht werden.

Wie Werner Grutz vom Büro der Datenschutzbeauftragten der Landeskirche erklärte, behalte man sich eine weitere unangemeldete Prüfung vor Ort vor. „So ein Fall wie in Halver bildet zum Glück die Ausnahme.“ ▪ Frank Zacharias

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