Kinder und Jugendarbeit in Halver sucht neue Wege

Jugend in der Corona-Falle

Ausschuss für Bildung und Jugend
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Anna Gütschow und Arndt Spielmann stellten vor dem Bildungsausschuss die Auswirkungen der Pandemie auf die Kinder- und Jugendarbeit dar.

Was bedeuten die Corona-Beschränkungen für Kinder und für Jugendliche? Und was passiert mit den offenen Angeboten, die sie bis vor einem Jahr hatten? „Offen geht gerade nicht“, sagt dazu Anna Gütschow, die den Kindertreff in der Kindervilla leitet. Und sie hat dabei dasselbe Problem wie Arndt Spielmann vom Jugendcafé Aquarium.


Halver - Beide müssen die jungen Menschen erreichen, die einen Bedarf nach Kontakten haben wie nie zuvor. Doch die bewährten Instrumente greifen nicht mehr. Ins Jugendcafé in der Helle darf keiner rein, ebenso wenig in die Kindervilla.

Im Ausschuss für Jugend und Bildung zogen sich die Aussagen der beiden zum Sachstand im Grunde wie ein roter Faden durch die gesamte Sitzung. Denn auch die Schulleiter wissen seit Langem, dass ihnen im andauernden Distanzunterricht die Kinder verloren gehen.

„Wenn Corona vorbei ist, wollen wir sofort wieder da sein“, steht auf einer der Folien, die Anna Gütschow an die Wand wirft. Und wann das ist? „Bald“, hat sie einem der Kinder erklärt. „,Bald’ hast du schon vor Weihnachten gesagt“, war die Antwort. Mehr als vier Monate Kinderangebote im Notbetrieb; das habe Konsequenzen für die Kindervilla, erklärt die Leiterin. Die Mitmach- und Basteltüten, die sie bereitstellt, sind Teil des Versuchs, die junge Klientel bei der Stange zu halten. Sage und schreibe 20 Videos hat sie dazu auf YouTube eingestellt und versucht, die Stimmung ein bisschen aufzuhellen, wenn den Kindern die Decke auf den Kopf fällt und sie kaum noch Freunde sehen.

Arndt Spielmann sieht die bisherige Arbeit inzwischen ein bisschen auf den Kopf gestellt. Wenn die Jugendlichen nicht mehr in die Helle kommen, muss er sie dort besuchen, wo sie gerade unterwegs sind. Der aufsuchende Teil seiner Arbeit hat im Laufe des Corona-Jahres einen deutlich höheren Stellenwert gewonnen. Und das gilt auch für das digitale Angebot. Discord, Instagram und andere Plattformen, von denen die Erwachsenen im Fachausschuss zum Teil noch nie etwas gehört haben, spielen eine zunehmende Rolle.

„Wir Jugendliche werden nur noch als Schüler gesehen. Wir sollen lernen und lernen und lernen.“

Zitat JuCo-Studie

Arndt Spielmann geht davon aus, dass es auch nach Corona dabei bleiben wird. „Jugend(arbeit) in der Krise“ steht auf einer der Folien, die er am Mittwoch zeigte. Und er zitiert einen Satz auf der Juco-Studie, in der ein Jugendlicher zu Wort kommt: „Wir Jugendliche werden nur noch als Schüler gesehen. Wir sollen lernen und lernen und lernen.“

Um das Debakel, wenn junge Menschen nicht mehr miteinander umgehen können, die konstanten erwachsenen Bezugspersonen möglicherweise die eigenen Eltern sind, wissen auch die Schulleiter, die versuchen müssen, den Kontakt zu halten. Doch während an den Grundschulen im Home-Schooling die Kameras eingeschaltet bleiben, sind sie bei den älteren Jahrgängen meist aus. „Dann sprechen wir ins Nichts“, weiß Reiner Klausing von der Humboldtschule.

So gut, wie sich an den meisten Schulen der Unterricht über Laptop und Co. etabliert hat – von einer explosionsartigen Erweiterung der Kompetenzen“ spricht Klausing – wird deutlich: Der Präsenzunterricht ist nicht zu ersetzen, weil Schule mehr als Lernen ist.

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