Herausforderung für Kitas

Kita-Öffnung ist ein „Unding“ - keine Normalität in Sicht

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Ab dem 8. Juni können wieder alle Kinder in die Kitas.

Halver/Oberbrügge - Die Kitas öffnen am 8. Juni wieder für alle Kinder. Diese Nachricht von vergangenen Mittwoch war eine große Überraschung – für Eltern, aber auch für die Träger der Einrichtungen. Wie soll es jetzt weitergehen? Die Telefone in den Einrichtungen laufen heiß.

Ein klares Konzept für die Öffnung der Kindertagespflege setzt NRW um, sagte Familienminister Joachim Stamp in der Pressekonferenz am Mittwoch zur Öffnung von Kitas für alle Kinder. Doch die Leiter der Einrichtungen in Halver sehen weder ein Konzept noch sonstige Informationen zur Umsetzung. 

„Wir sind völlig überrascht worden“, sagt Kristian Hamm, der als Geschäftsführer von Sentiris Träger der Kita Wunderland in Oberbrügge ist. Eigentlich sei der Ablauf ein anderer gewesen und mit dem habe man geplant, sagt Hamm. Er ging von vier Phasen einer stufenweisen Öffnung bis September aus. 

Mit der Öffnung für alle Kinder bereits in zwei Wochen, am Montag, 8. Juni, hatte keiner gerechnet. „Ich finde das ein Unding“, sagt Kristian Hamm. Denn er wurde bis heute (Stand Dienstagnachmittag) nicht informiert. Weder eine Fachempfehlung, noch ein Erlass liegen vor. Auch in der DRK-Kita Juno wartet man auf weitere Anweisungen zur Umsetzung, sagt Leiterin Petra Gelhart. Sie ist im ständigen Kontakt mit dem Träger und dem Kreisjugendamt, doch ohne weitere Erkenntnisse. „Wie soll das praktisch umgesetzt werden?“, fragt sie sich. 

Eltern rufen an und fragen

Eltern rufen bei ihr an und fragen nach, aber sie kann ihnen keine Antwort geben. „Ich weiß gar nichts – es ist eine Katastrophe.“ Umso mehr regen sich die beiden Träger darüber auf, dass Joachim Stamp sagte, er habe es gemeinsam mit den Trägern entschieden. „Mit mir hat keiner gesprochen“, sagt Kristian Hamm und vermutet, dass es – wenn überhaupt – die großen Träger gewesen sein könnten, mit denen das Gespräch gesucht wurde. 

Geöffnet werden alle Kitas mit einem eingeschränkten Regelbetrieb. Eingeschränkt insofern, als dass die gebuchten Betreuungszeiten um jeweils zehn Stunden reduziert werden. Der Minister appelliert in diesem Zuge an die Solidarität aller Eltern. Unangemessen finden das Hamm und Gelhart. 

Eltern haben ihren Jahresurlaub aufgebraucht

Zu Anfang der Pandemie hätten einige Eltern ihren gesamten Jahresurlaub aufgebraucht, um die Kinder zuhause zu betreuen. Wenn einer solidarisch war, dann waren es seit Beginn die Eltern, sagt Hamm. Die neue Lösung sei für niemanden hilfreich. „Was machen die Eltern die in Vollzeit arbeiten?“, gibt Petra Gelhart zu bedenken. Sie sieht den Sinn in der Auflage nicht. Laut Joachim Stamp geht es dem Ministerium darum, frühkindliche Bildung zu ermöglichen. Er sagte, Kinder dürfen nicht einen Tag länger als nötig von der Betreuung ferngehalten werden, gab aber auch zu, dass die Kita-Öffnung sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht ein eingeschränktes Angebot sein wird. 

Bei Kristian Hamm stößt das auf Unverständnis: „Wir haben einen Bildungsauftrag. Und wir Pädagoginnen und Pädagogen haben einen pädagogischen Ethos. Qualitative Einschränkungen haben da keinen Platz.“ Für ihn machen diese Maßnahmen eine Kita zu einer Verwahreinrichtung, die Eltern entlasten soll. „Eine Kita ist mehr als das.“ 

Keine Zeit für pädagogische Arbeit

Doch momentan scheint eine Kita eher damit zu kämpfen, die Hygienestandards einzuhalten als Zeit für pädagogische Ansätze zu haben. Die Gruppen sind ab dem 8. Juni wieder voll, werden aber bei Bedarf neu sortiert, sodass beispielsweise Geschwister zusammen in einer Gruppe sind. Die Kita darf auch wieder von den Eltern betreten werden. 

Detailfragen wie beispielsweise eine Maskenpflicht sind noch nicht geklärt. Bis zum 31. August gilt diese Regelung. Wie genau sie umgesetzt wird, werden die Leitungen der Einrichtungen in Halver den Eltern mitteilen. Erste Eltern haben bereits gesagt, dass sie trotz der Öffnung ihre Kinder nicht in die Kita bringen werden.

Mitte August wird neu verhandelt

Mehrere medizinische Fachgesellschaften, darunter die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, hatten ein Ende des Notbetriebs in Kindergärten und Schulen und eine umgehende unbeschränkte Wiederöffnung gefordert. Weder der Schutz von Lehrern, Erziehern, Betreuern und Eltern, noch die allgemeinen Hygieneregeln stünden dem entgegen. Dem wird mit dem neuen Erlass entsprochen. Die Regelungen gelten bis zum 31. August. Mitte August wird neu verhandelt. 

Einzelne Schließungstage soll es in den Einrichtungen nicht mehr geben. Die Kita Wunderland in Oberbrügge geht einen Schritt weiter und will die vorgesehene zweiwöchige Schließung zwischen den Kindergartenjahren weiterhin eine Betreuung anbieten. Gedacht war diese Regelung eigentlich für die Eltern, die zu Beginn der Pandemie ihren Jahresurlaub aufgebraucht haben und im Sommer keine freien Tage mehr nehmen können.

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