In der Krabbelgruppe lernt Lasse Leben mit anderen

Für Marion Wehner ist ihr Sohn Lasse ein wahrer „Sonnenschein“. Immer fröhlich und sehr sensibel.

HALVER - Lasse ist ein fröhliches, hübsches Kind, das gerne lacht. Im April wird er zwei Jahre alt. Einmal in der Woche geht seine Mutter mit ihm in die Krabbelgruppe. Zusammen mit Liam, Finian, Luka, Hannah, Ida und deren Müttern darf er spielen, singen oder bei schönem Wetter einen Spaziergang machen. Die anderen Kinder, etwa im gleichen Alter, merken nicht, dass Lasse anders ist als sie. Noch nicht.

Der Sohn von Marion Wehner hat das Down-Syndrom. Eine genetische Besonderheit mit der Bezeichnung Trisomie 21, weil das Chromosom 21 statt zweimal dreimal vorhanden ist. Marion Wehner und ihr Ehemann waren darauf nicht vorbereitet, als ihr erstes Kind geboren wurde. „Wir haben es vorher nicht gewusst, er wurde uns so in die Hände gelegt“, sagt die Mutter. Das musste zunächst verarbeitet werden, verlangte eine völlige Neu-Orientierung. Dass aber Lasse, so wie er ist, im Leben des Paares willkommen war und ist, wird im Umgang von Mutter und Kind deutlich spürbar.

Bei der Hebamme Andrea Matschassek hatte Marion Wehner entbunden, während und nach der Schwangerschaft dort in der Praxis andere junge Frauen und Mütter kennengelernt. So lag es für sie nahe, eine kleine Krabbelgruppe zu gründen, um den neuen Erdenbürgern den Weg in die Sozialisation zu ebnen. In den Praxisräumen „Am Hang“ 8 treffen sich seit mehr als einem Jahr sechs Mütter mit ihren Kleinkindern. Einmal in der Woche donnerstags. Für eine kleine Aufwandsentschädigung übernimmt Marion Wehner die fachliche Leitung, stellt Andrea Matschassek die Räume zur Verfügung. „Die Gruppe ist so toll, die Gemeinschaft so gut“, freut sich die ausgebildete Erzieherin über das gute Miteinander im bewusst klein gehaltenen Kreis. Die Mütter kommen regelmäßig, tauschen sich aus, beobachten die Entwicklung ihrer Kinder unter kompetenter Begleitung, planen Aktionen und kommen auch außerhalb dieser Zeit zusammen. Um zu basteln oder einfach nur, wenn die Väter zuhause sind, eine kleine Auszeit vom Alltag zu nehmen.

In der Gruppe wird Lasse ganz normal behandelt. Auch von den Kindern. Sie merken noch nicht, dass er mit fast zwei Jahren noch nicht laufen oder sprechen kann, nehmen ihn so, wie er ist.

Das Leben mit Lasse verlangt seinen Eltern viel Zeit und Kraft ab. Neben der Krabbelgruppe steht für den munteren Kleinen noch eine Physiotherapie nach „Bobath“ in Radevormwald, eine Frühförderung bei der Lüdenscheider Lebenshilfe sowie ein regelmäßiger Besuch in einem Sprach-Kommunikationszentrum in Moers auf dem Programm.

Trisomie 21 hat eine verzögerte kognitive (Wahrnehmen, Erkennen, Denken) und körperliche Entwicklung zur Folge, wobei in den ersten Jahren die kognitive schneller voran geht und später die motorische. Kinder mit Down-Syndrom zeigen oft besondere Fähigkeiten im sozialen Verhalten und in der Emotionalität. Das kann auch Marion Wehner bestätigen. „Lasse ist wirklich ein Sonnenschein. Wenn er weint, dann hat er wirklich was. Er ist sehr sensibel, spürt sofort, wenn andere traurig sind, ist es dann auch“, erzählt die Halveranerin.

Um sich ihrem Sohn widmen zu können, hat die Leiterin des Schalksmühler DRK-Kindergartens „Am Mathagen“ ihre Arbeitszeit stark reduziert. Im Sommer will sie jedoch wieder ganz in ihren Beruf zurück. Und gerne Lasse mit in ihren Kindergarten nehmen.

Der Gesetzgeber hat die Forderung der UN-Konvention - Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam zu betreuen, zu bilden und zu fördern - aufgenommen und beschlossen. Und der Landschaftsverband Westfalen Lippe (LWL) unterstützt mit seinen überarbeiteten Richtlinien diesen gesetzlichen Auftrag.

Nicht verstehen kann Marion Wehner aber, dass der Landschaftsverband Westfalen-Lippe eine Einzelintegration in ihrem Kindergarten nicht befürwortet. Zumal sie bereits berufliche Erfahrung im Umgang mit Kindern mit Down-Syndrom hat und das Miteinander, auch im Sinne der Gesetzgebung, für die anderen Kinder als eine Bereicherung erachtet.

Viele Probleme und Schwierigkeiten wollen im Alltag der Familie Wehner bewältigt werden: „Zusammen mit meinem Mann will ich unserem Sohn einen guten Start ins Leben geben, mit ihm offen und positiv in die Welt gehen“, sagt die Mutter. - Yvonne Pfannschmidt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare