Halveranerin Kendra Knitter nimmt Abschied in Polen

Das Abschiedsessen war es noch nicht, als sich Hugo, ein portugiesischer Mitbewohner, João, ebenfalls aus Portugal, Kendra, Riccardo sowie Théo, Mitbewohner aus Italien und Frankreich, und Laura aus Deutschland (von links) zum gemeinsamen Mahl trafen.

HALVER ▪ „I am coming home“ (Ich komme nach Hause) – so beginnt die 21-jährige BWL-Studentin Kendra Knitter aus Halver ihren letzten Bericht aus Krakau, wo sie seit September des vergangenen Jahres ein Auslandssemester absolviert (AA berichtete) und zusammen mit Portugiesen, Franzosen und Italienern in einer WG (Wohngemeinschaft) lebt.

„Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich mich gefühlt habe, als ich erst in Regensburg und dann in Halver alle Zelte abreißen, meinen Freunden und meiner Familie ‚Tschüss‘ sagen und mich selbst mit dem Gedanken abfinden musste, bald in eine ganz neue Welt einzutauchen. Der Abschied war das eine, aber die Frage, warum ich das eigentlich alles mache, war das andere. Viele Momente der Unsicherheit, der Vorfreude, aber vor allem auch der Neugierde liegen hinter mir.

Warum ich das alles auf mich genommen habe, weiß ich inzwischen. Die letzen Tage sind gezählt. Knapp fünf Monate habe ich in einer Welt gelebt, die so plötzlich aufhört, wie sie begonnen hat. So langsam fangen alle an, von dem uns bald bevorstehenden Abschied zu sprechen. Mein einziger Gedanke ist, dass es doch noch nicht vorbei sein kann, weil es doch gerade erst begonnen hat.

Wenn ich darüber nachdenke, was ich am meisten vermissen werde, kommt mir direkt das polnische Essen in den Sinn. ‚Pierogi‘, ‚Zapiekanka‘, ‚Bigosch‘ und all die anderen typisch polnischen Gerichte. Das Bier mit Himbeersirup. Die ‚Milchbars‘, die den Charakter einer Kantine haben und deren Geruch sich wohl auf ewig in meinem Gedächtnis eingeprägt hat. Die vielen Festivitäten auf dem ‚Main Square‘, die polnischen Live-Musik-Abende in den vielen kleinen Bars und Kneipen der Altstadt. Aber auch die Menschen aus ganz Europa. Ich habe Freunde gefunden, bin den verschiedensten Charakteren begegnet, habe Traditionen kennen gelernt und verstanden, Werte und Normen zu schätzen.

Ich kann an viele tolle und besondere Momente zurückdenken. Ich war so stolz, als ich das erste Mal auf Polnisch ein Brötchen gekauft habe und ich habe mich kaputt gelacht, als ich das ein oder andere Mal für eine Polin gehalten wurde. Ich war hingerissen von dem Ausblick auf Krakau bei Nacht und konnte es kaum erwarten, meiner Familie mein neues Zuhause zu zeigen. Das schönste Wochenende habe ich in Warschau verbracht und den schönsten Abend mit Freunden in einem Restaurant direkt unterm Schloss.

Polen, ein Land, das ich bis September nur aus Erzählungen kannte, aber das ich inzwischen schätzen und lieben gelernt habe. Krakau, eine Stadt, die mir ein Zuhause gegeben hat. Und die Polen, ein herzliches und liebenswürdiges Volk, das mich mit offenen Armen empfangen hat. Es war ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang – aber, wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“

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