Aktuell befinden sich 67 Asylbewerber in Halver

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Amal und ihre Mutter Saada Mohammed-Shifa aus Eritrea leben in einer kleinen Wohnung im Übergangsheim am Bahnweg.

Halver - „Wir haben derzeit keine großen Probleme“, sagt Yvonne Behnke, die zusammen mit Mandy Klotz in der Verwaltung für den Bereich Flüchtlinge verantwortlich zeichnet. Insgesamt sind der Stadt in diesem Jahr bis zum 15. Oktober 40 Personen zugewiesen worden, so dass in den Übergangsheimen am Bahnweg nun 67 Menschen untergebracht sind.

Das sind zwar 17 mehr als zum Jahreswechsel, gleichwohl bestehen keine Unterbringungsschwierigkeiten wie beispielsweise in Meinerzhagen. Dort werden die Bürger gefragt werden, Wohnungen für die Unterbringung von Flüchtlingen beziehungsweise Asylbewerbern zur Verfügung zu stellen. Maximal können in den Übergangsheimen am Bahnweg - für welche die Stadt derzeit jemanden sucht, der Hausmeistertätitgkeiten übernimmt - 100 Menschen untergebracht werden.

Verkürzt habe sich aber die Zeit der Ankündigung von Zuweisungen, sagt Behnke, Früher war es eine Woche vorher, aktuell sind es vier Tage. Bislang gab es jedoch keine Zuweisungen aus den Krisengebieten wie zum Beispiel Syrien. Angesichts der Tatsache, dass die Flüchtlinge nicht geballt aus einer Region kommen, sondern aus aller Herren Länder, kommt es auf eine gute Verteilung auf die Räume und Wohnungen an. „Nicht jeder kommt mit jedem klar. Der eine raucht, der andere nicht. Auch politische und religiöse Gesinnung spielen eine Rolle“, erklärt Behnke.

Die Flüchtlinge, die in diesem Jahr nach Halver gekommen sind, stammen aus Serbien, Albanien, Bangladesch, China, Algerien, Eritrea, Indien, Aserbaidschan, Ghana, Irak, Tadschikistan, Kosovo und Nigeria. Acht Personen aus Serbien und Mazedonien waren schon einmal in Halver, sind nach Abschluss ihres Asylverfahrens in die Heimat zurückgekehrt, um nun hier erneut einen Folgeantrag zu stellen.

Insgesamt 23 Menschen, so Behnke weiter, haben in diesem Jahr Halver wieder verlassen, zwei sind umverteilt worden und zu nahen Verwandten in anderen Kommunen gekommen. Elf sind freiwillig ausgereist, fünf haben nach Abschluss ihres Asylverfahrens eine Aufenthaltserlaubnis erhalten und fünf sind „untergetaucht“, was im Amtsdeutsch „unbekannter Aufenthaltsort“ heißt.

Doch während die Unterbringung von Flüchtlingen der Stadt keine Probleme bereitet, hat sich an der Kostenverteilung nichts verändert: Fast 340 000 Euro hat die Stadt für den Bereich Asylbewerberleistungsgesetz im vergangenen Jahr aufbringen müssen. In diesem Jahr sind es schon jetzt mehr als 434 000 Euro. Hinzukommen noch, so schätzt die Verwaltungsmitarbeiterin, 70 000 bis 80 000 Euro. Dem stehen lediglich Landeszuweisungen von knapp 85 000 Euro in 2013 und 123 000 Euro in diesem Jahr gegenüber.

331,18 Euro bekommt ein erwachsener Flüchtling jeden Monat ausgezahlt, für Kinder gibt es - je nach Alter - einen Zuschlag. Der Strom für die Unterkunft am Bahnweg ist dann schon von der Stadt abgezogen worden.

Unter den 67 Männern, Frauen und Kindern ist auch Saboor Ahmed aus Pakistan. Der 34-Jährige ist seit Mai 2012 in Halver und bewohnt einen der 32 Wohnräume. Wenn Mandy Klotz und Yvonne Behnke dem Haus am Bahnweg einen Besuch abstatten, steht er ihnen als Übersetzer und Vermittler oft zur Seite. Er sagt, dass er in seinem Heimatland seine Religion nicht öffentlich ausleben könne und verfolgt werde. „Sein Asylantrag wurde abgelehnt, er wird jetzt dagegen klagen“, berichtet Behnke.

Victor (Nachname nicht bekannt) hat das alles schon hinter sich. Er ist, nach eigenen Angaben, 55 Jahre alt und lebt seit 2001 in Deutschland. Nach einer Ablehnung seines Antrages wird er mittlerweile in der Bundesrepublik geduldet, wie es heißt. „Dieser Begriff ist dehnbar“, weiß Behnke.

Wie es mit der 16 Monate alten Amal und ihrer Mutter Saada Mohammed-Shifa aus Eritrea weiter geht, ist hingegen noch ungewiss, ihr Asylantrag läuft. Im Winter 2012 kamen sie nach Halver. Ihre kleine Wohnung ist aufgeräumt und sauber, sie haben ein Bett, eine Couch, eine kleine Küchenzeile, TV und ein Bad. Für das Zeitungsfoto wird die kleine Amal noch einmal extra hübsch gemacht. Die Mutter holt ein rosa Kleidchen aus dem Schrank und bürstet ihr das Haar. Behnke: „Gerade den Kindern wünscht man eine gute, beständige Zukunft.“

Von Det Ruthmann und Friederike Domke

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