Keine Eingangsklasse an der Ganztagsschule

An der Ganztagsschule in Halver wird es, aufgrund zu geringer Anmeldezahlen, keine Eingangsklasse mehr geben. - Archivfoto

Halver - Manche haben damit gerechnet, andere vielleicht doch noch gehofft. Seit Freitag aber steht fest: An der Ganztagsschule in Halver wird zum kommenden Schuljahr keine Eingangsklasse gebildet. Das bestätigte gestern der Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg, Christoph Söbbeler, auf Anfrage des Allgemeinen Anzeigers.

Von Friederike Domke

Lange hatte nicht nur die Stadt Halver als Schulträger auf die Entscheidung des Gremiums der Bezirksregierung warten müssen. „Solche Entscheidungen fallen nicht ganz leicht, aber sie müssen getroffen werden“, erklärte Söbbeler. 17 Anmeldungen für die Bildung einer fünften Klasse an der Ganztagsschule in Halver lagen zuletzt vor, 18 aber hätten es regulär sein müssen. Aufgrund des einen fehlenden Schülers hatte die Stadt Halver daraufhin den Antrag auf eine Sondergenehmigung bei der Bezirksregierung gestellt – die aber entschied sich nun dagegen.

Vielleicht mag es manchen wundern, dass die Entstehung einer Eingangsklasse letztendlich an einer einzigen Anmeldung scheiterte. Das aber erklärte Söbbeler mit der eindeutigen Gesetzeslage, die – in diesem Fall – keine Ausnahme zulässt. Man müsse sich generell erstmal an gesetzliche Vorgaben halten und Ausnahmen änderten an der schulischen Gesamtsituation in Halver langfristig nichts. Wichtiger sei, dass jetzt konstruktive und intensive Gespräche über die Entwicklung der Schullandschaft in Halver geführt würden, so Söbbeler weiter.

Wie die Zukunft der Schullandschaft in Halver aussehen könnte, ist zumindest bei den Verantwortlichen der Stadt durchaus bekannt: Die Errichtung einer Sekundarschule, die seit der vergangenen Woche offiziell den Arbeitstitel „Humboldtschule“ trägt, rückt mit den aktuellen Entwicklungen an der Ganztagsschule einmal mehr in den Fokus.

Thomas Gehring, Fachbereichsleiter Bürgerdienste, war gestern dennoch überrascht, als er mit der Entscheidung der Bezirksregierung durch den Allgemeinen Anzeiger konfrontiert wurde. Zwar habe sich im Vorfeld im Rahmen von Gesprächen bereits herauskristallisiert, dass die Entstehung einer Eingangsklasse an der Ganztagsschule am seidenen Faden hängt, eine offizielle Bestätigung durch die Bezirksregierung habe ihn aber bis dato noch nicht erreicht.

„Das ist eine ungute Entwicklung für den Schulstandort Halver“, beurteilte er die Entscheidung aus Arnsberg. Nicht zuletzt, weil die 17 für die Ganztagsschule angemeldeten Jungen und Mädchen – darunter vier mit Förderbedarf – nun in anderen Schulen untergebracht werden müssen. Und ob dies in allen Fällen in Halver gelingt, ist nicht sicher. „Es kann passieren, dass wir die Schüler verlieren“, so Gehring. Man wolle zügig Kontakt mit den Eltern aufnehmen, um mit ihnen über die schulische Ausbildung und vernünftige Alternativen zu sprechen. Allerdings ist es nicht allein Aufgabe der Stadt, Lösungen zu finden. So wurde die Untere Schulbehörde nun damit beauftragt, die Situation zu prüfen und Lösungen zu erarbeiten. „Alle Beteiligten müssen an einen Tisch“, betonte Gehring. Als Bildungsstätte in Halver käme am ehesten die Realschule für die Schüler in Frage, die nächste Hauptschule hingegen befindet sich in Lüdenscheid am Stadtpark. Die neu eingerichtete Primusschule in Schalksmühle hat zum kommenden Schuljahr laut Gehring keine Kapazitäten mehr frei. Aber er sagt auch: „Wir wollen die Eltern jetzt nicht alleine lassen.“ Das vorrangige Ziel sei es, die Schüler am Ort zu halten, machte er im Gespräch mit dem AA deutlich.

Die Marschrichtung für die Zukunft ist also klar gesteckt: Die Errichtung einer Sekundarschule müsse vorangetrieben werden. Gehring: „Wenn die Sekundarschule im vergangenen Jahr nicht gescheitert wäre, stünden wir heute nicht vor diesem Problem.“ Er sieht dringenden Handlungsbedarf. Dass an der Ganztagsschule keine Eingangsklasse eingerichtet werden könne, sei ein deutliches Signal. „Wir dürfen unsere Augen nicht verschließen.“

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