Arzttermine in der Corona-Zeit

Trotz Coronavirus: Keine Angst vor Arztbesuchen

+
Sicherheit an erster Stelle: Zwischen Patienten und Praxispersonal ist ein Spuckschutz  in der Praxis von Dr. Hans Huch-Sambraus angebracht.

Halver - Der Weg zum Facharzt wurde aufgrund von Corona lange gemieden. Wir haben bei Halveraner Arztpraxen nachgefragt, wie der Praxisalltag aussieht und wann Patienten unbedingt kommen sollten.

Bei der Frauenarztpraxis von Chon-Mi Natascha Bodien läuft der Betrieb unter Corona-Bedingungen weiter. Maximal drei Patientinnen sind zeitgleich in der Praxis und sitzen im Wartezimmer mit ausreichend Abstand zueinander. Jede weitere Patientin wird gebeten, draußen zu warten, oder noch etwas bis zu ihrem Termin zu erledigen. 

Schwangere dürfen ihre Partner nicht mehr mitbringen, sagt die Frauenärztin. Das sei zwar schade, aber es sollen aus Infektionsschutzgründen so wenig Menschen wie möglich in der Praxis sein. Den Schwangeren rät sie wie jedem anderen auch zur Vorsicht und Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln. Ob es für Schwangere ein erhöhtes Risiko gibt, sei noch nicht bestätigt. Bei der Grippe gäbe es das erhöhte Risiko, aber bei dem Coronavirus gehe man davon bisher nicht aus. „Aber 100-prozentig weiß man das noch nicht.“ 

Mehr Schwangerschaften durch den Lockdown und die Mehrzeit zu Hause kann Chon-Mi Natascha Bodien nicht bestätigen. Das werde sich jedoch im Laufe der kommenden Monate herauskristallisieren. Grundsätzlich sagt sie, dass es bereits in den vergangenen Jahren mehr Geburten gibt als früher. Ansonsten liefen die Behandlungen wie gewohnt ab. Auch Vorsorgen finden statt und Bodien findet das auch sehr wichtig, wie sie sagt. Sollte man eine Krebserkrankung nicht frühzeitig erkennen, sei das fatal. 

Wer eine Vermutung hat, soll sofort zum Arzt

Ihr Ratschlag für alle, die in Corona-Zeiten den Arztbesuch meiden oder nach hinten schieben, ist: Zum Arzt gehen, sobald man eine Vermutung hat. „Wenn eine Frau einen Knoten getastet hat, sollte sie sofort kommen.“ Patientinnen bekommen dann einen Termin wie sonst auch und müssen einen Mundschutz tragen. Das Praxisteam stehe weiter zur Verfügung.

Dr. Hans Huch-Sambraus hat in seiner HNO-Praxis alle Vorkehrungen getroffen.

Hals-Nasen-Ohren- sowie Augenärzte haben ein besonders hohes Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Dieser Berufsstand zählte zu den ersten Todesopfern im Epizentrum Wuhan. HNO-Ärzte sowie Augenärzte sind durch ihre unmittelbare Nähe zur Infektionsquelle Nase und Mund durch eine Tröpfchen- und Schmierinfektion stärker gefährdet. Zahnärzte arbeiten zwar auch im Mund des Patienten, seien aber im Tragen von Mundschutz und Handschuhen routiniert. 

Auf diese Feststellung weist HNO-Arzt Dr. Hans Huch-Sambraus hin. Auch er ist sich dem erhöhten Risiko bewusst und trifft daher in seiner Praxis alle Vorkehrungen, die nötig sind. „Die Praxis gleicht einem Hochsicherheitstrakt“, sagt er. Die Türen sind abgeschlossen und Patienten kommen nur mit Termin. In der Praxis werden sie so verteilt, dass sie sich untereinander kaum begegnen. 

Der Praxisalltag hat sich wieder normalisiert

Mittlerweile hat sich der Praxisalltag wieder etwas normalisiert. Von Mitte März an wurde die Praxis komplett heruntergefahren, wenn auch nicht geschlossen. Jedoch wurden alle OP-Termine abgesagt für rund sechs Wochen. Zu den Operationen, die Huch-Sambraus einmal in der Woche in Lüdenscheid vornimmt, zählen vor allem Mandelentfernungen bei Kindern. Diese wurden alle geschoben. Huch-Sambraus weist auf die Entwicklung dahingehend hin, dass Kinder durch die Isolation weniger Infekte hätten und somit auch Mandeln, deren Vergrößerung durch Infektionen begünstigt werde, entlastet werden. „Somit vergrößern sich die Mandeln nicht dramatisch.“ Ein Verschieben der OP sei daher möglich. Andere Erkrankungen jedoch sollte man nicht schieben, sagt der Facharzt und appelliert, auch in Corona-Zeiten rechtzeitig einen Arzt aufzusuchen.

Patienten sollen sich nicht scheuen

Bei Ohrenschmerzen, Hörminderung, Nasenbluten oder anderen Symptomen, die ohne Grund auftauchen und nicht besser werden, sollen sich Patienten nicht scheuen, zu kommen. Eine Mund-Nasen-Bedeckung ist Pflicht in der Praxis und auch bei der Behandlung werden vermehrt technische Geräte eingesetzt, die den Abstand bei einer Untersuchung am Patienten vergrößern. Das geht nicht immer, sagt Dr. Hans Huch-Sambraus. Er schützt sich und die Patienten dann mit allen möglichen Mitteln. Trotz allem: „Die Routine kommt langsam wieder.“ 

Auch der Halveraner Augenarzt Dr. Wolfram Lermen weiß um die erhöhte Gefahr in seinem Beruf. Im Behandlungsraum steht daher auf dem Schreibtisch ein Spuckschutz. Bei der Untersuchung bittet er die Patienten, nicht zu sprechen. Nach der Untersuchung wird alles Weitere mit dem nötigen Abstand besprochen. Der Berufsverband weist weiter darauf hin, dass auch die Tränenflüssigkeit unter Verdacht steht, infektiös zu sein. Das sei noch nicht endgültig belegt, aber bis dahin sind alle dazu angehalten, sich ausreichend zu schützen. 

Keine Operationen

Auch Dr. Lermen hat in seiner Praxis fünf Wochen keine Operationen durchgeführt, die Praxis war aber durchgehend geöffnet. Am Anfang seien die Leute sehr verhalten gewesen, aber langsam suchen sie wieder den Augenarzt auf, sagt Lermen. „Aber wie vorher ist es nicht.“ Doch auch er sagt, bei Symptomen wie einer akuten Sehverschlechterung oder anderen unerklärlichen Veränderung, sollen Patienten vorbeikommen. „Uns kann man erreichen – wir sind da“, sagt der Facharzt. „Wir wollen helfen.“

Coronavirus im MK

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare