Schüler aus Mailand da - Kaum Sprachbarrieren

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Andreas Reiter von der Firma Lieder betreut die beiden italienischen Schülerinnen Valentina Baccinelli (links) und Aferdita Biba während ihres Praktikums. Abwechselnd je eine Woche arbeiten sie bei ihm in der Finanzbuchhaltung. - Fotos: Kirsch

Halver - Drei Wochen lang in ein deutsches Unternehmen reinschnuppern – das erleben derzeit 15 italienische Schüler aus Mailand, die in Halver ein Praktikum absolvieren. Die 15 Schüler kommen von der ITSOS Marie Curie Schule in Cernusco bei Mailand und sind auf Einladung des Anne-Frank-Gymnasiums (AFG) in Halver.

Ein Bürojob in der Finanzbuchhaltung – für Valentina Baccinelli ist es ein spannender Beruf. Derzeit arbeitet sie im Büro der Firma Lieder unter der Aufsicht von Andreas Reiter, der die zwei Praktikantinnen während der drei Wochen betreut. Auch Aferdita Biba verbringt ihr Praktikum in dem Bauzentrum. In der ersten Woche erledigte sie Büroaufgaben, wie Artikelbestellung, Etikettendruck und -ersetzung oder auch das Bearbeiten von Reklamationen. Danach tauschte Aferdita mit Valentina und übernahm ihre Aufgaben im Baumarkt. Dazu gehören das Scannen von Preisen und Einräumen von Ware. „Aber im Büro gefällt es uns beiden besser“, sagen die 18-Jährigen. Dort lernen sie das Archivieren und Sortieren von Lieferscheinen. Auch Zahlungsein- und ausgänge kontrollieren die jungen Frauen. „Eine Menge Verantwortung, doch sie sind sehr talentiert“, sagt Reiter.

Valeria Erba verbringt ihr dreiwöchiges Praktikum in der Firma Turck. Derzeit kontrolliert sie Keramik-Platinen.

Das bestätigt auch Gabriele Quer, die sich um die Praktikantinnen im Baumarkt kümmert und ihnen dort unter die Arme greift. „Sprachprobleme“, sagt Reiter, „gibt es kaum.“ Valentina spricht nahezu perfekt Deutsch, Aferdita versteht auch fast alles. Sie verständigt sich jedoch auch häufig auf Englisch. Nach ihrem Abitur im Juni wollen die Mädchen studieren. Valentina möchte Hebamme werden, in Italien könne man diesen Beruf über ein Studium erlernen, erklärt sie. Aferdita hingegen kann sich vorstellen, Englisch zu studieren.

Auch ihre Klassenkameradin Valeria Erba interessiert sich für Sprachen. Die 18-Jährige lernt Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch. Sie verbringt ihr Praktikum bei der Firma Turck. Die Arbeit im Büro habe ihr sehr viel Spaß gemacht. Dort war sie mit dem Sortieren von Post und Erstellen von Präsentationen beschäftigt. Jetzt arbeitet sie im Werk und kontrolliert Platinen – das Innenleben von Sensoren, wie ihre Betreuerin Isabella Kimpfel erklärt. Valeria baut die kleinen Keramik-Platinen zusammen. Dabei muss sie Handschuhe und einen Kittel tragen, damit die eigene Körper-Statik die kleinen Platten nicht zerstört. Sie mache oft das Gleiche, das sei ein wenig langweilig, gibt Valeria zu.

Benedetta Trabattoni hilft im Fitnessstudio Aktivital aus. Dort arbeitet die 18-Jährige auch am Empfang.

Benedetta Trabattoni ist ebenfalls 18. Sie hilft während ihres dreiwöchigen Praktikums im Fitnessstudio Aktivital aus. An die Sportgeräte möchte sie aber nicht. „Sie dürfte schon“, sagt Sabine Wunderlich, Leiterin des Studios. Aber Sport sei nicht so ihr Ding, gesteht Benedetta. Stattdessen beschränken sich ihre Aufgaben auf das Kaffeekochen, Putzen und PC-Arbeiten am Empfang. Sie fühlt sich wohl, sagt sie, aber auch sie möchte lieber etwas mit Fremdsprachen studieren. Mit ihrer Gastfamilie hat die 18-Jährige schon Dresden, Leipzig, Hamburg, Wuppertal und Heidelberg erkundet.

Bereits seit 2009 kommen die Schüler der ITSOS Marie Curie Schule regelmäßig nach Halver, um ihre Praktika zu absolvieren. Die AFG-Lehrer Klaus Bonauer und Kirsten Marzath organisieren das Ganze. Sie fragen im Vorfeld bei Firmen an, ob Interesse besteht, einen italienischen Praktikanten aufzunehmen. Dann werde zugeteilt, sagt Bonauer.

Am 28. Januar geht es dann für die jungen Frauen und ihren männlichen Klassenkameraden wieder zurück in die Heimat. Ende Februar wird der Besuch von den AFG-Schülern erwidert.

Von Nathalie Kirsch

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