Portrait und Einblick ins Bauamt

Das Kreativ-Team der Stadt: Bauamt mit Kreativität und Herzblut

Katrin Siegmund und Michael Luedtke sind das Kreativ-Team des Bauamts Halver. Gemeinsam gehen sie jeden Tag spazieren. Zu Terminen laufen sie stets zu Fuß.
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Katrin Siegmund und Michael Luedtke sind das Kreativ-Team des Bauamts Halver. Gemeinsam gehen sie jeden Tag spazieren. Zu Terminen laufen sie stets zu Fuß.

Halver - Hier eine Baustelle, da ein Gerüst. Plötzlich eine neue Fassade, plötzlich eine Villa für Kinder, plötzlich wieder etwas Marodes instand gesetzt. Wer steckt hinter den Projekten – ob groß oder klein? Das wollten wir wissen und trafen das Kreativ-Team der Stadt: Michael Luedtke und Katrin Siegmund.

Manchmal flitzen die beiden durch die Stadt. Mit einer Mappe unterm Arm sind sie auf dem Weg zu einem Ortstermin. Ohne Mappe im Gepäck gehen die beiden ihre mittägliche Runde durch die Stadt spazieren. Michael Luedtke und Katrin Siegmund sind das Kreativ-Team der Stadt, wie sie intern im Bauamt bezeichnet werden. Aber sie sind auch einfach so ein gutes Team.

In dieser Konstellation gibt es das Team erst seit November vergangenen Jahres als Katrin Siegmund bei der Stadt Halver anfing. Im Werdegang sind die beiden so unterschiedlich wie sie nur sein können. Im gemeinsamen Berufsalltag ergänzen sie sich jetzt bestens.

Zur Person Michael Luedtke

Architekt ist Michael Luedtke, wenn man es genau nimmt, eigentlich nicht. Zumindest steht das auf keinem Papier. Was er aber ist, ist staatlich geprüfter Hochbautechniker. Was er kann, ist alles, was ein Architekt auch kann. Ausgebildet wurde er in seiner Heimat Berlin. Bevor er jedoch etwas lernte, war er vieles. Kraftfahrer, Bahnhofsschaffner bei der U-Bahn in Berlin, Überlebenskünstler.

Der 63-Jährige hat eine aufregende Lebensgeschichte hinter sich. Das wird klar, wenn er von Erlebnissen nachts in der U-Bahn erzählt, wo Punks mit Ratten auf der Schulter Musik gemacht haben, wo er mit seiner eigenen Band in einem Bunker geprobt hat unter dem Slogan „Bitte Ruhe bewahren“ oder seine Erfahrung mit der Grenzöffnung 1989, dem Jahr in dem er seine Ausbildung abschloss.

Michael Luedtke hat sein 17 Jahren eine Yucca-Palme im Büro stehen. Mittlerweile ragt sie bis an die Decke.

Freiwillig meldete er sich und ging nach Ost-Berlin; nach Treptow in den Ortsteil Adlershof. In einer ehemaligen Kaserne begann 1991 die Wandlung des Gebiets zu einer der heute erfolgreichsten Hochtechnologiestandorte Deutschlands. Michael Luedtke ging gen Osten, „weil es da grün war“. Die Spree und der Wald haben ihn gelockt. Zuvor hat er in Wilmersdorf gearbeitet – in einem Gebäude mit Blick auf den Fehrbelliner Platz, einem Verkehrsknotenpunkt im Bezirk. Schön ist anders, auch wenn er gerne an die Zeit und seine Kollegen zurückdenkt. Aber er musste gehen, sagt er. Sonst wäre er immer „der Kleine“ geblieben.

Von Ost-Berlin brachte ihn die Liebe ins Sauerland. In Hemer lebt er noch heute mit seiner Frau. Sein erster Job als Architekt war in Wermelskirchen. Mit einer Krawatte zum Stecken, erinnert er sich, ging er zum Bewerbungsgespräch. „Jut, Sie ham den Job“, sagte der Fachbereichsleiter zu Luedtke. „Dann könn‘ se das Ding jetzt abmachen.“ Er fühlte sich wohl und kam an. Nicht zuletzt der Dialekt, der dem der Berliner ähnelte, gefiel ihm.

Berufliche Stationen machte Luedtke noch in Balve – eines seiner großen Projekte war die Balver Höhle –, bei Bethel und der Diakonie in Hagen bis er 2007 nach Halver kam. Er war in seiner Laufbahn Zu der Zeit war das Bauamt noch in der Villa Wippermann untergebracht. „Ein Büro mit Blick in den Park“ war für ihn wie Urlaub. Auch heute genießt er noch die Natur, die ihn in Halver umgibt, fährt mit Biogas zur Arbeit und macht jeden Tag einen Spaziergang – seit November gemeinsam mit Katrin Siegmund.

Zur Person Katrin Siegmund

„Sie ist ein echter Glücksgriff“, sagt Michael Luedtke und freut sich nicht nur über die Entlastung, die eine weitere Person im Bauamt bringt, sondern auch über die Bereicherung an Kreativität. Sie beide, sagt Luedtke, „das passt gut“. Die Ausbildung der Halveranerin ist klassisch: Abitur, Architektur-Studium in Düsseldorf, Job in einem großen Architekturbüro für Industrie und Gewerbe. „Ich komme aus dem Großen“, sagt die 37-Jährige und lacht. Aber sie wollte wieder nach Halver: „Ich bin auch kein Großstadttyp.“ Weg war sie nie, denn ihren Wohnort hat sie auch während ihres Studiums nicht gewechselt. Stattdessen ist sie täglich 4,5 Stunden nach Düsseldorf gependelt. Nur wenn sie große Modelle transportieren musste, nahm sie mal das Auto. „Da hat sie schon Biss bewiesen“, stellt Michael Luedtke im Gespräch fest.

Hier enstehen kreative Ideen: Am Schreibtisch von Architektin Katrin Siegmund.

Nach einem Architekturbüro in Lüdenscheid, in dem sie einen sicheren Job hatte, kam sie nach Halver. „Mir fehlte etwas“, sagt sie. Direkt nach dem Bewerbungsgespräch wurde sie den möglichen Kollegen vorgestellt. „Sie waren alle so sympathisch“, sagt sie rückblickend. „Der erste Eindruck war so positiv – wäre das anders gewesen, hätte ich sofort abgesagt.“ Jetzt ist sie bald ein Jahr im Bauamt und sagt klar: „Es macht total Spaß.“ An ihrem ersten Tag stellten die Kollegen Blumen auf ihre Fensterbank und Michael Luedtke stellte eine Art Starterpaket für Architekten auf ihrem Schreibtisch bereit: Radiergummi, Stifte und Dreikant.

Teamarbeit im „stadteigenen Architekturbüro“

Katrin Siegmund ist in Halver verwurzelt, Michael Luedtke hat die Stadt lieben gelernt. Die beiden bilden gemeinsam eine Art eigenes kleines Architekturbüro der Stadt. Nur größere Projekte werden abgegeben, weil es personell nicht machbar wäre. Kleine Projekte wie die Kindervilla sind gut zu schaffen. Und in die Villa haben die beiden Kreativität und Herzblut hineingesteckt, sagen sie. Angefangen bei den bunten Fensterrahmen bis zu der Holzverkleidung. Verspielt sollte es sein, aber keine Villa Kunterbunt. Wichtig ist ihnen zum einen die Optik, zum anderen die Nachhaltigkeit. Was sie machen, soll schön werden, denn es geht immer um die Stadt. Jetzt steht die Musikschule an, die sie im Lern- und Begegnungszentrum (LBZ) planen.

„Wir haben überall irgendwie die Hände drin“, sagt Michael Luedtke. Nämlich in allen Liegenschaften der Stadt. In allen Schulen, im Rathaus, Kulturbahnhof, DRK-Gebäude, Jugendzentrum Aquarium und Bürgerzentrum.

Katrin Siegmund ist ein echter Glücksgriff.

Michael Luedtke

Der Unterschied zu den vorherigen Jobs der beiden ist, dass sie immer sehen, was sie gemacht haben und in Kontakt mit Menschen stehen, die von den Plänen aus ihrer Feder betroffen sind. Schulen und Spielplätze prägen Kindheiten, das Rathaus ist ein Stadtsymbol und im LBZ spielt sich das Leben neben der Arbeit vieler Halveraner ab.

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