60 Jahre Priester: Karl Balkenhol feiert mit 200 Gästen

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Die Entscheidung für die Priesterlaufbahn fällten Karl (links) und Hans Balkenhol unabhängig voneinander.

Halver - Ob bei Hilfslieferungen nach Polen und Moldawien, der Renovierung eines alten Bauernhauses im Schwarzwald aus dem Jahre 1504 oder in seinen Gemeinden vor Ort – über sechs Jahrzehnte hat sich Karl Balkenhol als aktiver und pensionierter Pfarrer auf vielfältige Weise engagiert.

Das 60-jährige Jubiläum seiner Priesterweihe feiert er mit vielen Gästen. Das Weihejubiläum von Karl Balkenhol war zwar eigentlich schon am 23. Juli, die große Feier hat der pensionierte Pfarrer wegen der Sommerferien auf den 21. September verschoben. Dabei kann er auf viel Unterstützung aus der Gemeinde setzen, den Gottesdienst möchte er aber selbst halten. 

„Bis vor wenigen Wochen stand es noch auf Messers Schneide, ob es klappt. Aber das Jubiläum wollte ich auf jeden Fall noch halten“, sagt Karl Balkenhol, der rund 200 Gäste, die aus Halver sowie aus verschiedenen Regionen Deutschlands kommen – und sogar aus Moldawien – eingeladen hat. „Ich denke, das wird eine sehr schöne Feier.“ 

23 Jahre Pfarrer in Christus König

Balkenhol war von 1983 bis 2006 in der Pfarrei Christus König tätig, engagiert sich auch im Ruhestand noch weiter in der Pfarrei und übernahm Gottesdienste. „Wenn man die Energie von Gott bekommen hat, muss man sie auch einsetzen.“ Das hat der 1933 in Bochum geborene Karl Balkenhol in den 60 Jahren seit seiner Weihe in unterschiedlicher Weise praktiziert. „Ich hatte ursprünglich etwas ganz anderes vor, aber es hat sich dann doch so ergeben, dass ich Priester geworden bin“, sagt er. 

Vor 60 Jahren wurde Karl Balkenhol ebenso wie sein Zwillingsbruder Hans zum Priester geweiht.

Bereits als Jugendlicher habe er sich sehr in der Jugend- und Gemeindearbeit engagiert. Durch die Exerzitien vor dem Abitur und durch intensive Gespräche mit dem Religionslehrer sei ihm deutlich geworden, dass er diesen Weg gehen wollte. Den gleichen Entschluss fasste – unabhängig von Karl Balkenhol – auch dessen 2012 verstorbener Zwillingsbruder Hans. „Der eine hat nicht den anderen mitgezogen. Es hat drei Stunden gedauert, bis wir wussten, was der Zwillingsbruder tun wollte.“ 

Er und sein Zwillingsbruder gehen den gleichen Weg

Bis zum Abitur verrieten die Brüder ihren Familien allerdings nichts von ihren Plänen. „Wir haben uns nach dem Abi deutlich dazu bekannt, dass wir Theologie studieren wollen“, sagt Karl Balkenhol. Der Vater, der ursprünglich selbst hatte Priester werden sollen, habe sich sehr über den Entschluss der Zwillinge gefreut. „Er war ein tiefgläubiger Mensch. Als wir 1944 in Bochum vor unserem ausgebombten Haus standen und alles verloren hatten, sagte er: Wir haben den Glauben noch. Dieser starke Glaube hat auch uns immer geprägt.“ 

Karl und Hans Balkenhol, die noch einen älteren Bruder und eine ältere Schwester hatten, gingen gemeinsam ins Priesterseminar. „Wir haben mit Gottvertrauen angefangen und es durchgezogen.“ Am 23. Juli 1959 in der Propsteikirche wurden sie in Bochum geweiht. Danach trennten sich die Wege. 

Karl Balkenhol wurde Kaplan in der Gemeinde St. Josef in Essen-Kupferdreh, Hans ging nach Mülheim an der Ruhr. Aus seiner Zeit in Essen – Karl Balkenhol blieb bis 1966 in Kupferdreh – ist ihm eines ganz besonders in Erinnerung geblieben, die Renovierung des ältesten Schwarzwälder Bauernhauses, den Abrahamshof in Wolfach, das ab 1964 mit vielen Freiwilligen zu einem Jugendferienheim umgebaut wurde, das seitdem als Schwarzwaldheim Thomas Morus bekannt ist. „Da haben wir viel Energie reingesteckt“, sagt er und viele haben sich ebenfalls dabei sehr engagiert.

Großes soziales Engagement

Bereits im ersten Jahr habe man mit einer Feriengruppe hinfahren können, nach zwei, drei Jahren war die Renovierung beendet. „Aber an so einem alten Haus ist immer etwas zu tun“. Bis vor wenigen Jahren habe er auch selbst noch mit angepackt. Nach einer weiteren Station als Kaplan in Oberhausen-Buschhausen wurde Karl Balkenhol 1970 Stadtjugendseelsorger in Bochum. Er war Geistlicher Leiter der Katholischen jungen Gemeinde (KJG) im Bistum Essen und außerdem Mitglied des KJG-Bundesausschusses. „Wir haben mit den Diözesen Richtlinien erarbeitet und die Jugendarbeit entscheidend mit vorangetrieben“, sagt er. Vieles, was heute selbstverständlich sei, habe die KJG damals angestoßen. 

Auf dem Katholikentag 1974 habe er seinen ersten großen Auftritt vor Bischöfen und Kardinälen gehabt und sei vor seinem Vortrag sehr aufgeregt gewesen, erinnert er sich. Streit und Konfrontation habe er aber nicht gesucht. „Jugend und Kirche war immer ein Kampf. Man muss sehr klug und weise vorgehen, um nicht Porzellan zu zerschlagen.“ Stattdessen müsse man die Dinge vertreten, die man für sinnvoll halte und versuchen, andere davon zu überzeugen, so seine Meinung. Das gilt genauso für die Gemeindearbeit. 

Es gab nie "Rabatz"

„Ich habe nie Rabatz gehabt“, sagt er. Er habe mit viel Vertrauen gearbeitet und nie diktiert, auch nicht in den Gemeindegremien. „Es heißt ja nicht, dass meine Ideen als Pastor immer die richtigen waren.“ Durch das große Vertrauen miteinander und zueinander hätten alle Seiten ihre Fähigkeiten, die Gott ihnen gegeben hat, frei entfalten können, sagt er über seine längste Priesterstation in der Pfarrei Christus König. „Halver war einfach ein Glücksfall.“ 

Sein Jubiläum will Karl Balkenhol mit vielen Gästen in der Kirche Christus König feiern.

Nach einer Stelle als Pastor in Ennepetal-Büttenberg ab 1974 sollte er 1983 nach Halver. „Ich wollte eigentlich wieder ins Ruhrgebiet“, aber der Bischof habe ihm aber gesagt, er solle sich Halver erst einmal anschauen. „Das war dann wohl auch Gottes Wille. Es war eine gute Entscheidung, für mich und auch für die Gemeinde.“ 

Auf das in all den Jahren gemeinsam Erreichte blickt er mit großer Freude zurück. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm die vielen Hilfsaktionen. „Kirche ist nicht nur vor Ort, sondern zeichnet sich dadurch aus, dass man dort hilft, wo es benötigt wird“, sagt er. Nach dem Hochwasser 2002 an Elbe und Mulde habe die Gemeinde rund 74 000 Euro gesammelt und persönlich in den betroffenen Gebieten vorbeigebracht, in Grimma, Wittenberg und Dautzschen. „Dort war ein neuer Kindergarten überflutet worden, da haben wir beim Wiederaufbau mitgeholfen.“ 

International unterwegs

Auch international engagierte sich Karl Balkenhol, etwa durch die Organisation von Jugend-Begegnungen in Norwegen, wo er in Oslo ein Jugendhaus mit unterstützte. Auch Hilfsaktionen für Polen und ab 1994 für Moldawien organisierte Karl Balkenhol und erhielt für sein Engagement im Jahr 2000 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Allein 50 Transporte gingen nach Polen. „Wir haben da mit vielen Grenzschikanen zu tun gehabt.“ Nicht nur vorm Mauerfall an der innerdeutschen und der polnischen Grenze, sondern auch noch Ende der 90er-Jahre habe man die Konvois manchmal stundenlang an der Grenze festgehalten, die Lastwagen durchsucht und zum Teil abgeladen. Da sei er auch schon mal richtig laut geworden. „Ich hab diesen Offizier angeschrien“, erinnert sich Balkenhol. Letztendlich habe man aber die Weiterfahrt durchsetzen können – so auch bei einem Transport nach Moldawien, als die Grenzer einen Lastwagen nicht passieren lassen wollten. 

Großer Einsatz in Moldawien

In Moldawien unterstützte man gemeinsam mit anderen Gemeinden Suppenküchen, brachte neben Lebensmitteln auch Baumaterial und Einrichtungsgegenstände für Krankenhäuser dorthin – in einem Fall bestand der Konvoi aus zehn Sattelzügen. An der Moldawienhilfe beteiligt sich Karl Balkenhol nach wie vor finanziell, würde auch gerne noch einmal selbst die unterstützten Gemeinden dort besuchen. „Ich möchte den Leuten vermitteln, dass durch einen starken Glauben an die Gegenwart Gottes Dinge möglich sind, die sonst nicht möglich erscheinen – nach dieser Devise habe ich immer gelebt“, sagt er. 

Und dieses Gottvertrauen zeigt sich für ihn auch im Gelingen der vielen Hilfstransporte. Kurzfristig 20 Tonnen Lebensmittel zusammenzubekommen oder zehn Lastwagen, dazu Fahrer, Begleitfahrzeuge und 20 bis 30 Helfer sei immer eine große Herausforderung gewesen. „Aber es hat ja geklappt und das zeigt, dass die Hilfe auch ganz gewaltig von oben unterstützt wurde.“

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