Kantorei übt scharfe Kritik an Gemeindeleitung

In der Evangelischen Kirchengemeinde schwelt ein Konflikt zwischen Kantorei und Gemeindeleitung. ▪ Weber

HALVER ▪ Klare Dienstanweisungen für den Kantor, „Maulkorb“ für die Kantorei, Strafanzeige gegen die Gemeindeleitung: Das Verhältnis zwischen Kantorei und Führungsriege der Evangelischen Kirchengemeinde Halver ist derzeit äußerst gespannt.

Sowohl der Vorsitzende des Fördervereins für Kirchenmusik, Siegfried Bohe, als auch die Sprecher der Kantorei, Bernd Nockemann, Stephanie Kock und Michael Zlobinski, gehen jetzt mit ihrer Kritik an der Gemeindeleitung an die Öffentlichkeit. Die Führungsriege der Gemeinde will oder kann sich jedoch zu den Vorkommnissen nicht äußern. „Allein aus dienstrechtlichen Gründen darf ich dazu nichts sagen“, sagt Pfarrer Christoph Dickel (siehe Info-Kasten).

Hintergrund des Konflikts ist nach Aussagen der Kantorei-Vertreter das Arbeitsverhältnis zwischen Presbyterium und Kantor Andreas Pumpa, der in diesem Jahr seit 20 Jahren für die Kirchenmusik in der evangelischen Kirche in Halver verantwortlich zeichnet. Bereits am 25. Januar, so Siegfried Bohe, habe zu diesem Thema eine Anhörung des Kantorei-Vorstands im Presbyterium stattgefunden. Dabei sei von Seiten der Kantorei unter anderem die Auflage der Gemeindeleitung für Pumpa hinterfragt worden, minutiöse Arbeitsprotokolle anzufertigen. Zudem dürfe der Kantor nicht länger in seinen Privaträumen proben, sondern „nur in einem etwa neun Quadratmeter großen Raum neben dem Gemeindehaus“, so Bohe. Als Grund sei von Seiten des Presbyteriums fehlendes Vertrauen in die Arbeit Pumpas genannt worden, erinnert sich Bernd Nockemann an das Gespräch Ende Januar. Damals sei es auch um Inhalte der Kantorei-Arbeit gegangen. So habe das Presbyterium kritisiert, dass zu viel klassische und zu wenig moderne Kirchenmusik gespielt wird. „Dabei haben wir nichts gegen moderne Musik, wenn sie Qualität hat“, so Nockemann. Michael Zlobinski ergänzt: „Wir haben uns immer auf Neues eingelassen.“

„Haben auch Mediation vorgeschlagen“

Diese und andere Misstöne habe man im Nachgang lange Zeit intern versucht zu klären. „Um den Konflikt zwischen Kantor und Gemeindeleitung zu entschärfen, haben wir auch eine Mediation für beide Parteien vorgeschlagen“, sagt Siegfried Bohe. Lediglich Andreas Pumpa sei daraufhin angeboten worden, einen Supervisor zur Umsetzung seiner dienstlichen Aufgaben anzustellen. „Wir haben aber weiter versucht, eine goldene Brücke zu bauen, den Konflikt zu entschärfen“, betont Stephanie Kock. Nachdem in der vergangenen Woche auch ein Gespräch mit Superintendent Klaus Majoress nicht den erhofften Erfolg brachte, habe man sich nun zum Schritt an die Öffentlichkeit entschlossen – ohne dieses Vorgehen mit Kantor Andreas Pumpa abgesprochen zu haben, wie Kock betont. Denn die Juristin weiß um die möglichen Folgen – Stichwort: „Maulkorb-Erlass“.

Erinnerung an „völlig aufgelösten“ Kantor

„Ich hatte die Kantorei am 16. März mit Hilfe eines Gedächtnisprotokolls von dem Gespräch mit dem Presbyterium informiert“, so Stephanie Kock. Doch dieses Vorgehen sei später von der Gemeindeleitung scharf kritisiert worden. Kock erinnert sich an einen „völlig aufgelösten“ Andreas Pumpa, der am 23. März in ihrer Tür gestanden und von einem Treffen mit Pfarrer Christoph Dickel berichtet habe. Dieser habe den Kantor aufgefordert, dafür Sorge zu tragen, dass aus seinem Umfeld keine Äußerungen gegen die Gemeindeleitung laut werden, die deren Ansehen schaden könnten. Explizit sei auch von Aussagen gegenüber der Presse Abstand zu nehmen, erinnert sich Kock an die Ausführungen Pumpas, der seit dem Dienstgespräch am 23. März krankgeschrieben ist.

Während Christoph Dickel gestern im AA-Gespräch erklärte, dass die Gemeindeleitung der Kantorei gegenüber keine Äußerungen getätigt habe, ist die Empörung auf der Gegenseite groß. „Dieser Maulkorb hat das Fass zum Überlaufen gebracht und für große Entrüstung in der Kantorei gesorgt“, sagt Fördervereins-Vorsitzender Siegfried Bohe. Denn jedes unbedachte Wort eines der etwa 40 Mitglieder könne dem Kantor nun schaden. „Unsere Meinungsfreiheit ist betroffen.“ Briefe an Presbyteriumsmitglieder und unzählige E-Mails mit der Bitte um Klärung seien daraufhin unbeantwortet geblieben. „Man rennt gegen eine Wand“, sagt Bohe, der daher nun den Schritt an die Öffentlichkeit wagt. Und das ist nicht die einzige Konsequenz: So hätten 13 Mitglieder der Kantorei Strafanzeige gegen drei Personen der Gemeindeleitung gestellt. Die Kläger sehen sich von dieser genötigt, zu schweigen, um ihren Kantor vor einer „Drangsalierung“ zu schützen. Doch diesem Druck will man sich nicht beugen. Der möglichen Folgen ihrer Kritik ist man sich dabei durchaus bewusst. „Wir wissen, dass wir einen großen Stein in den Teich schmeißen“, sagt Bohe. ▪ Frank Zacharias

Die Stellungnahme von Pfarrer Christoph Dickel im Wortlaut:

„Die Zeitung ist durch Mitglieder der Kantorei der Evangelischen Kirchengemeinde Halver über einen internen Konflikt innerhalb der Kirchengemeinde informiert worden. Wir können als Kirchengemeinde dazu keine inhaltlichen Aussagen machen. Im Kern der Sache geht es um Fragen eines Dienstverhältnisses. Zum Schutz aller handelnden Personen können wir dazu keinerlei Stellungnahme abgeben. Wir können nur sagen, dass die Leitung der Gemeinde keine unbegründeten Entscheidungen getroffen hat.

Von einigen Kantoreimitgliedern wurde auch die Leitung der Gemeinde massiv angegriffen. Da es sich hierbei aber um ein schwebendes Verfahren handelt, werden wir auch dazu keinerlei Stellungnahme abgeben.“

Christoph Dickel, Vorsitzender des Presbyteriums

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