Stehende Ovationen für eindrucksvollen Auftritt

Mit Werken von Mendelssohn Bartholdy, Brahms, Bortnjanski, Strawinski und Reubke band der Chor die berührende, emotional unmittelbar ansprechende Dvorák-Messe als Programm-Höhepunkt in ihr Konzert am Sonntag ein. - Fotos: Salzmann

Halver -  „Wundern Sie sich nicht, dass ich so gläubig bin – aber ein Künstler, der es nicht ist, bringt nicht solches zustande.“ In seiner D-Dur Messe op. 86, mit der sich die Kantorei Halver am Sonntag in der Christus König Kirche unter neuer Leitung eindrucksvoll zu Wort meldete, versuchte Antonin Dvorák, seiner Liebe zu Gott und seiner Dankbarkeit für die ihm geschenkten Gaben Ausdruck zu verleihen.

Von Monika Salzmann

Zum „Preis des Allerhöchsten und zur Ehre unserer Kunst“ wollte er sein klangschönes, der Romantik und der Klangwelt seiner böhmischen Heimat verpflichtetes Auftragswerk verstanden wissen. In der intimen Originalfassung für Soli, Chor und Orgel, die die Kantorei für ihren ersten großen Auftritt mit Maike Lehmkuhl als neuer Chorleiterin wählte, kommen die Singstimmen besonders schön zur Geltung – umso reizvoller für den Chor.

In ein stimmungsvolles „Chor- und Orgelkonzert“ mit Werken von Mendelssohn Bartholdy, Brahms, Bortnjanski, Strawinski und Reubke band der Chor die berührende, emotional unmittelbar ansprechende Dvorák-Messe als Programm-Höhepunkt ein. Als Organist brachte sich Kreiskantor Dmitri Grigoriev als hoch virtuoser Solist und feinfühliger Begleiter in den Nachmittag ein. Mit der Fuge aus der Orgelsonate „Der 94. Psalm“ des früh verstorbenen Julius Reubke meisterte er eines der anspruchsvollsten Werke der Orgelliteratur – spieltechnisch schwindelerregend schwierig und für die Zuhörer ein Hochgenuss – mit Bravour.

Auch die 2. Orgelsonate c-Moll, op. 65 von Mendelssohn Bartholdy und die Orgelvorspiele, op. 122 von Brahms zeugten von vollendeter Spielkultur. Mit Chorbeiträgen, die zum slawischen Tonfall der Messe passten, bereitete die Kantorei eindrucksvoll den Boden für den lyrischen Tonfall der Messe. Bortnjanskis „O Herr, gib Frieden“ und Strawinskis „Pater noster“, geistliche Werke, ließen innerlich zur Ruhe kommen und öffneten für die Botschaft der Messe das Ohr. Von der Empore aus meisterte der Chor das formal groß angelegte, mit bescheidenen Mitteln auskommende Werk. Präzise und nuancenreich entfaltete die Kantorei unter Maike Lehmkuhls meisterhaftem Dirigat ihr bemerkenswertes Können. Das (da der Chor direkt neben der Orgel stand) schwierige Zusammenspiel mit dem Begleitinstrument gelang stimmsicher, akkurat und punktgenau. Für Intonation und dynamische Steigerungen wie im Kyrie, dem ersten von sechs Sätzen der Messe, effektvolle Kontraste und eingängige melodische Gedanken zeigten die Sängerinnen und Sänger ein sehr feines Gespür.

Die Feinheiten der Komposition wie die Dreiteiligkeit des freudig und jubilierend einsetzenden „Gloria“ arbeitete der Chor, der auch die solistischen Partien mit übernahm, sorgsam heraus. Im zentralen Glaubensbekenntnis, sehr eindringlich umgesetzt, beendete ein feierliches Amen lyrische und dramatische Glaubenssätze von der Menschwerdung Jesu, seiner Kreuzigung und Auferstehung am dritten Tag. Den beiden eng miteinander verknüpften Sätzen „Sanctus“ und „Benedictus“ folgte mit dem musikalisch reichen, kunstvollen Agnus Dei zu guter Letzt ein glänzender Abschluss mit inständiger, flehender Friedensbitte. Die Zuhörer dankten mit „Standing Ovations“.

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