Kahlschlag: Drei Halveraner Geschäfte schließen

„Es ist in der Stadt sehr ruhig geworden“: Leere Ladenlokale sind bereits jetzt keine Seltenheit, in naher Zukunft werden jedoch drei weitere Geschäfte schließen. ▪ F. Zacharias

HALVER ▪ Die Innenstadt entwickelt sich – jedoch nicht zum Positiven: Gleich drei Geschäftsinhaber werden in naher Zukunft ihre Ladenlokale aufgeben. Sowohl „Sport Kubelt“ als auch „einfach bärig“ und „Foto Rechermann“ werden ihre Pforten schließen. Im AA-Gespräch nannte jeder der Betroffenen einen anderen Grund dafür, mit dem Kapitel Halver (vorerst) abzuschließen.

Eine für den Standort zu hohe Miete beklagen etwa Jeannine Dulas und Heinz Kubelt vom Sportfachgeschäft. „Wir arbeiten seit langem nur noch kostendeckend“, sagt Dulas, „das kann langfristig nicht so weiter gehen.“ Dabei habe man sich die Entscheidung, das Ladenlokal zu schließen, keineswegs leicht gemacht. Auch Experten der Industrie- und Handelskammer sowie eines Fachverbands seien vor Ort gewesen, um Kosten, Umsatz und Chancen in Halver zu analysieren. Ihr Ergebnis: Gemessen an Einwohnerzahl und Kaufkraft sei der Mietzins zu hoch. „Wir haben jetzt 30 Jahre voll gemacht“, blickt Heinz Kubelt stolz auf das Erreichte zurück, „aber es muss nun auch erlaubt sein, zu sagen: Jetzt ist Schluss.“ Was allerdings nicht zwangsläufig bedeutet, dass die Halveraner künftig keinen Sportartikelanbieter mehr im Ort haben: Verhandlungen mit einem entsprechenden Nachmieter – der jedoch ein anderes Sortiment führen wird – liefen derzeit. Im besten Fall, so Jeannine Dulas, würde man die Räume bereits Ende März übergeben können. Mit Ablauf des aktuellen Mietvertrages würde der Name „Sport Kubelt“ jedoch spätestens Ende August 2012 definitiv Geschichte sein.

Ein „Urgestein“ in Halvers Innenstadt ist auch Horst Rechermann. Seit 1993 führt er sein Foto- und Parfümeriefachgeschäft – im Alter von 73 Jahren hat er sich nun entschlossen, einen Schlussstrich zu ziehen. Das Alter ist ein Grund, das Kaufverhalten vieler Halveraner ein anderer. Die Nachfrage habe sich in den vergangenen Jahren geändert. Große Städte und das Internet würden viele Kunden fernhalten. „Insbesondere an Wochenenden war hier früher viel mehr los. Heute fahren die Leute in die Großstädte, weil dort mehr als 100 Läden mit kostenlosen, überdachten Parkplätzen locken“, sagt Rechermann, der auch die Stadt kritisiert. „Man sollte die Innenstadt erst einmal beleben, ehe man an Investoren für andere Projekte gewinnen will.“ Einen exakten Termin der Geschäftsaufgabe kann Horst Rechermann noch nicht nennen. „Anfang kommenden Jahres ist Schluss. Aber wir sind da flexibel“, sagt er. Mit besonderen Angeboten will er nun zunächst noch einmal Kunden in den Laden locken.

Einen Nachmieter kann auch Anja Seibert vom Deko- und Blumengeschäft „einfach bärig“ noch nicht bieten – dafür jedoch einen festen Termin für ihre Geschäftsaufgabe: Ende des Jahres wird ihr Ladenlokal nach insgesamt zehn Jahren, davon fünf Jahren am aktuellen Standort, schließen. Ein Schritt, der viele Halveraner überrascht – doch das Angebot allein habe zuletzt eben zu wenige Kunden in den Laden gelockt, betont die Geschäftsfrau. „Es ist in der Stadt sehr ruhig geworden. Die Laufkundschaft fehlt uns“, sagt Anja Seibert. Daher würde sie ihr Geschäft „in dieser Größe“ schließen. Um den kleinstadttypischen Gerüchten zuvor zu kommen, habe sie ihren Kunden von vornherin von der Geschäftsaufgabe erzählt – auch, um Gutscheine rechtzeitig einlösen zu können. „Ich wollte mich nicht einfach vom Acker machen. Dafür war das Verhältnis zu den Kunden einfach zu gut“, sagt sie.

Trotz aller schlechten Nachrichten: Nicht alle Gerüchte bewahrheiten sich. So betont Eiscafé-Inhaber Fabio Savi Mondo, dass eine Geschäftsaufgabe, anders als kolportiert, keineswegs feststehe. „Wir gehen am 18. Dezember in die Winterpause und schauen dann weiter.“ Und auch Boutique-Inhaberin Susanne Sieger und Optiker Michael Kortmann haben bereits von Gerüchten um ihre Geschäfte erfahren – und betonen, dass an diesen Mutmaßungen nichts dran ist. „Wir wollen, wenn möglich, sogar die 100 Jahre voll machen“, betont Kortmann. Bis dahin fehlen ihm noch zehn Jahre.

Frank Zacharias

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