Kaffee, Klatsch und Kriminelle

Ein Einbruchsexperte packt aus

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„Verabschieden sie sich von Verstecken“ appellierte Kriminalhauptkommissar Frank Enser an seine Zuhörer.

Halver - Frank Enser ist ein Profi wenn es um Einbruch und Trickdiebstahl geht. Warum er noch auf freiem Fuß ist? Ganz einfach: Er ist Kriminalhauptkommissar bei der Polizei des Märkischen Kreises und gibt Tipps, wie man sich vor derartigen Verbrechen schützen kann.

Der Kriminalhauptkommissar kommt etwas später. Die Mitglieder des Sozialverbands stört das nicht. Es gibt Kaffee und Torte und Klönschnack – bis Frank Enser Platz nimmt und auspackt. Erst Broschüren und Kontaktadressen. Dann die Geschichten.

Der 59-Jährige Polizist aus Menden ist viel unterwegs. Sein Kommissariat hat einen komplizierten Namen. Und ein Ziel. Es geht um Vorbeugung, um Schutz vor Einbrechern und Trickdieben. Er nimmt sich die Zeit für seine 25 Gäste in Halver. Und lässt die Gruppe nachdenklich zurück.

"Bewaffnete Räuber sind bescheuert"

Bewaffnete Räuber nennt er „bescheuert“. Sie riskieren hohe Strafen. Die Kriminalität an der Wohnungstür dagegen ist für die Täter geradezu charmant. Geringes Strafmaß, geringes Risiko, vielfach höhere Beute. Ältere und immer alleinstehende Menschen sind die Opfer. Das trifft auf die meisten im Raum zu. „Bei uns ist nichts zu holen“, sagen ihm oft die Rentner, denen er ganz einfache Regeln beibringt. Weil Enser es besser weiß, hat er Zahlen gesammelt.

Eine Geschichte: 79 Fälle aus dem Märkischen Kreis hat er sich auf den Schreibtisch geholt. Von wegen, nichts zu holen: In keinem einzigen Fall verschwanden die Täter mit weniger als 50 Euro aus der Wohnung. Kein schlechter und zudem steuerfreier Stundenlohn, stellt der Polizist fest. Aber es kommt schlimmer. In 15 der Fälle waren es mehr als 10 000 Euro. Bargeld wohlgemerkt. Opas goldene Uhr, Familienschmuck – das ist nicht einmal erfasst.

„Es gibt kein sicheres Versteck“

Und Enser braucht auch nicht lange, um mit der Mär vom sicheren Versteck aufzuräumen. „Verabschieden Sie sich von Verstecken“, bittet er die Runde inständig. „Es gibt keins.“ Er erzählt von dem älteren Mann und seinen 9000 Euro: „Er hatte das in einen Umschlag gepackt und hinter den Kleiderschrank geklebt.“ Nachdem ein freundlicher Besucher ihn an der Haustür beschäftigt hatte und sein Komplize derzeit in die Wohnung eingedrungen war, fehlte vom Umschlag jede Spur.

Immerhin, sagt der Kommissar, hatte das Opfer den Schaden wenigstens bemerkt. In wie vielen Fällen Menschen beklaut werden, ohne es zu merken, weiß die Polizei nicht. Erfahren hat sie es aber bei der alten Frau, die ihr Erspartes – immerhin 8000 Euro – in einem Wasserglas zusammengerollt und dann umgedreht in einem Zuckerglas versteckt hatte. Die Diebin hatte mit der Fingerkuppe den Zucker probiert, Widerstand gefühlt und das Geld gefunden.

„Kein Fremder darf in die Wohnung“

Die Liste der raffinierten Verstecke ließe sich beliebig fortsetzen. Die Plastiktüte im Schmutzwäschekorb ist Dieben genauso bekannt wie die Geldscheine unterm Teppich oder hinter der Tapete wie auch im Wasserspülkasten der Toilette („…da wird zuerst geguckt“). Und nicht zuletzt: Manchmal sei das Geld auch weg, ohne dass es geklaut wird. „Dann haben die Leute ihr Versteck nämlich selbst vergessen.“ Aber wie wird man bestohlen und betrogen?

Enser erklärt es gleich am Anfang, doch die Tricks der Täter sind immer wieder neu. Die Standard-Masche ist, den Inhaber der Wohnung zu täuschen, ihn in ein Gespräch zu verwickeln, ihm beziehungsweise einem Komplizen den Zugang zur Wohnung möglich zu machen.

„Aber niemand“, sagt Enser immer wieder, „hat das Recht, ohne Ihre Erlaubnis Ihre Wohnung zu betreten.“

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