Neuer Umschlagplatz für Holz

Neuer Lagerort für Käferholz - dann geht's nach Asien

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Der geplante Lagerplatz im Gewerbegebiet unterhalb der Susannenhöhe östlich der Firma Lynker.

Halver - Für das verwertbare Käferholz aus heimischen Wäldern ist unterhalb der Susannenhöhe ein eigener Umschlagplatz entstanden, der in den kommenden Tagen in Betrieb gehen soll.

Durch die zur Verfügung gestellten Flächen der dort ansässigen Firma Lynker und der Stadt Halver sollen erhebliche Mengen des inzwischen angefallenen Holzes dort zwischengelagert, in Überseecontainer verladen und nach Asien verschifft werden. 

Astrid Becker, Geschäftsführerin der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Halver, und Förster Ulrich Ackfeld erhoffen sich auf diesem Weg eine zusätzliche Entlastung für den Holzmarkt, der durch das massenhafte Auftreten des Borkenkäfers weitgehend aus den Fugen geraten ist. Sie seien überaus dankbar, dass das Halveraner Unternehmen und die Stadt diese Möglichkeit eröffnet hätten, sagten beide im Gespräch mit uns über die schwierige Lage der Waldbesitzer inmitten der anhaltenden Käferproblematik. 

Freie Flächen sind nicht zu finden

Freie Flächen wie das Reservegrundstück für Lynker seien in weiterer Umgebung nicht zu finden. Das Lager im Gewerbegebiet steht nun für rund ein Jahr zur Verfügung und ist über eine geschotterte Zufahrt erschlossen. Etwa 1200 Stämme werden dann auf dem Gelände abholfertig aufgestapelt. 

Vor der Wendeplatte im Industriegebiet sollen die Container anrollen.

Betreiber des Platzes ist das Unternehmen GTC aus Aschaffenburg, das sich auch um die Logistik kümmert. Es organisiert den Abtransport des maßgerecht aufgearbeiteten Holzes aus dem Wald und die Verladung. Ziel werden Korea und China sein. Gut elf Meter lange Stämme mit definierten Maßansprüchen werden dann von Halver-Oeckinghausen aus in Container verladen und nach Übersee verschifft. 

338 Waldbesitzer in Halver

Für die Forstbetriebsgemeinschaft, die für 338 Waldbesitzer und rund 2600 Hektar Waldfläche steht (1 Hektar = 10 000 Quadratmeter = 100 x 100 Meter), ist die Container-Vermarktung trotz höherer Kosten ein wichtiges Ventil, um die Mengen überhaupt auf den Markt zu bringen. 

Käferfraß nördlich der B229 im September 2018.

Nach aktuellem Stand sind zurzeit rund 8000 Festmeter Käferholz abgewickelt, 2000 Festmeter liegen bereits fertig zum Abtransport, 3000 bis 4000 Festmeter stehen noch und müssten geschlagen und aus dem Wald geholt werden. 

Zum Vergleich: Der jährliche Gesamteinschlag im Bereich der FBG liegt bei 12 000 bis 13 000 Festmetern im Jahr. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Förster, Waldbesitzer und die komplette Logistik dahinter für Transport und Einschlag ausschließlich mit Käferholz ausgelastet sind. 

Sägewerke sind nicht an altem Holz interessiert

Sägewerke für Bauholz sind angesichts des Überangebots nicht mehr interessiert daran, älteres eigentlich noch verwertbares Käferholz aus 2018 in die Betriebe zu holen. Perspektivisch wichtiger für den Forstschutz und auch für die Sägebetriebe sei das Holz mit frischem Käferbefall, weiß Ulrich Ackfeld. 

Das Krisenmanagement für den Wald findet daher auf vielen verschiedenen Ebenen statt. Beispiel: Lässt sich das Holz nur schwer und verspätet verkaufen, müssen trotzdem die Einschlag- und Rückunternehmer bezahlt werden. Die FBG tritt dafür in Vorleistung und weiß die Waldbesitzer hinter sich, über deren Solidarität Astrid Becker große Anerkennung ausspricht. Mit einem Solidarmodell versucht die FBG, ihnen verlässliche Ankaufpreise zu garantieren. Auf diesem Weg soll vermieden werden, dass einzelne Besitzer sich nach dem Windhundprinzip noch den besten Preis sichern, während andere Anbieter vom Preisverfall voll erwischt würden. 

Die Maßansprüche fürs Korea-Holz sind genau definiert.

Dass man des Käferproblems allein durch weitere Aufarbeitung und Abfuhr Herr werden könne, glaubt Ulrich Ackfeld längst nicht mehr. Einzig länger anhaltende Nässe und niedrigere Temperaturen könnten einen dritten Käferflug verhindern und die derzeitig dramatische Situation ein wenig entspannen. Nach zwei trockenen und heißen Jahren und häufiger auftretenden Stürmen sieht Ackfeld die Fichte auf vielen Standorten nicht mehr als Baum mit großer Zukunft für unsere Region. 

Sorgen bei Waldbesitzern

Was sich hinter der Entwicklung noch verbirgt, sieht Astrid Becker mit Sorge. Der Besitz von Wald sei vielfach auch Teil der Altersabsicherung. Fließe mangels erntefähiger Bäumen kein Ertrag mehr und entstehen hohe Kosten für die Wiederbewaldung, so seien Existenzen gefährdet. Dieser vielerorts notwendige Umbau des Waldes in standortgerechte Mischbestände ist zwar teuer, sichert aber die Waldwirtschaft kommender Generationen.

Auch in forsttechnischer Hinsicht sei die Neuorientierung nicht einfach. Für die Aufforstung der Flächen müssen in großem Maße Jungpflanzen produziert werden. Die Wiederaufforstung, damit die Erhaltung der wichtigen Waldfunktionen werde eine Herausforderung, die wir als Gesellschaft in den kommenden Jahren bewältigen müssen.

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